Von der Steinzeit zu den Sternen

Köpfe

David Friedman

Milton Friedmans Sohn promovierte in Physik, lehrte Ökonomie und Jura, ohne in einem der beiden Fächer je einen Kurs mit Leistungsnachweis belegt zu haben. 1973 schrieb er ein nüchternes Plädoyer für eine Gesellschaft ohne Staat. Im Juni nannte der argentinische Präsident seinen Besuch historisch. Seine Rechnung zum mittelalterlichen Island, der staatenlosen Gesellschaft, deren Bürgerkrieg er für nicht tödlicher hielt als die Morde in Amerika, geht so auf, wie er sie 1979 aufgestellt hat; der Vergleich, der in seinem Buch steht, ist allerdings veraltet. Zum Klimawandel sagt er, niemand wisse, ob die Folgen der Erderwärmung unter dem Strich negativ oder positiv sein werden. Er selbst neigt zu der Annahme, dass sie positiv ausfallen.

Am Labor-Day-Wochenende 1969 fanden in St. Louis zwei Kongresse gleichzeitig statt. Der eine war die World Science Fiction Convention. Der andere war der Bundeskongress der Young Americans for Freedom; die konservative Jugendorganisation schloss an diesem Wochenende ihre Libertären aus, nachdem einer von ihnen im Saal seinen Wehrpass verbrannt hatte12. Ein 24-jähriger Physikstudent aus Chicago besuchte beide. Auf dem Science-Fiction-Kongress sollte er zum ersten König des Middle Kingdom gekrönt werden, des neuen Ablegers der Society for Creative Anachronism im Mittleren Westen. Der Verein stellt das Mittelalter nach3.

David Friedman, ein älterer Mann mit lockigem grauem Haar und kräftiger schwarzer Brille, in dunklem Sakko über kariertem Hemd, spricht an einem Rednerpult
Friedman bei einem Vortrag in Irvine, Kalifornien, im Februar 2016. Foto: Gage Skidmore, 2016, via Wikimedia Commons. CC BY-SA 3.0.

Er sei auf beiden gewesen, sagte er Jahre später. Zu seiner eigenen Krönung sei er leider zu spät gekommen4.

Der Student war David Friedman, der Sohn von Milton Friedman. Vier Jahre später veröffentlichte er The Machinery of Freedom. Darin trat er in der schlichten Sprache eines Ökonomielehrbuchs für den Anarchokapitalismus ein. Eine Gesellschaft, so das Argument, könne ihre Polizei, ihre Gerichte und sogar ihre Gesetze auf dem freien Markt kaufen, so wie sie Schuhe kauft5. Das Buch liegt in dritter Auflage vor. Friedman ist heute 81 und schreibt noch immer.

Im Juni 2026 würdigte ein Staatschef das Buch öffentlich. Javier Milei, der Präsident Argentiniens, der sich selbst als Anarchokapitalisten betrachtet6, sagte vor Publikum in Buenos Aires, Friedman in der Stadt zu haben, sei „un evento de proporciones históricas para la tradición liberal en Argentina“ – ein Ereignis von historischem Rang für die liberale Tradition Argentiniens7.

Dieser Artikel widmet sich zwei von Friedmans Thesen. Beide sind empirisch, und beide verteidigt er seit Jahren öffentlich. Die erste: Das mittelalterliche Island sei drei Jahrhunderte lang mit privat durchgesetztem Recht ausgekommen und selbst in seinem Bürgerkrieg nicht viel gewalttätiger gewesen als das heutige Amerika. Die zweite: Niemand wisse, ob der Klimawandel die Welt unter dem Strich schlechter oder besser machen werde.

Was für ein Ritter er denn sei

David Director Friedman wurde im Februar 1945 in New York geboren8; sein Vater arbeitete damals, im Krieg, als Statistiker an der Columbia University. Als David acht war, verbrachte die Familie ein Jahr im englischen Cambridge. Dort stellte der Vater ihn dem Statistiker Ronald Fisher vor, und zwar als Sir Ronald. Wie die Eltern in ihren Memoiren erzählen, fragte der Junge daraufhin, was für ein Ritter er denn sei. Fisher antwortete mit einem Wortspiel: „I am a knight bachelor with five daughters and two sons.“9 Knight Bachelor heißt der einfache britische Rittertitel, bachelor aber auch Junggeselle: ein Junggeselle mit fünf Töchtern und zwei Söhnen.

Er wuchs in einem Haushalt auf, in dem unablässig debattiert wurde und Rang nicht zählte. Im Umgang mit seinem Vater sei in seiner Jugend immer klar gewesen, worauf es ankam, schrieb er 2008: wer recht hatte und das bessere Argument vorbrachte, nicht wer älter war. Status habe schlicht keine Rolle gespielt10.

Mit sechzehn ging er nach Harvard, studierte Chemie und Physik und machte 1965 seinen Abschluss11. Damals war er ein Libertärer der Spielart, die einen begrenzten Staat will, und ein glühender Anhänger Barry Goldwaters9. Der Anarchismus kam später, zum Teil durch einen Roman: Robert Heinleins The Moon Is a Harsh Mistress von 1966 spielt in einer Gesellschaft ohne Staat, und Friedman nennt das Buch als eine der Quellen seiner Ideen5.

Seinem Vater in die Ökonomie folgte er nicht. 1971 promovierte er an der University of Chicago in Physik, zum Teil deshalb, wie er später sagte, weil er nicht sein Leben lang vor allem als Sohn seines Vaters gelten wollte12.

Lange hielt ihn die Physik nicht. Eine Broschüre über Bevölkerungspolitik, die er 1972 schrieb, überzeugte ihn davon, dass er in der Ökonomie besser war und mehr Freude an ihr hatte12. 1976 ging er als Assistenzprofessor für Ökonomie an die Virginia Tech. Es folgten Stellen an der UCLA, an der Tulane University und an der Law School der University of Chicago; von 1995 bis zu seinem Ruhestand 2017 war er Juraprofessor an der Santa Clara University in Kalifornien11. Nach eigener Beschreibung hat er an angesehenen Hochschulen auf Graduiertenniveau zwei Fächer gelehrt, Jura und Ökonomie, und in keinem davon je einen Kurs mit Leistungsnachweis belegt13.

Der größte Teil seiner wissenschaftlichen Arbeit gehört zur ökonomischen Analyse des Rechts, dem Fach, das sein Onkel Aaron Director mitbegründet hat9. Von den 6.752 Zitationen, die Google Scholar für ihn zählt, entfallen 1.182 auf das Buch über die Anarchie. Danach folgen Law’s Order, sein Buch über die Ökonomie des Rechts, ein Aufsatz über Geschäftsgeheimnisse und der Island-Aufsatz, um den es unten geht14. Seine Aufsätze gehen gern von einer merkwürdigen Frage aus. Einer davon, „Why Not Hang Them All“ (Warum nicht alle hängen?), fragt, warum Gesellschaften lieber teuer strafen, etwa mit Gefängnis, als billig, etwa mit Geldstrafen. Die Antwort: Eine Strafe, an der der Vollstrecker verdient, lädt zum Missbrauch ein15.

Jenseits der Universität hat er ein ungewöhnliches Leben geführt. 1969 trat er der Society for Creative Anachronism bei und ist dort bis heute aktiv, als Duke Cariadoc of the Bow. König war er viermal, zweimal im Middle Kingdom und zweimal im East Kingdom16, und nach eigener Darstellung half er, den Schaukrieg zwischen den beiden anzuzetteln: Er überbrachte dem König des Ostens den Kriegspfeil des Middle Kingdom, gewann dann selbst die Krone des Ostens und kämpfte auf der anderen Seite4.

Vater und Sohn waren sich in den meisten Dingen einig, nur nicht in der Frage, durch die der Sohn bekannt wurde. Milton wollte einen kleinen Staat, David gar keinen. David fasste den Unterschied in zwei Sätzen zusammen: Er glaube, ein System privater Rechtsdurchsetzung, wie er es beschrieben habe, würde unter vielen, wenn auch nicht allen Umständen wahrscheinlich funktionieren, vielleicht aber auch nicht. Sein Vater habe geglaubt, es könne funktionieren, werde es aber wahrscheinlich nicht12.

Milton legte seine Sicht 1995 im Magazin Reason dar. Er wäre gern ein Libertärer ganz ohne Staat, sagte er, halte das aber nicht für machbar. Wenn er sich die Geschichte ansehe: Wo sonst finde man, außer vielleicht in Island, historische Beispiele dafür, dass sich ein solches System entwickelt habe17? Das Beispiel hatte er von seinem Sohn; dessen Island-Aufsatz, schreibt er in den Memoiren, habe sein Interesse an dem Land geweckt9.

Bücher und BHs

The Machinery of Freedom erschien 1973, gewidmet unter anderem Milton Friedman, Friedrich Hayek und dem Science-Fiction-Autor Robert Heinlein, von denen er gelernt habe. Die Grundidee ist einfach. Die Menschen würden private Schutzagenturen dafür bezahlen, ihre Rechte zu schützen. Gerieten die Kunden zweier Agenturen in Streit, würden die Agenturen den Fall einem Schiedsgericht vorlegen, auf das sie sich vorher geeinigt hätten. Die Alternative, der Kampf, kostet nämlich Geld. Kriege seien sehr teuer, heißt es im Buch über zwei erfundene Agenturen, und beide seien gewinnorientierte Unternehmen, denen mehr am Sparen liege als daran, das Gesicht zu wahren5:

But wars are very expensive and Tannahelp and Dawn Defense are both profit-making corporations, more interested in saving money than face.

— David Friedman, The Machinery of Freedom

Die Schiedsgerichte wiederum würden über die Qualität ihrer Schiedssprüche miteinander konkurrieren. Im Ergebnis, schrieb Friedman, würden Rechtssysteme mit Gewinnabsicht auf dem freien Markt produziert, so wie heute Bücher und BHs. Sein Rechenbeispiel ist die Todesstrafe. Wollen die Kunden der einen Agentur die Todesstrafe und die der anderen nicht, verhandeln die Agenturen, und die Seite, deren Kunden mehr an ihrer Regel liegt, bezahlt die andere dafür, sie hinzunehmen. In einem solchen System kaufen diejenigen das Recht, denen am meisten daran liegt, gemessen an dem, was sie zu zahlen bereit sind.

Im libertären Bücherregal fiel das Buch durch das auf, was es nicht behauptete. Die meisten radikalen Libertären argumentierten naturrechtlich: Aggression ist Unrecht, der Staat ist Aggression, also ist der Staat Unrecht. Friedman argumentierte mit den Folgen. Wo er stehe, woher seine Argumente kämen und wohin sie ihn führten, wisse er bei praktischen Fragen sehr viel sicherer als bei ethischen, schrieb er.

Den bekanntesten Anarchisten der Bewegung machte das misstrauisch. 1977 schrieb Murray Rothbard einen Essay mit dem Titel „Do You Hate the State?“ (Hassen Sie den Staat?). Er warf Friedman amoralischen Utilitarismus vor und kam zu dem Schluss, David hasse den Staat offensichtlich ganz und gar nicht18. Friedmans Antwort stand in den Kapiteln, die er 1989 der zweiten Auflage hinzufügte: Er wisse sehr viel mehr darüber, was funktioniert, als darüber, was gerecht ist5.

In der Hauptsache bekannte er sich 2008 schuldig. Rothbard habe recht gehabt, schrieb er: Er selbst halte den Staat nicht für ein teuflisches Komplott böser Menschen, die unschuldige Opfer ausbeuten wollen, sondern bloß für einen verständlichen und bedauerlichen Irrtum. In dieser Hinsicht zumindest sei er ein Schwächling, kein Grobian19:

He was correct. I don’t view the state as a diabolical plot by evil people to exploit innocent victims, merely as an understandable and unfortunate mistake. In that regard, at least, I am a wimp, not a boor.

— David Friedman, 2008

Die Wörter stammen von ihm selbst, aus einem Beitrag über einen Streit unter Libertären um bewusst verletzende Sprache. „Boors“ (Grobiane), wie die Gegenseite sie nennt, verletzen gern linksliberale Empfindlichkeiten; „wimps“ (Schwächlinge) lassen das lieber. Schwächlinge, vermutete er, sähen in ihren Gegnern auf der Linken eher vernünftige Menschen, die sich irren; Grobiane sähen in ihnen eher Dumme oder Böse19.

Die Meinungsverschiedenheit kam in Buenos Aires wieder zum Vorschein, mit einem Staatschef auf Rothbards Seite. Milei baute seine Rede um das Buch herum. Er lobte Friedman dafür, dass er „pura y exclusivamente desde los resultados“ argumentiere, einzig und allein von den Ergebnissen her, und sprach von „la enorme inspiración“, die er ihm verdanke. Dann ging er auf Distanz. „A diferencia de David, que se dedicó a desarrollar el argumento en términos de eficiencia, hoy creo que el énfasis debe ser puesto sobre los valores morales del capitalismo“ – anders als David, der das Argument über die Effizienz entwickelt habe, glaube er, heute müsse der Schwerpunkt auf den moralischen Werten des Kapitalismus liegen. Unter seinen Lehrern nannte er Rothbard7. Friedman hatte drei Tage zuvor einer chilenischen Zeitung gesagt, Milei bewege sich in die richtige Richtung, könne aber nicht weit kommen; dass der Präsident die Anarchie noch erleben werde, bezweifle er6.

Friedmans allgemeinstes Argument stellt die Lehrbuchbegründung des Staates auf den Kopf. Ökonomen rechtfertigen den Staat mit Marktversagen, also mit den Fällen, in denen Menschen die Kosten ihres Handelns nicht selbst tragen. In der Politik, erwidert Friedman, trägt sie fast niemand. Marktversagen, auf dem privaten Markt die Ausnahme, sei deshalb auf dem politischen Markt die Regel5.

Fast denselben Satz gebrauchte er am 2. Oktober 2026, um zu erklären, warum er eine CO₂-Steuer ablehnt. Im Prinzip ist er dafür. Hätte er auf der Welt das Sagen und ginge es ihm nur um Effizienz, schrieb er, würde er Treibhausgase in Höhe des Schadens besteuern, den sie anrichten, und mit den Einnahmen die schädlichsten anderen Steuern senken; das ist die Antwort des Lehrbuchs. Er rechnet aber nicht damit, dass eine wirkliche Steuer so aussähe. Sie würde sich, so seine Erwartung, nach einem politischen Temperaturziel richten und nicht nach dem Schaden, und könnte deshalb mehr kosten, als das kühlere Klima wert ist. Die Einnahmen würde der Staat behalten, so wie Kriegssteuern nach dem Krieg bleiben. Und eine Öffentlichkeit, die von der Katastrophe überzeugt ist, würde Eingriffe in viele andere Dinge hinnehmen. Sein Beleg dafür, dass Regierungen sich so verhalten, sind Zölle: Seit zwei Jahrhunderten wisse die Ökonomie, dass ein Zoll dem Land, das ihn erhebt, in der Regel schade, und doch erhebe fast jedes Land welche20. Ein weiterer Grund reicht tiefer. Friedman behauptet gar nicht zu wissen, ob Emissionen unter dem Strich überhaupt schaden; und wenn das Vorzeichen des Effekts unbekannt ist, dann ist auch offen, ob die richtige Steuer über null läge20. Um diesen Zweifel geht es bei der zweiten These, die unten geprüft wird.

Was er nach eigenen Worten nicht lösen kann

Die nützlichsten Kapitel des Buchs sind die, in denen Friedman aufzählt, was sein System womöglich nicht leisten kann.

Das erste Problem ist die Landesverteidigung. Eine private Agentur kann ein Haus schützen, weil sie dem Nachbarn, der nicht zahlt, den Schutz verweigern kann. Vor einer fremden Armee aber kann sie niemanden schützen, ohne auch den Nachbarn zu schützen. Die Verteidigung gegen andere Staaten sei beim heutigen Stand der Militärtechnik ein öffentliches Gut, schrieb er. Er skizzierte einige Wege, wie eine anarchistische Gesellschaft sie bezahlen könnte, und räumte ein, dass keiner sicher sei: Er wäge nur ein unvollkommenes System gegen ein anderes ab und versuche zu erraten, welches besser funktioniere. Müsste er wählen, würde er für die Verteidigung einen steuerfinanzierten Staat behalten. Er zahle nicht gern Steuern, aber lieber an Washington als an Moskau.

Das zweite Problem ist schlechtes Recht. Ein Markt für Recht liefert die Gesetze, für die Menschen zu zahlen bereit sind, und das müssen keine libertären sein. Falls fast alle fest davon überzeugt seien, dass Heroinsucht etwas so Schreckliches sei, dass man sie nirgends und unter keinen Umständen zulassen dürfe, dann würden anarchokapitalistische Institutionen Gesetze gegen Heroin hervorbringen, schreibt Friedman. Sein Trost ist eine Rechnung: Die Nachfrage auf einem Markt bemesse sich in Dollar, nicht in Stimmen. Wer anderen ihr Leben vorschreiben wolle, sei selten bereit, viel für dieses Vorrecht zu zahlen; ein Verbot brauche deshalb eine Mehrheit, die zugleich groß und leidenschaftlich sei. Sein Urteil über die Alternative, einen begrenzten Staat, der begrenzt bleibt, fällt knapp aus: Anarchie könnte immerhin funktionieren; den begrenzten Staat hat man schon ausprobiert5.

Anarchy at least might work; limited government has been tried.

— David Friedman, The Machinery of Freedom

Das dritte Problem warf er selbst auf; in seiner eigenen Zählung ist es das zweite und weitaus ernstere Argument gegen den Anarchokapitalismus. Die Agenturen würden über den größten Teil der bewaffneten Macht einer Gesellschaft verfügen. Was, fragte er, könnte sie daran hindern, sich zusammenzutun und sich mit dieser Macht selbst zum Staat zu machen? Seine Antwort: die Zahl der Anbieter. Ein Kartell aus drei Firmen lässt sich leicht organisieren, eines aus Tausenden nicht, und in den ersten beiden Auflagen vermutete er, die Zahl der Agenturen werde näher an 10.000 liegen als an 321.

Kritiker bezweifeln, dass die Zahl Schutz genug ist. 1992 argumentierte der Ökonom Tyler Cowen, gerade die Mechanik des Systems mache das Kartell möglich. Um Streitigkeiten friedlich beizulegen, brauchen die Agenturen ein gemeinsames Netz von Schiedsverfahren. Wenn dieses Netz erfolgreich Sanktionen gegen Regelbrecher durchsetzen könne, so Cowen, dann könne es das auch gegen mögliche Konkurrenten22. Friedman wies das Argument zurück, räumte aber ein, was schon im Buch stand: Einigten sich alle bestehenden Firmen auf eine gemeinsame wettbewerbsfeindliche Politik, könnten sie sehr wohl über die nötige physische Gewalt verfügen, um sie durchzusetzen, indem sie die Gründung neuer Firmen verhinderten23.

Die dritte Auflage von 2014 ging weiter. Ein neues Kapitel greift einen Einwand auf, den der Ökonom James Buchanan, später sein Kollege an der Virginia Tech, in einer Rezension der ersten Auflage erhoben hatte. Die Agenturen, schrieb Friedman nun, verkaufen zwei Produkte: die Durchsetzung von Rechten und die Fähigkeit, anderen Agenturen zu drohen, und Drohungen werden mit der Größe womöglich billiger. Seine Gründe für die Annahme, dass die Größenvorteile der Branche nicht ausreichen würden, um sehr große Firmen entstehen zu lassen, seien deshalb schwächer, als er gedacht habe. Ein Kartell könnte wieder einen Staat errichten, womöglich einen schlechteren als den, mit dem man angefangen habe. Die Gefahr sieht er vor allem in den Anfangsjahren einer staatenlosen Gesellschaft, und das Kapitel schließt mit seinem alten Optimismus. Eine Änderung vermerkt die Auflage nicht: Im Kapitel über die Stabilität ist aus „nearer 10,000 than 3“ ein „nearer a thousand than three“ geworden, aus näher an 10.000 als an 3 also näher an tausend als an drei5.

Wie von einem verrückten Ökonomen erfunden

Das Argument, Recht könne ohne Staat funktionieren, wird stärker, wenn sich ein Ort nennen lässt, an dem es das getan hat. Friedman lieferte ihn 1979 mit einem Aufsatz im Journal of Legal Studies: „Private Creation and Enforcement of Law: A Historical Case“24. Unter den Aufsätzen, die er allein geschrieben hat, ist es der meistzitierte14, und seit 1989 hat das Beispiel ein eigenes Kapitel im Buch.

Es ging um Island zwischen etwa 930, als seine Volksversammlung gegründet wurde, und 1262–64, als es sich dem norwegischen König unterwarf. Islands Institutionen, schrieb Friedman, könnten beinahe von einem verrückten Ökonomen erfunden worden sein, der testen wollte, wie weit Marktsysteme den Staat in seinen grundlegendsten Aufgaben ersetzen können.

Island hatte Gesetze, eine gesetzgebende Versammlung namens Althing und Gerichte. Es hatte keinen König, keine Polizei und keinen Staatsanwalt. Die Macht lag bei Häuptlingen, den Goden; seit einer Reform um 965 waren es 3925. Jeder hatte ein goðorð inne, ein Godenamt, das man kaufen, verkaufen und erben konnte. Ein Bauer mit eigenem Hof konnte wählen, welchem Goden er folgte, und wechseln. Eine Tötung war ein Unrecht an der Familie des Opfers, die selbst klagen musste. Wer wegen einer Tötung verurteilt wurde, war geächtet, und jeder durfte ihn straflos töten; in den Sagas enden die meisten Fälle allerdings mit einer ausgehandelten Buße26. Und ein Anspruch ließ sich verkaufen. So konnte eine Familie, die zu schwach war, ihren Anspruch selbst durchzusetzen, ihn an jemanden abtreten, der stark genug dazu war.

Er habe die gesetzgebende und die rechtsprechende Gewalt dieses „Staates“ beschrieben, die vollziehende aber ausgelassen, schrieb Friedman. Das hätten die Isländer auch getan24.

Die Behauptung auf dem Prüfstand

Das System hielt mehr als dreihundert Jahre. Der naheliegende Einwand betrifft sein Ende: die Sturlungenzeit, einen Bürgerkrieg, in dem eine Handvoll mächtiger Familien um die Herrschaft über die Insel kämpfte. Falls private Rechtsdurchsetzung zu privatem Krieg führt, beweist das Beispiel das Gegenteil dessen, was Friedman zeigen will.

Friedman antwortete 1979, indem er die Toten zählte. Vom isländischen Gelehrten Einar Ól. Sveinsson übernahm er die Zahl von etwa 350 Männern, die zwischen 1208 und 1260 im Kampf getötet oder hingerichtet wurden, und setzte sie ins Verhältnis zu einer Bevölkerung von etwa 70.000. Die jährliche Rate je Einwohner, so sein Ergebnis, entsprach ungefähr der damaligen Rate von Mord und vorsätzlichem Totschlag in den Vereinigten Staaten24. The Machinery of Freedom enthält die Rechnung seit 1989: Das ergebe 7 Tote im Jahr bei einer Bevölkerung von etwa 70.000, also etwa einen Toten auf zehntausend Menschen im Jahr. Selbst in dem, was die Isländer als ihre nationale Katastrophe betrachteten, folgerte er, sei ihre Gesellschaft nicht wesentlich gewalttätiger gewesen als „ours“, die amerikanische5.

Die Rechnung hängt an unsicheren Zahlen. Die Grafik rechnet sie deshalb auch mit anderen durch.

In seinen schlimmsten Jahren war Islands Bürgerkrieg so tödlich wie gewöhnliche Tötungsdelikte im Mittelalter

Tote je 100.000 Einwohner und Jahr. Die Bürgerkriegszeilen zählen nur Menschen, die im Kampf getötet oder hingerichtet wurden; die Vergleichszeilen zählen Tötungsdelikte. Die Schätzungen der Bevölkerung des mittelalterlichen Island reichen von 40.000 bis 80.000.

Island, Tote im Bürgerkrieg 1208–60, Friedmans Zahlen: 9,6 je 100.000 und Jahr (350 Tote in 52 Jahren bei 70.000 Einwohnern) 1208–60, Friedmans Zahlen 9,6 1208–58, die Zählung von 1878: 9,3 je 100.000 und Jahr bei 80.000 Einwohnern 1208–58, die Zählung von 1878: bis zu 18,5 je 100.000 und Jahr bei 40.000 Einwohnern 1208–58, die Zählung von 1878 9,3–18,5 1238–55, nur fünf Gefechte: 19,9 je 100.000 und Jahr bei 80.000 Einwohnern 1238–55, nur fünf Gefechte: bis zu 39,7 je 100.000 und Jahr bei 40.000 Einwohnern 1238–55, nur fünf Gefechte 19,9–39,7 Tötungsdelikte zum Vergleich England, 13.–14. Jahrhundert: 23 je 100.000 und Jahr (Eisner) England, 13.–14. Jahrhundert 23 Europa, 13.–14. Jahrhundert: 32 je 100.000 und Jahr (Durchschnitt aus 76 Schätzungen) Europa, 13.–14. Jahrhundert 32 Skandinavien, 15. Jahrhundert: 46 je 100.000 und Jahr (frühester skandinavischer Wert) Skandinavien, 15. Jahrhundert 46 USA, 1974: 9,7 je 100.000 und Jahr (der Wert, den Friedman 1979 zitierte) USA, 1974 9,7 der Wert, den Friedman 1979 zitierte USA, 2014: 4,5 je 100.000 und Jahr (das Jahr der dritten Auflage des Buchs) USA, 2014 4,5 das Jahr der dritten Auflage Island heute, 2014–23: 0,8 je 100.000 und Jahr (Zehnjahresdurchschnitt) Island heute, 2014–23 0,8 0 10 20 30 40 50 Zweiteilige Balken: erster Teil bei 80.000 Einwohnern, Verlängerung bei 40.000 (dieselben Toten).
Die Zahlen anzeigen
ZeileToteJahreBevölkerungJe 100.000 und Jahr
Island 1208–60, Friedmans Zahlen (nach Sveinsson)3505270.0009,6
Island 1208–58, Zählung von Guðbrandur Vigfússon (1878)3705040.000–80.0009,3–18,5
Island 1238–55, nur Örlygsstaðir, Flóabardagi, Haugsnes, Flugumýri und Þveráetwa 2701740.000–80.00019,9–39,7
England, 13.–14. Jahrhundert (Tötungsdelikte)Eisner, Tabelle 123
Europa, 13.–14. Jahrhundert (Tötungsdelikte, Durchschnitt aus 76 Schätzungen)Eisner, Tabelle 232
Skandinavien, 15. Jahrhundert (Tötungsdelikte)Eisner, Tabelle 1; kein früherer Wert46
USA, 1974 (Mord und Totschlag, ohne fahrlässige Tötung)Sourcebook of Criminal Justice Statistics 1976, Tabelle 3.809,7
USA, 2014 (Mord und Totschlag, ohne fahrlässige Tötung)FBI, Crime in the United States 2014, Tabelle 14,5
Island, Durchschnitt 2014–23 (Tötungsdelikte)Weltbank0,8
Eigene Berechnung nach: Friedman, ‚Private Creation and Enforcement of Law‘ (1979), Anm. 46, nach Einar Ól. Sveinsson, The Age of the Sturlungs (1953), S. 72; Gunnar Karlsson, ‚Hversu margir voru vegnir á Sturlungaöld?‘, Vísindavefurinn (2014), mit der Zählung von Guðbrandur Vigfússon aus dem Jahr 1878. Tötungsraten: Manuel Eisner, ‚Long-Term Historical Trends in Violent Crime‘, Crime and Justice 30 (2003), Tabellen 1 und 2; Sourcebook of Criminal Justice Statistics 1976, Tabelle 3.80; FBI, Crime in the United States 2014, Tabelle 1; Weltbank, vorsätzliche Tötungsdelikte je 100.000 Einwohner, abgerufen am 9. Oktober 2026.

So, wie Friedman sie aufgestellt hat, geht die Rechnung auf. Seine Zahlen ergeben 9,6 Tote je 100.000 Einwohner und Jahr. Die amerikanische Mordrate in der Tabelle, die er zitierte, lag für 1974 bei 9,727. Ein Fachmann hat es unverblümter formuliert als er selbst. Man dürfe vermuten, schrieb der Historiker Jesse Byock über dieselben 350, dass in diesen fünfzig Jahren mehr Männer als diese von ihren eigenen Pferden überrannt worden seien28. Selbst bei der niedrigsten Bevölkerungsschätzung bleibt der Durchschnitt des halben Jahrhunderts unter der gewöhnlichen Tötungsrate im mittelalterlichen England29.

Vier Einschränkungen sind nötig. Die erste betrifft den Durchschnitt. Die einzige Zählung, deren Herkunft bekannt ist, stammt von dem Gelehrten Guðbrandur Vigfússon aus dem 19. Jahrhundert: etwa 370 Männer, die zwischen 1208 und 1258 im Kampf fielen oder hingerichtet wurden. Der Historiker Gunnar Karlsson, der sie wiedergibt, fügt hinzu, die große Mehrheit sei nach 1230 gestorben, und auf fünf Gefechte zwischen 1238 und 1255 entfielen etwa 270 Tote30. In diesen siebzehn Jahren war die Rate zwei- bis viermal so hoch wie der amerikanische Wert, den Friedman danebenstellte.

Die zweite betrifft die Bevölkerungszahl. Friedmans 70.000 waren die niedrigere der beiden Zahlen, die seine Quelle anbot; die andere war 80.000. Historiker rechnen inzwischen mit 40.000 bis 60.00028; aus seinen 9,6 werden damit 11 bis 17 (eigene Berechnung).

Die dritte betrifft das, was gezählt wird. Die Bürgerkriegszeilen zählen Männer, die im Kampf fielen oder hingerichtet wurden. Die Zeilen darunter zählen Tötungsdelikte. Gewöhnliche Tötungen in Island stecken weder in Friedmans Zahl noch in der Grafik, und nach Ansicht des Rechtshistorikers William Ian Miller lassen sie sich auch nicht nachtragen: Tötungsraten, ohnehin nur ein sehr grober Indikator, seien für das mittelalterliche Island nicht zu ermitteln, weil man weder die Zahl der Tötungen noch die der Menschen kenne31.

Die vierte betrifft das Datum. In der dritten Auflage des Buchs steht noch immer „ours“. Als sie 2014 erschien, lag die amerikanische Mordrate seit 1999 unter 6 je 100.000 und zuletzt bei 4,532. Gemessen an diesem Amerika war der isländische Bürgerkrieg etwa doppelt so tödlich, gemessen am heutigen Island zwölfmal so tödlich.

Nach den Zahlen war der Bürgerkrieg, der das staatenlose Island beendete, in seinen schlimmsten Jahren also etwa so tödlich wie gewöhnliche Tötungsdelikte in einem mittelalterlichen Königreich, und tödlicher, als der Vergleich im Buch heute nahelegt. Wie gewalttätig der Alltag war, können die Zahlen nicht sagen.

Die schwierigeren Fragen sind, wem das System diente und warum es endete. Der Markt für Schutz stand Bauern mit eigenem Hof offen. Eine mittelalterliche Chronik beziffert die Bauern mit vollen Rechten für den Beginn des 12. Jahrhunderts auf 4.560, bei einer Bevölkerung, die auf etwa 60.000 geschätzt wird. Fast alle anderen gehörten zum Haushalt eines Bauern; wer kein Land hatte, war dazu gesetzlich verpflichtet33. Die Sklaverei wurde nie förmlich abgeschafft34. Den verkäuflichen Anspruch, Friedmans Mechanismus zum Schutz der Schwachen, gab es wirklich, und er hatte seinen Preis. Ein gewöhnlicher Bauer hatte im Streit mit gewichtigeren Gegnern kaum Aussicht auf Erfolg, schreibt Byock, wenn kein Gode für ihn auftrat, und der Rechtsbeistand wurde zu einer Quelle der Macht der Goden35.

Beim Ende hat Friedman das Problem nie verschwiegen. Die Konzentration der Macht, heißt es in seinem Aufsatz von 1979, sei eines der Probleme gewesen, die im 13. Jahrhundert schließlich zum Zusammenbruch des isländischen Rechtssystems führten24. Isländische Historiker setzen ihre Anfänge schon im 11. Jahrhundert an. Um 1220 beherrschten sechs führende Familien Gebiete wie kleine Staaten, in denen sich, wie ein Historiker zusammenfasst, jeder Bauer dem Willen des großen Goden beugen musste36. Der Kirchenzehnt floss zum Teil an Kirchen, die Grundbesitzer kontrollierten, und verschaffte ehrgeizigen Familien ein stetiges Einkommen. In Legal Systems Very Different from Ours von 2019 erkennt Friedman das an: Der Zehnt habe wie eine Steuer gewirkt, als Einnahmequelle, die die Macht ehrgeiziger Männer stützte. Dasselbe Kapitel korrigiert seinen Aufsatz, der sich in einigen wichtigen rechtlichen Einzelheiten geirrt habe, unter anderem bei den Bestimmungen zur Ächtung26.

Der schärfere Einwand betrifft die Frage, warum Island so lange ohne Staat auskommen konnte. Der Richter und Rechtsökonom Richard Posner nannte 1992 zwei Gründe. Island habe keine nennenswerten äußeren Feinde gehabt, und es sei sehr arm gewesen; deshalb sei es für jeden schwierig gewesen, ein Gefolge zu unterhalten. Eine Gemeinschaft brauche einen Überschuss, um Spezialisten für Zwang zu ernähren; sobald es ihn gebe, seien die Tage des staatenlosen Staates gezählt37. Wenige moderne Gesellschaften sind so arm oder so sicher vor ihren Nachbarn.

Zusammengenommen zeigt Island zweierlei. Privat durchgesetztes Recht hielt eine arme, abgelegene Gesellschaft von Bauern drei Jahrhunderte lang in Gang, und selbst in ihrem letzten, kriegerischen halben Jahrhundert fielen je Einwohner weniger Männer im Kampf, als im mittelalterlichen England durch gewöhnliche Tötungsdelikte starben. Und ihre konkurrierenden Godenämter verschmolzen langsam zu wenigen territorialen Mächten, wie es die Sorge um die Größe vorhersagt, und gerieten dann unter einen fremden König. Friedman war von Anfang an vorsichtig. Es sei schwierig, aus der isländischen Erfahrung irgendeinen Schluss über die Tragfähigkeit privater Rechtsdurchsetzung im 20. Jahrhundert zu ziehen, schrieb er 197924. Nach diesem Befund könnte Anarchie funktionieren, am richtigen Ort und für eine Weile.

Das Vorzeichen der Summe

Das Klima ist das andere Thema, über das Friedman seit Jahren öffentlich streitet, und dasjenige, bei dem man ihn am leichtesten für jemanden hält, der die Wissenschaft leugnet.

Das tut er nicht. Die Debatte habe ihn zu der Vermutung gebracht, dass die erste Hälfte des Arguments stimme: Das Weltklima erwärme sich, und menschliches Handeln sei ein wichtiger Teil der Ursache. So schrieb er es 2009 in einem Beitrag, den er 2024 neu veröffentlichte38. Sein Einwand gilt der zweiten Hälfte, der Behauptung, die Folgen seien unter dem Strich schlecht oder gar katastrophal. Die Kosten würden gezählt, sagt er, die Vorteile nicht. Sein nächstes Buch, Consequences of Climate Change: A Skeptical Account, steht als Entwurf auf seiner Website. Es bleibt bei der Position, die er seit mehr als einem Jahrzehnt vertritt: Man wisse nicht genug, um sich der Größe oder auch nur des Vorzeichens der Nettoeffekte des Klimawandels sicher zu sein39. Am 5. Oktober 2026 schrieb er einem Leser, der CO₂-Steuern für zu niedrig hielt, er kenne nicht einmal das Vorzeichen des externen Nettoeffekts, geschweige denn seine Größe20:

I don’t even know the sign of the net externality, let alone the magnitude.

— David Friedman, Oktober 2026

Seine Gründe sind konkret. An Kälte sterben weit mehr Menschen als an Hitze, weltweit etwa fünfzehnmal so viele, wie er aus einer Studie in The Lancet von 2015 herausliest. Die Erwärmung verschiebt die Grenze des bewohnbaren Landes zu den Polen hin. Nach seiner eigenen groben Schätzung würden drei weitere Grad mehr als zehn Millionen Quadratkilometer warm genug zum Leben machen. Kohlendioxid nährt Pflanzen und steigert die Erträge der meisten Nutzpflanzen. Dem stellt er seine Schätzung des Landes gegenüber, das ein steigendes Meer kosten würde: gut zwanzigtausend Quadratkilometer40.

Wo er doch eine Vermutung wagt, fällt sie positiv aus. Müsste er raten, heißt es in der Auflage seines Buchs von 2014, dann würde er auf einen positiven Nettoeffekt der Veränderung tippen5. Im März 2026 ging er einen Schritt weiter: Kurzfristig könnte der menschengemachte Klimawandel uns schlechterstellen, langfristig werde er uns besserstellen. Der nächste Absatz besteht aus einem Wort: „Probably“, wahrscheinlich41.

Seit zwölf Jahren beschäftigt ihn außerdem ein einzelner Satz über die Zahl, nach der sich 97 Prozent der Klimaforscher einig sind. 2013 ordneten John Cook, der die Klima-Website Skeptical Science betreibt, und acht Kollegen die Kurzfassungen (Abstracts) von 11.944 Klimastudien ein. Von den 4.014, die eine Position bezogen, vertraten 97,1 Prozent die Ansicht, dass der Mensch die globale Erwärmung verursacht42. Einen Monat später hieß es in einem Artikel, den Cook als Mitautor in einer anderen Zeitschrift veröffentlichte, die Studie habe ergeben, dass mehr als 97 Prozent die Ansicht vertraten, die Erde erwärme sich und menschliche Treibhausgasemissionen seien die Hauptursache43. Friedman sah sich die Daten der Studie an. Die 97 Prozent fassten drei Stufen der Zustimmung zusammen, und nur die erste, mit 64 Abstracts oder 1,6 Prozent, nannte den Menschen ausdrücklich als Hauptursache. John Cook kenne gewiss den Inhalt seiner eigenen Studie, schrieb Friedman im Februar 2014; der fragliche Satz sei deshalb „a deliberate lie“, eine bewusste Lüge44. In einer Antwort unter Cooks Namen im Blog des Ökonomen David Henderson hieß es, Friedman habe ihn aus dem Zusammenhang gerissen zitiert: Er habe die Worte weggelassen, die die Aussage auf die Abstracts mit einer Position beschränken45. Das war nicht Friedmans Einwand gewesen, und er antwortete mit einer Frage: „is he a rogue or a fool?“ – ist er ein Schurke oder ein Narr46? Die Episode ist heute ein Kapitel des Buchentwurfs, in einem Teil mit der Überschrift „Evidence that the orthodoxy should not be trusted“, Belege dafür, dass man der herrschenden Lehre nicht trauen sollte39.

Die Behauptung auf dem Prüfstand

Zuerst der Satz, weil die Zahlen hier eindeutig sind.

Direkt gefragt, nennen die meisten Klimaforscher den Menschen als Hauptursache

Cook et al. (2013), zweimal bewertet, vom Team der Studie und von den Autoren der Aufsätze selbst, und auf drei Arten gezählt; dazu drei Umfragen unter Wissenschaftlern, die zum Klima publizieren: Hat der Mensch den größten Teil der Erwärmung verursacht?

Cook et al. (2013): 4.014 Abstracts, bewertet vom Team der Studie Abstracts, der Mensch verursacht die Erwärmung: 97,1 % Der Mensch verursacht die Erwärmung Stufen 1–3: 3.896 von 4.014 97,1 % Abstracts, der Mensch als Hauptursache, ausdrücklich genannt: 1,6 % Mensch als Hauptursache, ausdrücklich nur Stufe 1: 64 von 4.014 (Friedmans Zahl) 1,6 % Abstracts, Hauptursache unter denen, die sich festlegen: 87,7 % Hauptursache, sofern festgelegt 64 auf Stufe 1, 9 auf Stufe 7 (unter der Hälfte) 87,7 % Dieselbe Studie: Aufsätze, bewertet von ihren eigenen Autoren Bewertung durch die Autoren, der Mensch verursacht die Erwärmung: 97,2 % Der Mensch verursacht die Erwärmung 1.342 der 1.381 Aufsätze mit Position 97,2 % Bewertung durch die Autoren, der Mensch als Hauptursache, ausdrücklich genannt: 16,3 % Mensch als Hauptursache, ausdrücklich 224 der 1.377 in den veröffentlichten Daten 16,3 % Bewertung durch die Autoren, Hauptursache unter den Aufsätzen, die sich festlegen: 96,1 % Hauptursache, sofern festgelegt 224 sagten: größter Teil; 9: unter der Hälfte 96,1 % Umfragen unter publizierenden Klimaforschern: Mensch verursachte den größten Teil Klimaforscher in der American Meteorological Society: 78 % Klimaforscher in der AMS, 2012 n = 124 (Stenhouse et al. 2014) 78 % Autoren von mehr als zehn Klimastudien, die eine Schätzung abgaben: 89 % Autoren von über zehn Klimastudien, 2012 623 mit Schätzung; 74 % aller 752 (Verheggen) 89 % Bestätigte Klimaexperten: 98,7 % Bestätigte Klimaexperten, 2019 n = 153 (Myers et al. 2021) 98,7 %
Die Zahlen anzeigen
MessungFrageBasisZustimmung
Cook et al. 2013, Abstracts, Stufen 1–3der Mensch verursacht die Erwärmung, ausdrücklich oder implizit, ohne den Anteil kleinzureden3.896 von 4.014 Abstracts97,1 %
Cook et al. 2013, Abstracts, Stufe 1der Mensch ist die Hauptursache, ausdrücklich gesagt64 von 4.014 Abstracts1,6 %
Cook et al. 2013, Abstracts, Stufe 1 ggü. Stufe 7Hauptursache, unter den Abstracts, die mehr oder weniger als die Hälfte nennen64 von 73 Abstracts87,7 %
Cook et al. 2013, Bewertung der Autoren, Tabelle 4der Mensch verursacht die Erwärmung1.342 von 1.381 Aufsätzen mit Position97,2 %
Cook et al. 2013, Bewertung der Autoren, veröffentlichte Dateider Mensch verursacht den größten Teil der Erwärmung, ausdrücklich gesagt224 von 1.377 Aufsätzen mit Position (sechs weniger als in Tabelle 4)16,3 %
Cook et al. 2013, Bewertung der Autoren, veröffentlichte Dateider Mensch verursacht den größten Teil der Erwärmung, ggü. weniger als der Hälfte224 von 233 Aufsätzen (das Team der Studie zählt 228 von 237)96,1 %
Stenhouse et al. 2014, Umfrage von 2012Erwärmung der vergangenen 150 Jahre überwiegend durch menschliches Handeln verursacht124 Mitglieder der Gesellschaft mit Fachgebiet Klimaforschung, die überwiegend zum Klima publizieren; weitere 10 % sagten: zu gleichen Teilen menschlich und natürlich78 %
Verheggen et al. 2014, Umfrage von 2012mehr als die Hälfte der Erwärmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts geht auf Treibhausgase aus menschlichem Handeln zurück623 Autoren von mehr als zehn Klimastudien, die eine Schätzung abgaben; 74 % aller 752 einschließlich derer ohne Schätzung89 %
Myers et al. 2021, Umfrage von 2019die Erde erwärmt sich überwiegend durch menschliches Handeln153 bestätigte Klimaexperten98,7 %
Eigene Auszählung der Datendateien zu John Cook et al., ‚Quantifying the consensus on anthropogenic global warming in the scientific literature‘, Environmental Research Letters 8 (2013), dazu die Tabellen 3 und 4 des Aufsatzes; Neil Stenhouse et al., ‚Meteorologists’ Views About Global Warming‘, Bulletin of the American Meteorological Society 95 (2014), Tabelle 1; Bart Verheggen et al., ‚Scientists’ Views about Attribution of Global Warming‘, Environmental Science & Technology 48 (2014), Zusatzmaterial, Tabelle S3; Krista Myers et al., ‚Consensus revisited‘, Environmental Research Letters 16 (2021), Tabelle 1.

Mit dem, was der Satz sagt, hat Friedman recht. Die 97 Prozent der Studie zählen Abstracts, die ausdrücklich oder implizit sagen, dass der Mensch die Erwärmung verursacht. Dass 97 Prozent den Menschen als Hauptursache nennen, hat sie nicht gezeigt; der Satz aber behauptete es. Ob das eine Lüge war oder eine nachlässige Zusammenfassung, können die Zahlen nicht zeigen.

Die 1,6 Prozent messen nicht, was Wissenschaftler denken, und Friedman gibt sie auch nicht dafür aus. Er rechne damit, heißt es im Entwurf, dass deutlich mehr als 1,6 Prozent der Klimaforscher den Menschen für die Hauptursache des Klimawandels halten39. Die Zahl teilt die 64 Abstracts durch alle 4.014, die eine Position bezogen, und bis auf 73 sagen diese nichts über Anteile. Von den 73, die sich in der Frage festlegten, ob der Mensch mehr oder weniger als die Hälfte der Erwärmung verursacht hat, sagten 64, also 88 Prozent: mehr. Die Studie enthält außerdem einen zweiten Test, den weder seine Beiträge von 2014 noch das Kapitel in seinem Entwurf erwähnen: Sie bat die Autoren, ihre eigenen Aufsätze einzustufen. In den Bewertungen, die das Team veröffentlicht hat, ordneten die Autoren 224 Aufsätze der Kategorie zu, nach der der Mensch den größten Teil der Erwärmung verursacht, und 9 der Kategorie für weniger als die Hälfte. Die 224 sind 16 Prozent der von den Autoren bewerteten Aufsätze mit Position, das Zehnfache des Anteils unter den Abstracts (eigene Auszählung)42. Drei Umfragen zwischen 2012 und 2019 stellten die Frage direkt an Wissenschaftler, die zum Klima publizieren. Dass der Mensch den größten Teil der Erwärmung verursacht habe, sagten 78 Prozent, 89 Prozent derer, die eine Schätzung abgaben, und 98,7 Prozent474849. Nach der besten Schätzung des Weltklimarats IPCC hat der Mensch bis in die 2010er-Jahre eine Erwärmung von 1,07 °C verursacht; beobachtet wurden 1,06 °C50.

Auf den Satz baut Friedman einen weiter reichenden Vorwurf. Weil auf Cooks Seite niemand, den er finden konnte, auf den Fehler hingewiesen habe, belege die Episode, dass dessen intellektuelle Verbündete unredliche Arbeit nicht erkennen wollten oder könnten, wenn diese Arbeit Schlüsse stütze, denen sie selbst zustimmten39. Ein Satz in einer pädagogischen Fachzeitschrift ist dafür eine schmale Grundlage, zumal der zweite Test der Studie und die Umfragen alle in die Richtung zeigen, in die der Satz zeigte.

Seine Hauptthese, niemand kenne das Vorzeichen der Summe, betrifft die Zukunft und lässt sich nicht entscheiden. Prüfen lässt sich aber, ob die Forschung, die er anführt, sie stützt.

Zum Teil tut sie das. Kälte tötet heute tatsächlich mehr Menschen als Hitze. Die Lancet-Studie führte in ihren 13 Ländern 7,29 Prozent der Todesfälle auf Kälte zurück und 0,42 Prozent auf Hitze, ein Verhältnis von siebzehn zu eins51. Eine größere, 2021 erschienene Studie über 43 Länder kam auf 8,52 und 0,91 Prozent, etwa neun zu eins52. Der Planet ist grüner geworden: Eine Studie von 2016 stellte fest, dass ein Viertel bis die Hälfte der bewachsenen Landfläche der Erde grüner geworden war, und führte 70 Prozent davon auf Kohlendioxid zurück53. Die gängigen Schätzungen der wirtschaftlichen Schäden fallen bescheiden aus. Der IPCC-Bericht von 2014 bezifferte den Verlust bei etwa 2 °C weiterer Erwärmung auf 0,2 bis 2,0 Prozent des Einkommens; die Verluste lägen allerdings mit höherer Wahrscheinlichkeit über als unter dieser Spanne, fügte er hinzu54. Und eine Schlagzeilen-Zahl von der Art, der Friedman misstraut, ist tatsächlich in sich zusammengefallen. Eine Studie in Nature von 2024, die binnen 26 Jahren einen Verlust von 19 Prozent des Welteinkommens errechnete, wurde im Dezember 2025 zurückgezogen55.

Zum Teil nicht. Der Ökonom Richard Tol schätzte einst, die frühen Phasen der Erwärmung brächten unter dem Strich Vorteile, und Friedmans Entwurf stützt sich noch immer darauf: Tol selbst habe herausgefunden, dass die frühen Phasen der Erwärmung Nettovorteile gebracht hätten39. Die Schätzung überstand Tols eigene Korrektur seiner Zahlen im Jahr 2014 nicht, und diese Korrektur erwähnt der Entwurf nicht. In der korrigierten Kurve, schrieb Tol, seien die Folgen immer negativ, zumindest im Erwartungswert56. Seine Übersicht von 2024 kommt zum selben Schluss, die zentrale Schätzung der wirtschaftlichen Folgen der Erwärmung sei immer negativ; die Unsicherheitsspanne ist allerdings so breit geworden, dass sie selbst bei erheblicher Erwärmung auch gar keine Wirkung einschließt57.

Bei der Sterblichkeit hängt die Antwort davon ab, wie stark sich die Welt erwärmt. Eine große, 2022 erschienene Studie von Tamma Carleton und Kollegen baut die Anpassung ins Modell ein. Bei hohen Emissionen kommt sie für das Jahr 2100 auf 73 zusätzliche Todesfälle je 100.000 Einwohner und Jahr und beziffert die Gesamtkosten, die Todesfälle samt dem Aufwand für die Anpassung, auf 3,2 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. Bei moderaten Emissionen kommt sie auf 11 zusätzliche Todesfälle, mit einer Spanne von 36 weniger bis 62 mehr, und auf Kosten von 0,6 Prozent. Kalte Orte gewinnen; für die heute armen und heißen Orte werden große Schäden projiziert58. Friedman verwendet diese Studie selbst, und seine eigene Neuberechnung im Entwurf ergibt bis zur Jahrhundertmitte einen Rückgang der Gesamtsterblichkeit und bis zum Jahrhundertende einen deutlich größeren Anstieg39.

Beim Meer wirken seine Zahlen zu niedrig. Seine zwanzigtausend Quadratkilometer ergeben sich, wenn man die Länge der Küsten der Welt mit sechzig Metern Küstenrückgang multipliziert, für einen Anstieg von 0,6 Metern59. Auf einen ganzen Meter hochgerechnet ergibt die Methode etwa 36.000 (eigene Berechnung). Eine Studie von 2021 mit Laser-Höhendaten ergab, dass bei einem Meter relativem Anstieg weitere 387.000 Quadratkilometer unter dem mittleren Meeresspiegel lägen, 518.000 statt heute 131.00060. Die beiden Zahlen messen nicht dasselbe. Land unterhalb des Meeresspiegels ist kein verlorenes Land, und etwa die Hälfte des Meters der Studie entfällt darauf, dass das Land selbst absinkt, was die Erwärmung nicht verursacht. Doch der Abstand beträgt mehr als das Zehnfache, und in Bangladesch, wo Friedman die Wirkung eines Meters fast unsichtbar klein fand40, lägen nach derselben Studie nach diesem Meter 6.000 Quadratkilometer unter dem mittleren Meeresspiegel, mit 4,9 Millionen Einwohnern60.

Die Forschung stützt seinen Zweifel, nicht aber seine Vermutung. Die Unsicherheit ist real, die zentralen Schätzungen für eine moderate Erwärmung sind klein, und ihre Spannen schließen die Null ein. Aber die zentralen Schätzungen liegen auf der Seite der Nettokosten: in Tols Übersichten, in der Spanne des IPCC und in der Sterblichkeitsstudie, die Friedman selbst verwendet. Wo er eine Vermutung äußert, richtet sie sich gegen diese Schätzungen.

Zweimal derselbe Mann

Beim Thema Anarchie ist Friedman der Schwächling, den er beschrieben hat. Der Staat ist für ihn ein verständlicher und bedauerlicher Irrtum, und wer ihn verteidigt, ist vernünftig und irrt.

So kann er auch über heiklere Themen schreiben. Er hält es für so gut wie sicher, dass sich Gruppen in der Verteilung ihrer Fähigkeiten unterscheiden, die Geschlechter ebenso wie Populationen, die sich getrennt entwickelt haben; das Argument sage aber nicht, worin die Unterschiede bestünden, fügt er hinzu61. In einem Essay von 2021, den er 2023 neu veröffentlichte, beschrieb er, wie die Lektüre des aus Sambia stammenden Autors Chanda Chisala eine solche Frage für ihn entschied: Er sei nun überzeugt, dass der genetisch bedingte IQ von Afrikanern nicht wesentlich niedriger sei als der von Europäern. An Chisala gefalle ihm, fügte er hinzu, wie dieser die Forscher behandle, gegen die er argumentiere: nicht als böse Rassisten, sondern als Kollegen, die aus verständlichen Gründen zu falschen Schlüssen gekommen seien62.

Beim Klima gesteht er seinen Gegnern weniger zu. Cooks Satz nennt er „a deliberate lie“, und er fragt, ob der Autor „a rogue or a fool“ sei. Der Buchentwurf geht weiter. Interessanter sei die Frage, ob es überhaupt ehrliche Leute gebe: Gebe es prominente Befürworter entschiedener Maßnahmen gegen die Erwärmung, die Cooks Studie oder ihren Autor öffentlich zurückgewiesen hätten? Gefunden hat er nach eigenen Worten keinen. Die Wörter Schwächling und Grobian hat Friedman für einen Streit unter Libertären geprägt; dass wir sie hier auf die Klimadebatte übertragen, ist unsere Lesart. Aber wer seine Gegner für dumm oder böse hält, ist nach seiner eigenen Beschreibung ein Grobian. Den Verdacht richtet er auch gegen sich selbst. Derselbe Entwurf sagt den Lesern, seine politische Haltung gebe ihm einen Anreiz zu glauben, dass der Klimawandel nicht sehr gefährlich sei; sie sollten seine Argumente an den Belegen messen und ihm nicht einfach glauben39.

Das Gute. Bei seinem eigenen Thema argumentiert Friedman wie ein Gemäßigter: Er geht von dem aus, was funktioniert, und er zählt die Probleme auf, die sein System womöglich nicht löst. Seine Island-Rechnung von 1979 geht mit seinen eigenen Zahlen auf. Und mit dem, was Cooks Satz sagte, hatte er recht.

Das Schlechte. Island beweist weniger, als ein Leser des Buchs annehmen könnte: Das System diente Bauern mit eigenem Hof, nach Posners Lesart brauchte es Armut und Abgeschiedenheit, und es endete unter einem fremden König. Der Vergleich in der aktuellen Auflage beruht noch immer auf der amerikanischen Mordrate von 1974. Beim Klima ist aus einem richtigen Einwand gegen einen Satz eine zwölf Jahre lange Beweisführung gegen ein Fach geworden, vorgebracht ohne den zweiten Test der Studie und ohne die Umfragen. Und neben seinem Agnostizismus steht die Vermutung, die Erwärmung werde nützen; die zentralen Schätzungen der Literatur, die er zitiert, zeigen dort nicht hin.

Den Unterschied zwischen sich und seinem Vater fasste Friedman einst in zwei Sätze: Der Sohn glaubte, die Anarchie werde wahrscheinlich funktionieren, vielleicht aber auch nicht; der Vater, sie könne funktionieren, werde es aber wahrscheinlich nicht. Seine eigenen Vorbehalte haben den Abstand verringert. Falls die Anarchie sich nicht verteidigen kann oder zusammenbricht, schrieb er im September 2025, dann sei ein Minimalstaat womöglich die libertärste Option, die zur Verfügung steht63. Das ist der Schwächling, den er beschrieben hat, und noch etwas mehr: ein Mann, der seine Gegner für vernünftige Leute hält und einräumt, dass er selbst derjenige sein könnte, der sich irrt. Beim Klima räumt er noch immer ein, dass er sich irren könnte.

Quellen

  1. Jerome Tuccille, „Report from St. Louis: The Revolution Comes to YAF“, The Libertarian Forum I, 12, 15. September 1969, S. 1–2. ↩︎

  2. Rebecca E. Klatch, A Generation Divided: The New Left, the New Right, and the 1960s, University of California Press, 1999, S. 9 und 225–232. ↩︎

  3. MiddleWiki, die eigene Chronik des Middle Kingdom, Artikel über das Königreich, abgerufen am 9. Oktober 2026. ↩︎

  4. „Sir Cariadoc of the Bow Interview“, aufgezeichnet von Craig Brown beim Pennsic War im August 1990, Abschrift 1997 von Friedman korrigiert, Calontiri-Wiki. ↩︎ ↩︎

  5. David Friedman, The Machinery of Freedom: Guide to a Radical Capitalism, dritte Auflage, 2014 (erste Auflage Harper & Row, 1973). Widmung; S. 112–115 (Agenturen, Schiedsverfahren, Todesstrafe); 119–124 (Stabilität, Heroin); 133–139 (Verteidigung); 143 (begrenzter Staat); 159 und 177–178 (Ethik); 203 (Island); 261 (Marktversagen); 268–271 (das neue Kapitel zur Stabilität); 303 (Klima); Anhang II (Heinlein). ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  6. Juan Pablo Silva, „David Friedman, el anarcocapitalista hijo de Milton: ‘Milei no está yendo más allá de lo que Chile ya fue’“, Diario Financiero, 20. Juni 2026 (auf Spanisch). ↩︎ ↩︎

  7. Javier Milei, Rede bei der Veranstaltung Ideas para una Sociedad Libre der Fundación Faro, offizielle Abschrift, Casa Rosada, 23. Juni 2026 (auf Spanisch). ↩︎ ↩︎

  8. „Friedman, David 1945–“, Contemporary Authors, New Revision Series, Gale, für Geburtsdatum und Geburtsort. ↩︎

  9. Milton und Rose D. Friedman, Two Lucky People: Memoirs, University of Chicago Press, 1998, S. 238 und 249 (Cambridge, Fisher), 278 (Aaron Director), 371 (Goldwater), 570 (Island). ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  10. David Friedman, „Equality Times Two“, Ideas (Blog), 9. Mai 2008. ↩︎

  11. David D. Friedman, akademische Seite mit Abschlüssen, Stellen und Veröffentlichungen, abgerufen am 9. Oktober 2026. ↩︎ ↩︎

  12. Anthony Wile, „David D. Friedman on his Famous Father, Anarcho-Capitalism and Free-Market Solutions“, Interview, The Daily Bell, 8. April 2012. ↩︎ ↩︎ ↩︎

  13. David Friedman, „Textbooks that are Fun to Read“, Ideas (Blog), 26. Juni 2011. ↩︎

  14. Google Scholar, Profil von David Friedman, abgerufen am 9. Oktober 2026. ↩︎ ↩︎

  15. David Friedman, „Why Not Hang Them All: The Virtues of Inefficient Punishment“, Journal of Political Economy 107(S6), 1999, S. S259–S269, DOI 10.1086/250110; neu dargelegt in „The Case Against Efficient Punishment“, David Friedman’s Substack, 22. April 2026. ↩︎

  16. East Kingdom Wiki, Eintrag zu Cariadoc of the Bow, abgerufen am 9. Oktober 2026. ↩︎

  17. Brian Doherty, „Best of Both Worlds: An Interview with Milton Friedman“, Reason, Juni 1995. ↩︎

  18. Murray N. Rothbard, „Do You Hate the State?“, The Libertarian Forum X, 7, Juli 1977, S. 1 und 8. ↩︎

  19. David Friedman, „The Ron Paul Affair and Libertarian Culture Clash“, Ideas (Blog), 21. Januar 2008. ↩︎ ↩︎

  20. David Friedman, „Global Warming, Carbon Taxes, and Public Choice“, David Friedman’s Substack, 2. Oktober 2026, mit seinen Antworten an Leser vom 2. und 5. Oktober. ↩︎ ↩︎ ↩︎

  21. David Friedman, The Machinery of Freedom, zweite Auflage, Open Court, 1989, Kapitel „The Stability Problem“. ↩︎

  22. Tyler Cowen, „Law as a Public Good: The Economics of Anarchy“, Economics and Philosophy 8(2), 1992, S. 249–267, hier S. 259. ↩︎

  23. David Friedman, „Law as a Private Good: A Response to Tyler Cowen on the Economics of Anarchy“, Economics and Philosophy 10(2), 1994, S. 319–327. ↩︎

  24. David Friedman, „Private Creation and Enforcement of Law: A Historical Case“, Journal of Legal Studies 8(2), März 1979, S. 399–415. Die Zahl der Toten und der Vergleich stehen im Schlussteil und in Anmerkung 46. ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  25. Gunnar Karlsson, „Hversu margir alþingismenn voru á hinu forna Alþingi?“, Vísindavefurinn, 7. Juni 2013 (auf Isländisch). ↩︎

  26. David Friedman, Peter T. Leeson und David Skarbek, Legal Systems Very Different from Ours, 2019, Kapitel 10, „Saga-Period Iceland“, zitiert nach dem späten Entwurf auf Friedmans Website. ↩︎ ↩︎

  27. Michael J. Hindelang et al., Sourcebook of Criminal Justice Statistics 1976, US-Justizministerium, 1977, Tabelle 3.80, S. 443. Auf diese Seite verweist Friedmans Anmerkung 46. ↩︎

  28. Jesse L. Byock, „The Age of the Sturlungs“ (archivierte Fassung), in Continuity and Change: Political Institutions and Literary Monuments in the Middle Ages, hrsg. von Elisabeth Vestergaard, Odense University Press, 1986, S. 27–42, hier S. 31–32. ↩︎ ↩︎

  29. Manuel Eisner, „Long-Term Historical Trends in Violent Crime“, Crime and Justice 30, 2003, S. 83–142, Tabellen 1 und 2. ↩︎

  30. Gunnar Karlsson, „Hversu margir voru vegnir á Sturlungaöld?“, Vísindavefurinn, 20. März 2014 (auf Isländisch). Guðbrandur Vigfússons Zählung steht in der Einleitung zu seiner Ausgabe der Sturlunga Saga, Oxford, 1878. ↩︎

  31. William Ian Miller, „Bloodtaking and Peacemaking: Feud, Law, and Society in Saga Iceland“, Law Quadrangle Notes 34(3), 1990, Prolog und Schluss seines gleichnamigen Buchs (University of Chicago Press, 1990). ↩︎

  32. FBI, Crime in the United States 2014, Tabelle 1. ↩︎

  33. Włodzimierz Gogłoza, „Anarchist Visions of the Medieval Icelandic Non-State Socio-Political Order – an Outline of a Critique“, Krakowskie Studia z Historii Państwa i Prawa, Sonderheft, 2018, S. 47–67, hier S. 52–53. ↩︎

  34. Gunnar Karlsson, „Hvaðan fengu Íslendingar flesta þræla sína og hvenær var þrælahald afnumið á Íslandi?“, Vísindavefurinn, 25. Februar 2014 (auf Isländisch). ↩︎

  35. Jesse L. Byock, „Feuding in Viking Age Iceland’s Great Village“ (archivierte Fassung), in Conflict in Medieval Europe, hrsg. von Warren C. Brown und Piotr Górecki, Ashgate, 2003, S. 229–241, hier S. 237. ↩︎

  36. Skúli Sæland, „Hvað var Sturlungaöld?“, Vísindavefurinn, 28. Juli 2004 (auf Isländisch). ↩︎

  37. Richard A. Posner, „Medieval Iceland and Modern Legal Scholarship“, Michigan Law Review 90(6), 1992, S. 1495–1511, hier S. 1508–1509. ↩︎

  38. David Friedman, „Does Climate Catastrophe Pass the Giggle Test?“, David Friedman’s Substack, 26. April 2024; zuerst am 5. Juli 2009 in seinem Blog erschienen. ↩︎

  39. David Friedman, Consequences of Climate Change: A Skeptical Account, Entwurf eines Buchs, auf seiner Website zur Kommentierung veröffentlicht, Datei vom 13. Mai 2026. Kapitel 9 behandelt die Cook-Episode. ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  40. David Friedman, „Externalities, Population and Climate“, David Friedman’s Substack, 28. Januar 2023. ↩︎ ↩︎

  41. David Friedman, „Consequences of Climate Change“, David Friedman’s Substack, 2. März 2026. ↩︎

  42. John Cook et al., „Quantifying the consensus on anthropogenic global warming in the scientific literature“, Environmental Research Letters 8(2), 024024, 15. Mai 2013, Tabellen 3 und 4, mit den veröffentlichten Datendateien der Studie. ↩︎ ↩︎

  43. Daniel Bedford und John Cook, „Agnotology, Scientific Consensus, and the Teaching and Learning of Climate Change: A Response to Legates, Soon and Briggs“, Science & Education 22(8), 2013, S. 2019–2030, online veröffentlicht am 14. Juni 2013. ↩︎

  44. David Friedman, „A Climate Falsehood You Can Check for Yourself“, Ideas (Blog), 26. Februar 2014. ↩︎

  45. David Henderson, „David Friedman on the 97% Consensus on Global Warming“, EconLog, 27. Februar 2014, mit der Antwort in den Kommentaren. ↩︎

  46. David Friedman, „John Cook’s Response to My Criticism“, Ideas (Blog), 23. März 2014. ↩︎

  47. Neil Stenhouse et al., „Meteorologists’ Views About Global Warming: A Survey of American Meteorological Society Professional Members“, Bulletin of the American Meteorological Society 95(7), 2014, S. 1029–1040, Tabelle 1. ↩︎

  48. Bart Verheggen et al., „Scientists’ Views about Attribution of Global Warming“, Environmental Science & Technology 48(16), 2014, S. 8963–8971, Zusatzmaterial, Tabelle S3. Die 89 Prozent beziehen sich auf die 623 Befragten, die eine Schätzung abgaben. ↩︎

  49. Krista F. Myers et al., „Consensus revisited: quantifying scientific agreement on climate change and climate expertise among Earth scientists 10 years later“, Environmental Research Letters 16(10), 104030, 2021, Tabelle 1. ↩︎

  50. IPCC, „Summary for Policymakers“, in Climate Change 2021: The Physical Science Basis, 2021, Abschnitt A.1.3 und Fußnote 11, S. 5. ↩︎

  51. Antonio Gasparrini et al., „Mortality risk attributable to high and low ambient temperature: a multicountry observational study“, The Lancet 386(9991), 2015, S. 369–375. ↩︎

  52. Qi Zhao et al., „Global, regional, and national burden of mortality associated with non-optimal ambient temperatures from 2000 to 2019: a three-stage modelling study“, The Lancet Planetary Health 5(7), 2021, S. e415–e425. ↩︎

  53. Zaichun Zhu et al., „Greening of the Earth and its drivers“, Nature Climate Change 6(8), 2016, S. 791–795. ↩︎

  54. IPCC, „Summary for policymakers“, in Climate Change 2014: Impacts, Adaptation, and Vulnerability, Arbeitsgruppe II, 2014, S. 19. ↩︎

  55. Maximilian Kotz, Anders Levermann und Leonie Wenz, „Retraction Note: The economic commitment of climate change“, Nature 648, S. 764, 3. Dezember 2025. ↩︎

  56. Richard S.J. Tol, „Correction and Update: The Economic Effects of Climate Change“, Journal of Economic Perspectives 28(2), 2014, S. 221–226, hier S. 222. ↩︎

  57. Richard S.J. Tol, „A meta-analysis of the total economic impact of climate change“, Energy Policy 185, 2024, 113922, DOI 10.1016/j.enpol.2023.113922; zitiert nach dem Vorabdruck. ↩︎

  58. Tamma Carleton et al., „Valuing the Global Mortality Consequences of Climate Change Accounting for Adaptation Costs and Benefits“, The Quarterly Journal of Economics 137(4), 2022, S. 2037–2105, DOI 10.1093/qje/qjac020; Zahlen nach der Fassung vom April 2022 des NBER-Arbeitspapiers 27599, S. 22 und 26. ↩︎

  59. David Friedman, „Land Gained and Lost“, David Friedman’s Substack, 26. Februar 2023. ↩︎

  60. A. Hooijer und R. Vernimmen, „Global LiDAR land elevation data reveal greatest sea-level rise vulnerability in the tropics“, Nature Communications 12, 3592, 2021, Tabelle 1. ↩︎ ↩︎

  61. David Friedman, „Ethnic Cleansing, Other Horrors, and the Racial IQ Controversy“, David Friedman’s Substack, 30. August 2026. ↩︎

  62. David Friedman, „Race, Gender and IQ“, David Friedman’s Substack, 25. Mai 2023; zuerst am 3. April 2021 in seinem Blog erschienen. ↩︎

  63. David Friedman, „A Libertarian Taxonomy“, David Friedman’s Substack, 30. September 2025. ↩︎