Von der Steinzeit zu den Sternen

Köpfe

Max Weber

Max Weber gilt als der Mann, der gesagt hat, der Protestantismus habe den Kapitalismus hervorgebracht. In seinem Aufsatz nannte er diese These selbst töricht, und eine Zeile der Schulstatistik an dessen Anfang summiert sich auf 109 Prozent. Nach den Studien der vergangenen zwei Jahrzehnte ist Protestanten die Arbeit etwas wichtiger als Katholiken; dass sie mehr gespart hätten oder ihre Städte schneller gewachsen wären, zeigt sich nicht. Besser gehalten hat sich, was er im Juni 1918 in Wien dreihundert österreichischen Offizieren sagte: Wenn der Staat die Wirtschaft übernimmt, herrschen die Beamten, nicht die Arbeiter. Den geschulten Beamten hielt er beim Verwalten für unschlagbar, und deshalb fürchtete er ihn.

Am 13. Juni 1918 trat in Wien ein deutscher Professor vor rund dreihundert Offiziere der österreichisch-ungarischen Armee und sprach anderthalb Stunden lang über den Sozialismus12. Mehr als achtzehn Jahre lang hatte er keine Vorlesung gehalten. Erst in diesem Frühjahr war er in den Hörsaal zurückgekehrt, für das Sommersemester an der Universität Wien3. Eingeladen hatte ihn die Feindpropaganda-Abwehrstelle des Armeeoberkommandos. Die Offiziere wurden dafür ausgebildet, ihren Soldaten vaterländischen Unterricht zu erteilen, und in Russland herrschten seit sieben Monaten die Bolschewiki1. Max Weber sagte ihnen nicht, der Sozialismus sei verwerflich, und er sagte ihnen auch nicht, er sei unmöglich. Er sagte ihnen, sie sollten darauf achten, wer gewinnt, wenn Betriebe von ihren Eigentümern auf angestellte Direktoren, auf Städte und auf den Staat übergehen: „Die Diktatur des Beamten, nicht die des Arbeiters, ist es, die – vorläufig jedenfalls – im Vormarsch begriffen ist“4.

Max Weber in seinen Fünfzigern, mit zurückgekämmtem Haar, ergrauendem Vollbart und streng gerunzelter Stirn, in dunklem Anzug mit hohem weißem Kragen, im Dreiviertelprofil fotografiert
Weber im Jahr 1918, als er nach mehr als achtzehn Jahren in den Hörsaal zurückkehrte. Foto: Ernst Gottmann, 1918, via Wikimedia Commons. Gemeinfrei.

Bekannt ist Weber für etwas anderes: für einen Titel, Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, und für den Gedanken, den die meisten daraus mitnehmen. Protestanten hätten härter gearbeitet und mehr gespart, und so sei der Westen reich geworden. Außerdem ist er der Theoretiker der Bürokratie. Er erklärte, warum das Amt mit seinen Akten und seinen geschulten Beamten jede andere Art des Verwaltens schlägt, und ihm graute vor dem Ergebnis. Sein Bild dafür, das stahlharte Gehäuse, wurde im Englischen zum „iron cage“, zum eisernen Käfig; die Wendung stammt von seinem Übersetzer. Dieses Porträt stellt ihn zuerst vor und geht dann drei seiner Behauptungen der Reihe nach durch: was er den Offizieren sagte, was er über die Protestanten schrieb und was er von den Beamten erwartete.

Drei Zahlen

300
Offiziere hörten ihn am 13. Juni 1918 in Wien über den Sozialismus sprechen
seine eigene Zahl, in einem Brief an seine Frau vom selben Tag
109 %
ergibt eine Zeile der Tabelle, mit der die Protestantische Ethik beginnt
gedruckt seit 1904, auf Englisch seit 1930
47
Bände hat die Gesamtausgabe seiner Schriften, Briefe und Vorlesungen
erschienen von 1984 bis 2020, ein Jahrhundert nach seinem Tod

Sohn eines Stadtrats

Geboren wurde er am 21. April 1864 in Erfurt, mit vollem Namen Carl Emil Maximilian Weber, als ältester Sohn unter acht Kindern, von denen sechs heranwuchsen53. Sein Vater, ebenfalls Max, stammte aus einer Bielefelder Leinenhändlerfamilie und war Stadtrat in Erfurt. Im Jahr 1869 übernahm er dasselbe Amt in Berlin, und über drei Jahrzehnte hinweg saß er die meiste Zeit als Nationalliberaler im preußischen Landtag. Seine Mutter, Helene Fallenstein, stammte mütterlicherseits aus einer Hugenottenfamilie und damit aus calvinistischer Tradition: Einer ihrer Urgroßväter war Prediger der französisch-reformierten Gemeinde in Frankfurt gewesen32. Der Verfasser des Aufsatzes über die Calvinisten hatte einen calvinistischen Prediger unter seinen Vorfahren.

Die Familie wohnte in einer Villa in Charlottenburg, damals am Rand von Berlin. Als kleines Kind erkrankte er an einer Hirnhautentzündung, nach der er noch jahrelang zu Krämpfen neigte2. Im Jahr 1882 ging er zum Jurastudium nach Heidelberg und trat in eine schlagende Verbindung ein. Als die Mutter ihn danach zum ersten Mal sah, dick geworden und mit einem Schmiss quer über der Wange, empfing sie ihn nach dem Bericht seiner Witwe mit einer schallenden Ohrfeige32. Er wurde 1889 mit einer Arbeit über die Handelsgesellschaften des Mittelalters promoviert und habilitierte sich 1892 mit einer über die römische Agrargeschichte67.

Im Jahr 1893 heiratete er Marianne Schnitger, eine Enkelin des Bruders seines Vaters, die zur Familie nach Berlin gekommen war und sich in den ältesten Sohn des Hauses verliebt hatte. Sie wurde mehr als seine Herausgeberin und Biografin. Von 1900 an saß sie im Vorstand des Bundes Deutscher Frauenvereine, von 1919 an führte sie ihn. Sie schrieb eine Geschichte der Rechtsstellung von Ehefrau und Mutter, und im Januar 1919 sprach sie als erste Frau im badischen Landtag. Kinder hatte das Paar nicht8. Im April 1894, gerade dreißig, wurde er auf einen Lehrstuhl für Nationalökonomie in Freiburg berufen, und von 1897 an lehrte er in Heidelberg93.

Dann brach er zusammen. Im Frühsommer 1897 stritt er mit seinem Vater, der sieben Wochen später starb. Für die Szene ist Marianne Webers Biografie unsere einzige Quelle2. Binnen eines Jahres konnte Weber keine Vorlesungen mehr halten. Am 25. Juli 1898 brach er sein Kolleg ab, versuchte es noch zweimal und gab Ende 1899 auf102. Auf sein drittes Entlassungsgesuch hin wurde er zum 1. Oktober 1903 aus dem Amt entlassen11. Er war neununddreißig. Das Paar lebte von Kapitalerträgen und seit 1907 von einer Erbschaft, die Marianne Weber von ihrem Großvater, einem Leinenfabrikanten, zugefallen war310. Von 1910 an wohnten die beiden in Heidelberg in dem Haus, das sein Großvater am Neckar gegenüber dem Schloss gebaut hatte und in dem seine Mutter aufgewachsen war, und sie machten es zu einem Treffpunkt der Heidelberger Gelehrten2128.

Mit dem Arbeiten hörte er nicht auf. Im Jahr 1904 wurde er mit Werner Sombart und Edgar Jaffé Herausgeber des Archivs, und im Herbst reiste er durch die Vereinigten Staaten, bis nach Oklahoma und New Orleans132. Der Aufsatz, der ihn berühmt machte, erschien im Archiv in zwei Hälften, im November 1904 und im Juni 19051314.

Sein Privatleben hatte mehr als einen Mittelpunkt. Die Herausgeber seiner Briefe schreiben von seiner langjährigen Liebe zu Else Jaffé, der Frau seines Mitherausgebers, die sich in seinen letzten Jahren erfüllte, und von seiner Freundschaft mit der Schweizer Pianistin Mina Tobler151617. Von den 462 Briefen im Band für die Jahre 1918 bis 1920 sind 74 an Tobler gerichtet, 71 an Jaffé und 70 an seine Frau (eigene Zählung nach dem Briefverzeichnis des Bandes). Zwei Tage nach dem Wiener Vortrag schrieb er Tobler von „‚das andre Ufer‘ mit seiner gewissen Einsamkeit gegenüber allen Gesunden, auch den Nächststehenden“. Es sei ihm vertraut, fügte er hinzu12.

Sozialismus vs. Kapitalismus

Der Wiener Vortrag vor den Offizieren erschien noch im selben Jahr im Druck, unter dem Titel Der Sozialismus und mit dem Untertitel „Rede zur allgemeinen Orientierung von österreichischen Offizieren in Wien 1918“4. Weber begann damit, den Sozialisten ihr bestes Argument zuzugestehen. Es sei wahr, sagte er, dass der moderne Arbeiter von den Produktionsmitteln getrennt sei: Die Maschine, an der er arbeite, gehöre ihm nicht. Dasselbe gelte aber für alle anderen. Dem Ritter des Mittelalters hätten Pferd und Rüstung gehört, dem modernen Offizier gehöre nichts von dem, womit er kämpfe. Die Trennung komme mit der modernen Technik und verschwinde nicht, wenn der Eigentümer wechsle. Am Grundtatbestand ändere sich nichts, wenn der Herr des Apparats ein anderer werde, „wenn etwa ein staatlicher Präsident oder Minister statt eines privaten Fabrikanten über ihn verfügt“4.

Von dort kam er auf die Bergwerke. Wer in einer staatlichen Kohlengrube an der Saar arbeite, lebe genauso wie ein Arbeiter auf einer privaten Zeche. Ein Unterschied bestehe: „daß gegen den Staat kein Streik möglich ist“. Der Arbeiter hänge also stärker von seinem Arbeitgeber ab als zuvor4. Heute, fuhr Weber fort, stünden die Beamten des Staates und die der Kartelle, Banken und Riesenbetriebe als getrennte Körper nebeneinander, und die politische Gewalt könne die wirtschaftliche noch im Zaum halten. Im Sozialismus wären beide „ein einziger Körper mit solidarischen Interessen und gar nicht mehr zu kontrollieren“4.

Auf Russland war er neugierig. Nach allem, was man höre, sagte er, hätten die Bolschewiki den Akkordlohn wieder eingeführt und die Unternehmer an der Spitze der Fabriken belassen. Auch Offiziere der alten Armee würden wieder bezahlt. Auf die Dauer lasse sich so kein Staat und keine Wirtschaft leiten, „und sehr ermutigend ist das Experiment bisher nicht“. Dann fügte er an, was Leute wie er anfangs über das Experiment gesagt hätten: Wenn es gelänge und sich zeigte, dass auf diesem Boden Kultur möglich sei, „dann – wären wir bekehrt“4.

Herrschen im Sozialismus die Beamten?

Am 27. März 1922, keine vier Jahre später, trug Lenin auf dem elften Parteitag seiner Partei den politischen Bericht vor und stellte eine Frage zur Hauptstadt. Nehme man Moskau mit seinen 4.700 Kommunisten in verantwortlichen Stellungen und nehme man dazu diese riesige bürokratische Maschine, diesen gewaltigen Haufen, dann müsse man fragen, wer hier wen leite. Die Antwort gab er selbst: Um die Wahrheit zu sagen, seien es nicht die Kommunisten, die leiten; sie würden geleitet18. Im Oktober nannte er Zahlen. Eine Zählung im August 1918 habe in Moskau 231.000 Staats- und Sowjetangestellte ergeben. Nach einer Kampagne zum Personalabbau habe eine zweite Zählung im Oktober 1922 dann 243.000 ergeben19.

Trotzki nannte die Bürokratie 1936 im Exil die einzige privilegierte und kommandierende Schicht der Sowjetgesellschaft20. Milovan Djilas, einst einer der führenden Männer des kommunistischen Jugoslawien, erklärte 1957, die neue herrschende Klasse sei die politische Bürokratie21.

Man sollte die Vorhersage nicht glatter machen, als sie war. Webers Satz trägt seinen Vorbehalt in sich, „vorläufig jedenfalls“, und ein Datum nannte er nicht. Beide Zählungen Lenins fanden nach der Revolution statt: Sie zeigen ein Regime, das seine Ämter nicht verkleinern konnte, aber nicht, wie stark es sie aufgebläht hatte. Und der Staat, von dem Weber sagte, auf die Dauer lasse er sich so nicht leiten, zerfiel zwar, aber erst 1991, 73 Jahre nach dem Vortrag.

Geldrechnung im Sozialismus

Webers zweiter Einwand gegen den Sozialismus lässt sich schwerer zitieren und reichte tiefer. Als er starb, war der erste Teil von Wirtschaft und Gesellschaft im Druck22. Das zweite Kapitel fragt, womit eine Planwirtschaft rechnen würde, wenn sie die Geldpreise abgeschafft hätte. Ein Betrieb, schreibt Weber, vergleiche heute mühelos ein Produktionsverfahren mit einem anderen, anhand der Kosten in Geld. Der Naturalrechnung in Tonnen und Stunden fehle die gemeinsame Einheit, und niemand könne sagen, wie man eine solche erfinden oder überprüfen solle. Sein Schluss: „von einer rationalen »Planwirtschaft« jedenfalls kann keine Rede sein, solange in dem alles entscheidenden Punkt kein Mittel zur rein rationalen Aufstellung eines »Planes« bekannt ist“23.

Ein Wiener Ökonom hatte gerade dasselbe gesagt. Ludwig von Mises’ Aufsatz „Die Wirtschaftsrechnung im sozialistischen Gemeinwesen“ erschien im Frühjahr 1920 auf den Seiten 86 bis 121 von Band 47 des Archivs für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik, der Zeitschrift, die Weber seit 1904 mit herausgab und auf deren Titelblatt sein Name noch stand242513. Weber sah ihn rechtzeitig, um am Ende seines eigenen Abschnitts einen Satz anzufügen: „Während des Druckes erscheint (im Archiv f. Sozialwiss., Bd. 47, S. 86 ff.) die mit diesen Problemen befaßte Arbeit von L. Mises“23. Er starb im Juni desselben Jahres, und sein Kapitel erschien im Jahr darauf.

Mit Mises’ Aufsatz begann die Debatte über die Wirtschaftsrechnung im Sozialismus. Friedrich Hayek, der 1935 ihren ersten Sammelband herausgab, hielt darin fest, dass Mises nicht allein gewesen war: Es sei ein interessantes Zusammentreffen, dass etwa zur selben Zeit zwei weitere angesehene Autoren unabhängig von ihm zu ganz ähnlichen Schlüssen gelangt seien, als Erster der große deutsche Soziologe Max Weber25.

Weber war überzeugt, dass eine Wirtschaft ohne Geldpreise nicht rational rechnen kann. Für widerlegt hielt er den Sozialismus damit aber nicht. Das Rechenproblem zeige nur, was er koste, schrieb er im selben Abschnitt. Wer den Sozialismus aus ethischer Überzeugung wolle, könne diesen Preis in Kauf nehmen, und ihn zu widerlegen sei etwas, „was keine Wissenschaft vermag“23. Seine Ausbildung hatte er in der deutschen Historischen Schule erhalten, die Carl Menger bekämpfte. Trotzdem verteidigte er 1908 Mengers Schule gegen die Geringschätzung eines Kollegen2627.

Macht der Protestantismus reich?

Der Aufsatz über die protestantische Ethik beginnt mit einer Statistik. „Ein Blick in die Berufsstatistik eines konfessionell gemischten Landes“, so der erste Satz, zeige „den ganz vorwiegend protestantischen Charakter des Kapitalbesitzes und Unternehmertums sowohl, wie der oberen gelernten Schichten der Arbeiterschaft“28.

Weber fragt nach dem Grund, und seine Antwort hat drei Teile. Habgier könne die Erklärung nicht sein, denn Habgier gebe es überall: „»Kapitalismus« hat es in China, Indien, Babylon, in der Antike und im Mittelalter gegeben“28. Gefehlt habe dort ein Ethos, die Vorstellung nämlich, methodische Berufsarbeit und Gelderwerb seien Pflichten um ihrer selbst willen. Der zweite Teil gibt diesem Ethos religiöse Wurzeln. Der Calvinist kann nicht wissen, ob er zu den Erwählten gehört, und er kann nichts tun, um es sich zu verdienen. Er kann ein diszipliniertes Arbeitsleben führen und den Erfolg als Zeichen lesen. Das Ergebnis nennt Weber „innerweltliche Askese“: Menschen, die erwerben und nicht ausgeben28.

Den dritten Teil lassen die Zusammenfassungen weg. Weber sagt, was er nicht behauptet. Es solle „ganz und gar nicht eine so töricht-doktrinäre These verfochten werden wie etwa die: daß der »kapitalistische Geist«“ nur aus der Reformation habe entstehen können, „oder wohl gar: daß der Kapitalismus als Wirtschaftssystem ein Erzeugnis der Reformation sei“28. Er wollte nur wissen, ob und wie weit religiöse Kräfte an der Prägung dieses Geistes beteiligt waren. Der Satz stand im Erstdruck29. Als Weber den Aufsatz 1920 überarbeitete, hängte er eine Fußnote daran: Eben diese These sei ihm „seltsamerweise immer wieder unterstellt worden“28. Auch den Standardeinwand erhob er selbst: Florenz war im 14. und 15. Jahrhundert der Geldmarkt aller europäischen Großmächte und katholisch. Es habe das Geschäft gehabt, argumentierte er, aber nicht die Ethik30. Und als ihn 1907 ein Kritiker bedrängte, antwortete er, die Statistik seiner eigenen Zeit sei nur sein Ausgangspunkt gewesen, der Anlass für eine Frage nach der Frühzeit des Kapitalismus31.

Die stärkste faire Fassung der Behauptung ist also eng. Der asketische Protestantismus, vor allem der Calvinismus, war eine von mehreren Kräften, die dem Geschäftsmann des 16. und 17. Jahrhunderts eine Arbeitsethik gaben. Webers Wort für dieses Verhältnis ist „Wahlverwandtschaften“30. Und der Kapitalismus braucht die Ethik nicht mehr, wenn er einmal steht: „Der Puritaner wollte Berufsmensch sein, – wir müssen es sein“28.

Die Fassung, die sich verbreitet hat, ist weiter gefasst. Ein aktuelles amerikanisches Einführungslehrbuch spricht von seiner hundert Jahre alten Behauptung, die protestantische Arbeitsethik habe zur Entwicklung des Kapitalismus geführt32. Unschuldig ist Weber daran nicht. Er ließ die Statistik seiner eigenen Zeit als Eröffnungsargument dienen, und er stellte sie in eine Fußnote.

Sind Protestanten klüger?

Die Zahlen, heißt es in der Fußnote, stammen von einem seiner Schüler, Martin Offenbacher, der die Konfessionsstatistik des Großherzogtums Baden durchgearbeitet hatte. Im Jahr 1895 waren 37,0 Prozent der Bevölkerung Badens Protestanten, 61,3 Prozent Katholiken und 1,5 Prozent Juden. Von den Schülern der höheren Schulen, berichtet Weber, waren 48 Prozent Protestanten. Noch höher lag ihr Anteil an den Schulen, die nach seiner Beschreibung auf technische Studien und auf gewerblich-kaufmännische Berufe vorbereiten sollten, im Unterschied zu den humanistischen Gymnasien. Er gibt die Tabelle nach Schularten wieder. Die Zeile für die Realgymnasien lautet: Protestanten 69 Prozent, Katholiken 31, Juden 929. Das ergibt 109.

Die Tabelle, mit der er begann

Anteil männlicher Protestanten an Badens höheren Schulen nach Schulart: die Zahlen, die Weber 1904 und noch einmal 1920 veröffentlichte, und eine Nachzählung für ein einzelnes Schuljahr.

Bevölkerung Badens: 37,0 Bevölkerung Badens 37,0 % Anteil der Protestanten, 1895 Gymnasien Weber: 43 Prozent der Schüler protestantisch 1895/96: 2.073 von 4.523 Jungen protestantisch 43 % 45,8 % wie bei Weber gedruckt Nachzählung für das Schuljahr 1895/96 Realgymnasien Weber: 69 Prozent der Schüler protestantisch 1895/96: 787 von 1.504 Jungen protestantisch 69 % 52,3 % diese Zeile ergibt 109 Oberrealschulen Weber: 52 Prozent der Schüler protestantisch 1895/96: 789 von 1.538 Jungen protestantisch 52 % 51,3 % Realschulen Weber: 49 Prozent der Schüler protestantisch 1895/96: 1.537 von 3.207 Jungen protestantisch 49 % 47,9 % höhere Bürgerschulen Weber: 51 Prozent der Schüler protestantisch 1895/96: 655 von 1.366 Jungen protestantisch 51 % 48,0 % alle fünf Schularten Weber: 48 Prozent der Schüler protestantisch 1895/96: 5.841 von 12.138 Jungen protestantisch 48 % 48,1 % 0 % 20 % 40 % 60 %
Die Zahlen
SchulartProtestanten laut WeberKatholikenJudenSumme der ZeileJungen 1895/96davon ProtestantenAnteil der Protestanten 1895/96
Gymnasien43 %46 %9,5 %98,5 %4.5232.07345,8 %
Realgymnasien69 %31 %9 %109 %1.50478752,3 %
Oberrealschulen52 %41 %7 %100 %1.53878951,3 %
Realschulen49 %40 %11 %100 %3.2071.53747,9 %
höhere Bürgerschulen51 %37 %12 %100 %1.36665548,0 %
alle fünf Schularten48 %42 %10 %100 %12.1385.84148,1 %
Gedruckte Zahlen: Max Weber, „Die protestantische Ethik und der ‚Geist‘ des Kapitalismus“, Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik 20 (1904), S. 4, Anm. 1, vom Scan der Seite abgelesen, nach Martin Offenbacher; Weber datiert sie auf 1885/91, spätere Herausgeber geben Offenbachers Zeitraum mit 1885 bis 1895 an. Nachzählung: eigene Berechnung aus den Schülerzahlen des Schuljahrs 1895/96 bei Kurt Samuelsson, Religion and Economic Action (1961), S. 139, der sie dem Statistischen Jahrbuch für das Großherzogtum Baden entnahm (12.138 Jungen). Webers Zeile für die Realgymnasien lautet 69, 31 und 9 Prozent für Protestanten, Katholiken und Juden.

Im Erstdruck sind die 69 und die 52 darunter fett gesetzt. Die Zeile steht unverändert in der Überarbeitung von 1920, und Talcott Parsons übernahm sie 1930 in seine englische Übersetzung293028. Im Jahr 1957 zählte der schwedische Historiker Kurt Samuelsson die Zeile zusammen. Er erklärte das Versehen mit einem Druck- oder Rechenfehler Offenbachers: Gemeint sei 59 gewesen, und Weber habe die Zahl dann abgeschrieben33. Einen Scan von Offenbachers Dissertation haben wir nicht gefunden. Die Annahme, der Fehler sei beim Schüler entstanden, stützt sich deshalb auf Samuelsson und auf zwei spätere Forscher, die Offenbacher gelesen haben3435. Auch die 59 ist aus der Summe erschlossen.

Samuelsson tat auch, was Weber unterlassen hatte: Er schlug die Schülerzahlen nach. Er nahm ein einzelnes Schuljahr, 1895/96, während Webers Prozentsätze Durchschnitte der Jahre davor sind. In diesem Schuljahr hatten Badens höhere Schulen 12.138 Jungen. Von den 1.504 an einem Realgymnasium waren 787 Protestanten, das sind 52,3 Prozent. Über alle fünf Schularten lag der Anteil der Protestanten bei 48,1 Prozent (eigene Berechnung nach seiner Tabelle)33.

Sein größerer Einwand betraf die Landkarte. Die Realgymnasien standen in sechs Städten, in denen nach seiner Zählung fast genau 55 Prozent der christlichen Bevölkerung Protestanten waren, und Schule für Schule habe die Zusammensetzung der Schülerschaft der des Bezirks entsprochen. Kurz, schrieb er, der von Weber behauptete Unterschied sei ein Mythos33.

Das schießt seinerseits über das Ziel hinaus. Unter den christlichen Schülern der Realgymnasien waren in Samuelssons eigener Tabelle 57,7 Prozent Protestanten, gegenüber seinen 55 Prozent für ihre Bezirke (eigene Berechnung). Auch nach der Nachzählung stellen die Protestanten 48 Prozent aller Schüler höherer Schulen in einem Land, in dem sie 37 Prozent der Bevölkerung ausmachten. Samuelsson erklärt das mit den Wohnorten der Protestanten, und Weber selbst räumt ein, die Konfession könne zum Teil eine Folge der wirtschaftlichen Lage sein30. Was schrumpft, ist der Befund, auf dem die Fußnote aufbaute: der Vorsprung der Protestanten an den Realanstalten. Aus 69 gegen 43 wurde 52 gegen 46. Die Richtung bleibt: In der Nachzählung stellen Katholiken 46 Prozent der Jungen an den Gymnasien und zwischen 38 und 42 Prozent an den vier anderen Schularten (eigene Berechnung).

Statistische Auswertung der protestantischen Arbeitsethik

Im Jahr 1998 sichtete der Ökonom Laurence Iannaccone, was die Ökonomen über Religion wussten, und kam zu dem Schluss, das Bemerkenswerteste an der These von der protestantischen Ethik sei, dass ihr die empirische Stütze fehle36. Seither sind die alten Volkszählungen digitalisiert worden, und die Überprüfungen haben sich vervielfacht. Sie prüfen drei verschiedene Dinge: Webers Eingangsbeobachtung über das Deutschland seiner Zeit, seine Behauptung über die Jahrhunderte davor und die Behauptung des Lehrbuchs, Protestanten würden härter arbeiten.

Eine viel zitierte Überprüfung der Eingangsbeobachtung erschien 2009. Sascha Becker und Ludger Woessmann werteten die 452 preußischen Kreise der Volkszählung von 1871 aus und fanden Webers Beobachtung bestätigt. Protestantische Kreise waren wohlhabender, und mehr Menschen konnten dort lesen und schreiben. Mit Kontrollvariablen für die Zusammensetzung der Bevölkerung lag die Alphabetisierungsrate eines rein protestantischen Kreises um 9,9 Prozentpunkte über der eines rein katholischen. Um Ursache und Zufall zu trennen, nutzten die beiden die Entfernung jedes Kreises von Wittenberg, wo die Reformation begann, und kamen so auf einen Unterschied von 18,9 Punkten37. Ihre Erklärung stammt von Luther und hat mit Calvin nichts zu tun: Luther wollte, dass jeder Christ die Bibel liest, also bauten Protestanten Schulen. Halte man die Alphabetisierung konstant, schrieben sie, verliere der Protestantenanteil jeden Zusammenhang mit dem wirtschaftlichen Erfolg37. Nach dieser Lesart lag Weber bei der Tatsache richtig und beim Grund falsch. Eine Tür ließen die beiden offen: Sie könnten nicht ausschließen, dass Protestanten die höhere Alphabetisierung zum Teil wegen einer anderen Arbeitsethik erreicht hätten37.

Eine Falle hatte Weber gesehen. In seinem zweiten Satz heißt es, die Erscheinung finde sich „nicht nur da, wo die Differenz der Konfession mit einem Unterschied der Nationalität und damit des Grades der Kulturentwicklung zusammenfällt, wie im deutschen Osten zwischen Deutschen und Polen“28. Die preußischen Daten sind öffentlich, und für die Alphabetisierung legen sie nahe, dass die Erscheinung fast nur dort auftrat38. In Kreisen, die zu weniger als 20 Prozent protestantisch waren, konnten 84,8 Prozent lesen und schreiben; in Kreisen, die zu mehr als 80 Prozent protestantisch waren, 90,5 Prozent. In Pommern, Posen und Schlesien, bei den Autoren die drei überwiegend polnischsprachigen Provinzen, lagen die überwiegend katholischen Kreise bei 69,5 Prozent und die überwiegend protestantischen bei 89,437. In den übrigen 333 Kreisen Preußens lauten die Werte 91,4 und 90,8 (eigene Berechnung, einfache Durchschnitte der Kreise).

Wo der Unterschied liegt

Anteil der Einwohner ab zehn Jahren, die 1871 lesen und schreiben konnten, in überwiegend katholischen und überwiegend protestantischen preußischen Kreisen. Einfache Durchschnitte der Kreise, ohne Kontrollvariablen.

Ganz Preußen 452 Kreise Ganz Preußen, unter 20 % protestantisch: 84,8 Prozent konnten lesen und schreiben (106 Kreise) unter 20 % protestantisch 84,8 % 106 Kreise Ganz Preußen, über 80 % protestantisch: 90,5 Prozent konnten lesen und schreiben (237 Kreise) über 80 % protestantisch 90,5 % 237 Kreise Pommern, Posen und Schlesien 119 Kreise Pommern, Posen und Schlesien, unter 20 % protestantisch: 69,5 Prozent konnten lesen und schreiben (32 Kreise) unter 20 % protestantisch 69,5 % 32 Kreise Pommern, Posen und Schlesien, über 80 % protestantisch: 89,4 Prozent konnten lesen und schreiben (49 Kreise) über 80 % protestantisch 89,4 % 49 Kreise Das übrige Preußen 333 Kreise Das übrige Preußen, unter 20 % protestantisch: 91,4 Prozent konnten lesen und schreiben (74 Kreise) unter 20 % protestantisch 91,4 % 74 Kreise Das übrige Preußen, über 80 % protestantisch: 90,8 Prozent konnten lesen und schreiben (188 Kreise) über 80 % protestantisch 90,8 % 188 Kreise 0 % 25 % 50 % 75 % 100 %
Die Zahlen
KreiseAnteil der Protestanten im KreisZahl der Kreisekonnten lesen und schreiben, ab zehn Jahren
Ganz Preußenunter 20 % protestantisch10684,8 %
Ganz Preußenüber 80 % protestantisch23790,5 %
Pommern, Posen und Schlesienunter 20 % protestantisch3269,5 %
Pommern, Posen und Schlesienüber 80 % protestantisch4989,4 %
Das übrige Preußenunter 20 % protestantisch7491,4 %
Das übrige Preußenüber 80 % protestantisch18890,8 %
Eigene Berechnung aus dem Replikationsdatensatz zu Sascha Becker und Ludger Woessmann, „Was Weber Wrong? A Human Capital Theory of Protestant Economic History“, Quarterly Journal of Economics 124 (2009), veröffentlicht vom ifo Institut (iPEHD), 452 Kreise der preußischen Volkszählung von 1871. Die drei Provinzen sind jene, die der Datensatz der Autoren selbst als überwiegend polnischsprachig kennzeichnet. Die 109 Kreise mit 20 bis 80 Prozent Protestanten bleiben außen vor. Nach Einwohnerzahl gewichtet, ergeben sich für das übrige Preußen 90,7 und 91,4 Prozent. Die Autoren schätzen den Unterschied zwischen einem rein protestantischen und einem rein katholischen Kreis auf 9,9 Prozentpunkte mit demografischen Kontrollvariablen und auf 11,7 mit geografischen, zu denen die Kennzeichnung gehört.

Diese Aufteilung ist eine Tabelle von Durchschnitten, und man kann sie auch anders schneiden. Nach Einwohnerzahl gewichtet, liegen die protestantischen Kreise außerhalb der drei Provinzen um 0,7 Punkte vorn. Lässt man auch Ost- und Westpreußen weg, wo selbst in protestantischen Kreisen nur 72,5 Prozent lesen und schreiben konnten, beträgt ihr Vorsprung 1,5 Punkte im einfachen Durchschnitt und 2,3 gewichtet (eigene Berechnung). Zwanzig Punkten innerhalb der drei Provinzen stehen höchstens zwei außerhalb gegenüber. Die Geografie haben Becker und Woessmann durchaus geprüft. Mit einer Kennzeichnung für die drei Provinzen und weiteren geografischen Kontrollvariablen beträgt ihre Schätzung 11,7 Punkte, mit einer Kennzeichnung für jeden der 35 preußischen Regierungsbezirke 6,937. Eine solche Kennzeichnung verschiebt den Durchschnitt einer Region. Sie fragt nicht, ob der protestantische Vorsprung in jeder Region gleich groß ist.

Andere haben sich dasselbe Land angesehen. Felix Kersting, Iris Wohnsiedler und Nikolaus Wolf verglichen Katholiken und Protestanten innerhalb jedes Kreises und kamen bei der Alphabetisierung auf einen Unterschied von lediglich 1,05 Prozentpunkten, der auf 0,14 schrumpft, sobald man die östlichen Provinzen weglässt. Einkommen, Ersparnisse und Alphabetisierung, so ihr Schluss, hätten sich zwischen Deutschen und Polen unterschieden und nicht zwischen Protestanten und Katholiken39. Jeremy Edwards hat die Studie von Becker und Woessmann repliziert. Er wendet ein, die Entfernung von Wittenberg könne nicht leisten, was man von ihr verlange, denn sie messe auch, wo in Preußen ein Kreis liege40.

Eine zweite Prüfung ging in die Jahrhunderte zurück, über die Weber schrieb. Davide Cantoni verfolgte 272 Städte des Alten Reichs von 1300 bis 1900. Hätte der Protestantismus die Menschen reicher gemacht, hätten protestantische Städte nach der Reformation davonziehen müssen. Cantoni schreibt, er finde keine Wirkung des Protestantismus auf das Wirtschaftswachstum41.

Was für Weber spricht, stammt aus Studien über die Arbeit selbst, eine davon unter Calvinisten. Christoph Basten und Frank Betz gingen an die Grenze zwischen zwei Schweizer Kantonen: der Waadt, wo Bern im 16. Jahrhundert den reformierten, also calvinistischen Glauben durchsetzte, und dem Kanton Freiburg, der katholisch blieb. In Volksabstimmungen über die Arbeitszeit lag die Zustimmung zu mehr Freizeit auf der reformierten Seite um 13,5 Punkte niedriger. Auch das Pro-Kopf-Einkommen war dort höher, doch die Schätzung ist unsicher, und die Grafik der Autoren zeigt keinen klaren Sprung an der Grenze. Die preußischen Studien, merkten sie an, handelten von Lutheranern, während sie selbst sich wie Weber auf den reformierten Protestantismus konzentrierten42. Jörg Spenkuch stellte fest, dass Protestanten im heutigen Deutschland länger arbeiten als Katholiken, bei gleichem Stundenlohn43. Anhand von Umfragen aus 82 Gesellschaften kamen André van Hoorn und Robbert Maseland zu dem Ergebnis, dass der Verlust des Arbeitsplatzes Protestanten rund 40 Prozent mehr von ihrem Lebensglück kostet als andere44. Luca Nunziata und Lorenzo Rocco zufolge sind Schweizer Protestanten etwas häufiger Unternehmer als Katholiken, aber nur dort, wo die jeweilige Konfession am Ort in der Minderheit ist45.

Zwei Ergebnisse weisen in die andere Richtung. Benito Arruñada stellte anhand von Umfragen aus 32 Ländern fest, dass Protestanten 8,5 Prozent mehr Stunden arbeiten. Dieser Vorsprung verschwand, sobald demografische Merkmale und die Länder berücksichtigt wurden46. Und eine Studie über englische Grafschaften stellte für die Zeit von 1377 bis 1801 schnelleres Wachstum dort fest, wo sich Jahrhunderte vor Luther Zisterziensermönche niedergelassen hatten. Das Urteil der Autoren: Weber habe zu Recht betont, wie wichtig die kulturelle Wertschätzung von harter Arbeit und Sparsamkeit sei, aber wohl zu Unrecht den Ursprung dieser Werte in der Reformation gesucht47.

Acht Studien, zwei Fragen

Studien, die Protestanten mit Katholiken vergleichen. Erste Spalte: Standen Protestanten besser da, bei Einkommen, Löhnen oder Wachstum? Zweite Spalte: Arbeiteten oder sparten sie mehr, oder war ihnen Arbeit wichtiger? „Teils“ steht für einen Befund, der schwach ist oder nur zum Teil gilt. Ein Strich heißt, die Studie hat nicht danach gefragt.

besser gestellt? Arbeit wichtiger? Cantoni 2015 272 deutsche Städte, 1300–1900 Cantoni 2015: Protestanten besser gestellt? nicht belegt nein kein Unterschied im Städtewachstum Becker & Woessmann 2009 452 preußische Kreise, 1871–86 Becker & Woessmann 2009: Protestanten besser gestellt? belegt ja reicher, über Schulbildung; bestritten Kersting, Wohnsiedler & Wolf 2020 preußische Kreise, 1875–1905 Kersting, Wohnsiedler & Wolf 2020: Protestanten besser gestellt? nicht belegt nein Kersting, Wohnsiedler & Wolf 2020: mehr Arbeit oder Sparen, oder Arbeit wichtiger? nicht belegt nein kein Unterschied bei Einkommen, Sparen Basten & Betz 2013 Schweizer Dörfer an einer Konfessionsgrenze Basten & Betz 2013: Protestanten besser gestellt? zum Teil belegt teils Basten & Betz 2013: mehr Arbeit oder Sparen, oder Arbeit wichtiger? belegt ja gegen mehr Freizeit; Einkommen höher Spenkuch 2017 Deutschland, 2000–2008 Spenkuch 2017: Protestanten besser gestellt? zum Teil belegt teils Spenkuch 2017: mehr Arbeit oder Sparen, oder Arbeit wichtiger? belegt ja längere Arbeitszeit, gleicher Stundenlohn van Hoorn & Maseland 2013 82 Gesellschaften van Hoorn & Maseland 2013: mehr Arbeit oder Sparen, oder Arbeit wichtiger? belegt ja Jobverlust trifft rund 40 % härter Nunziata & Rocco 2016 religiöse Minderheiten der Schweiz Nunziata & Rocco 2016: mehr Arbeit oder Sparen, oder Arbeit wichtiger? zum Teil belegt teils mehr Unternehmer, bei Minderheiten Arruñada 2010 32 Länder Arruñada 2010: Protestanten besser gestellt? nicht belegt nein Arruñada 2010: mehr Arbeit oder Sparen, oder Arbeit wichtiger? nicht belegt nein mit Kontrollvariablen kein Unterschied
Das Raster als Tabelle
StudieStichprobeProtestanten besser gestellt?mehr Arbeit oder Sparen, oder Arbeit wichtiger?der Befund in Kürze
Cantoni 2015272 deutsche Städte, 1300–1900nicht belegtnicht untersuchtkein Unterschied im Städtewachstum
Becker & Woessmann 2009452 preußische Kreise, 1871–86belegtnicht untersuchtreicher, über Schulbildung; bestritten
Kersting, Wohnsiedler & Wolf 2020preußische Kreise, 1875–1905nicht belegtnicht belegtkein Unterschied bei Einkommen, Sparen
Basten & Betz 2013Schweizer Dörfer an einer Konfessionsgrenzezum Teil belegtbelegtgegen mehr Freizeit; Einkommen höher
Spenkuch 2017Deutschland, 2000–2008zum Teil belegtbelegtlängere Arbeitszeit, gleicher Stundenlohn
van Hoorn & Maseland 201382 Gesellschaftennicht untersuchtbelegtJobverlust trifft rund 40 % härter
Nunziata & Rocco 2016religiöse Minderheiten der Schweiznicht untersuchtzum Teil belegtmehr Unternehmer, bei Minderheiten
Arruñada 201032 Ländernicht belegtnicht belegtmit Kontrollvariablen kein Unterschied
Cantoni (2015): Städtewachstum. Becker und Woessmann (2009): Einkommen und Berufe, ein Ergebnis, das Edwards (2021) bestreitet. Kersting, Wohnsiedler und Wolf (2020): Einkommen und Ersparnisse. Basten und Betz (2013): Pro-Kopf-Einkommen auf der reformierten Seite auf dem 10-Prozent-Niveau signifikant höher, ohne klaren Sprung in ihrer Grafik; Abstimmungen über Freizeit. Spenkuch (2017): kein Unterschied beim Stundenlohn, längere Arbeitszeit, also mehr Verdienst nur durch mehr Arbeit. Van Hoorn und Maseland (2013): Verlust an Wohlbefinden bei Arbeitslosigkeit. Nunziata und Rocco (2016): Unternehmer, und nur dort, wo eine Konfession am Ort in der Minderheit ist. Arruñada (2010): Arbeitsstunden und persönlicher Erfolg, mit Kontrollvariablen kein Unterschied. Vollständige Angaben in den Quellen. Die Einordnung ist die Lesart dieser Zeitung nach der Zusammenfassung der jeweiligen Studie.

Becker und Woessmann fassten den Forschungsstand 2024, gemeinsam mit Jared Rubin, in einem Satz zusammen: Insgesamt seien die empirischen Befunde zur Weber-These uneinheitlich48. Das uneinheitliche Bild lässt ein gewisses Muster erkennen. Die klarsten Befunde zu Webers Gunsten betreffen die Arbeit selbst: Arbeitsstunden, Freizeit, das Elend des Arbeitsplatzverlusts. Die klarsten Befunde gegen ihn betreffen das, was die Ethik hervorbringen sollte. Protestantische Städte wuchsen nicht schneller, und protestantische Preußen sparten nicht mehr als katholische. Deutsche Protestanten, die heute mehr verdienen, arbeiten dafür mehr Stunden, bei gleichem Stundenlohn. Keiner der Effekte ist groß, und keiner kann die Behauptung, die unter Webers Namen kursiert, auch nur annähernd tragen.

Bürokratie

Neun Jahre vor dem Vortrag für die Offiziere hatte Weber in Wien schon einmal eine unwillkommene Rede gehalten. Im Jahr 1909 tagte dort der Verein für Socialpolitik, die Vereinigung der sozialreformerischen deutschen Nationalökonomen, und debattierte über die Betriebe, die neuerdings von den Städten geführt wurden. Weber räumte die Leistungsfähigkeit dieser Verwaltung ohne Abstriche ein, bevor er sie angriff. Nichts in der Welt arbeite so präzis wie diese Menschenmaschine, sagte er, „und dazu noch: so billig!“ „Die technische Ueberlegenheit des bureaukratischen Mechanismus steht felsenfest“, fuhr er fort. Dann wechselte er die Richtung. Er sah eine Welt, angefüllt mit lauter Menschen, „die an einem kleinen Pöstchen kleben und nach einem etwas größeren Pöstchen streben“. Die Frage sei, was man dieser Maschinerie entgegenzusetzen habe, „um einen Rest des Menschentums freizuhalten von dieser Parzellierung der Seele“49.

Die erste Hälfte fasste er in eine Liste: „Präzision, Schnelligkeit, Eindeutigkeit, Aktenkundigkeit, Kontinuierlichkeit, Diskretion, Einheitlichkeit, straffe Unterordnung, Ersparnisse an Reibungen, sachlichen und persönlichen Kosten“50. Sie alle, schrieb er, seien in einer Behörde aus geschulten, besoldeten Berufsbeamten, die nach Regeln und nach Akten arbeiten, auf das Optimum gesteigert. Eine solche Behörde verhalte sich zu jeder anderen Form der Verwaltung wie eine Maschine zur Handarbeit. Weiter heißt es: „Eine einmal voll durchgeführte Bürokratie gehört zu den am schwersten zu zertrümmernden sozialen Gebilden“50. Der Kapitalismus komme ohne sie nicht aus, und der Sozialismus würde „eine ungeheure Steigerung der Bedeutung der Fachbureaukratie“ bedeuten51.

Die zweite Hälfte steht in einer Schrift von 1918. Die bürokratische Organisation, schrieb er dort, sei im Verein mit der toten Maschine der Fabrik dabei, „das Gehäuse jener Hörigkeit der Zukunft“ herzustellen, in die sich die Menschen vielleicht eines Tages so ohnmächtig fügen müssten wie die Fellachen im alten Ägypten52.

Dieses Bild hat im Englischen eine seltsame Karriere gemacht. Die Wendung, die im Englischen jeder kennt, der „iron cage“, steht auf den letzten Seiten der Protestantischen Ethik. Bei Parsons heißt es dort: „But fate decreed that the cloak should become an iron cage“, aus dem Mantel wurde also ein eiserner Käfig28. Weber hatte geschrieben: „Aber aus dem Mantel ließ das Verhängnis ein stahlhartes Gehäuse werden“. An dieser Stelle ist es die Sorge um die äußeren Güter, die zum Gehäuse erstarrt30. Eine spätere Übersetzung hat „a shell as hard as steel“, eine Schale, hart wie Stahl53. Auf die Beamten übertrug Weber das Bild selbst. Die Schrift von 1918 fragt, ob die Ausschaltung des Privatkapitalismus „ein Zerbrechen des stählernen Gehäuses der modernen gewerblichen Arbeit“ bedeuten würde, und antwortet mit Nein: Auch die verstaatlichten Betriebe würden von Beamten geleitet52. Der Käfig ist von Parsons. Der Stahl ist von Weber.

Sind bürokratische Systeme überlegen?

Webers Behauptung galt der Leistung, und 1999 fassten zwei amerikanische Wissenschaftler sie in eine Zahl. Peter Evans und James Rauch fragten 126 Experten, wie die zentralen Wirtschaftsbehörden von 35 Entwicklungsländern ihr Personal einstellten und beförderten, und bildeten aus den Antworten eine „Weberianness“-Skala. Die Länder, die Webers Modell am nächsten kamen, waren zwischen 1970 und 1990 am schnellsten gewachsen, und die Korrelation betrug 0,6754.

Ein berühmter Zusammenhang und vier Punkte

35 Entwicklungsländer. Nach rechts: wie weit die zentralen Wirtschaftsbehörden Webers Modell des Berufsbeamten entsprachen, auf einer Skala aus Expertenbefragungen. Nach oben: Wachstum des Einkommens pro Kopf von 1970 bis 1990. Hongkong, Korea, Singapur und Taiwan sind hervorgehoben.

Wachstum des Einkommens pro Kopf, 1970–90 0 % +100 % +200 % +300 % 0 2 4 6 8 10 12 14 Wert auf der „Weberianness“-Skala Pakistan: Skalenwert 11,0, Wachstum +35 Prozent Malaysia: Skalenwert 10,5, Wachstum +138 Prozent Griechenland: Skalenwert 10,0, Wachstum +60 Prozent Indien: Skalenwert 10,0, Wachstum +58 Prozent Spanien: Skalenwert 10,0, Wachstum +64 Prozent Costa Rica: Skalenwert 9,0, Wachstum +20 Prozent Tunesien: Skalenwert 9,0, Wachstum +102 Prozent Kolumbien: Skalenwert 8,5, Wachstum +54 Prozent Mexiko: Skalenwert 8,5, Wachstum +46 Prozent Elfenbeinküste: Skalenwert 8,0, Wachstum −25 Prozent Sri Lanka: Skalenwert 8,0, Wachstum +69 Prozent Thailand: Skalenwert 8,0, Wachstum +135 Prozent Ägypten: Skalenwert 7,8, Wachstum +64 Prozent Brasilien: Skalenwert 7,6, Wachstum +66 Prozent Israel: Skalenwert 7,0, Wachstum +55 Prozent Marokko: Skalenwert 7,0, Wachstum +60 Prozent Türkei: Skalenwert 7,0, Wachstum +70 Prozent Philippinen: Skalenwert 6,0, Wachstum +26 Prozent Chile: Skalenwert 5,0, Wachstum +20 Prozent Peru: Skalenwert 5,0, Wachstum −20 Prozent Portugal: Skalenwert 5,0, Wachstum +126 Prozent Uruguay: Skalenwert 4,5, Wachstum +12 Prozent Ecuador: Skalenwert 4,0, Wachstum +54 Prozent Haiti: Skalenwert 4,0, Wachstum 0 Prozent Zaire: Skalenwert 4,0, Wachstum −38 Prozent Argentinien: Skalenwert 3,8, Wachstum −17 Prozent Syrien: Skalenwert 3,8, Wachstum +70 Prozent Guatemala: Skalenwert 3,0, Wachstum +5 Prozent Nigeria: Skalenwert 3,0, Wachstum +30 Prozent Dominikanische Republik: Skalenwert 2,0, Wachstum +41 Prozent Kenia: Skalenwert 1,0, Wachstum +55 Prozent Singapur: Skalenwert 13,5, Wachstum +288 Prozent Korea: Skalenwert 13,0, Wachstum +297 Prozent Taiwan: Skalenwert 12,0, Wachstum +269 Prozent Hongkong: Skalenwert 11,0, Wachstum +230 Prozent Singapur Korea Taiwan Hongkong Pakistan Zaire Kenia
Alle 35 Länder
LandSkalenwertWachstum des Einkommens pro Kopf, 1970–90
Singapur13,5+288 %
Korea13,0+297 %
Taiwan12,0+269 %
Hongkong11,0+230 %
Pakistan11,0+35 %
Malaysia10,5+138 %
Griechenland10,0+60 %
Indien10,0+58 %
Spanien10,0+64 %
Costa Rica9,0+20 %
Tunesien9,0+102 %
Kolumbien8,5+54 %
Mexiko8,5+46 %
Elfenbeinküste8,0−25 %
Sri Lanka8,0+69 %
Thailand8,0+135 %
Ägypten7,8+64 %
Brasilien7,6+66 %
Israel7,0+55 %
Marokko7,0+60 %
Türkei7,0+70 %
Philippinen6,0+26 %
Chile5,0+20 %
Peru5,0−20 %
Portugal5,0+126 %
Uruguay4,5+12 %
Ecuador4,0+54 %
Haiti4,00 %
Zaire4,0−38 %
Argentinien3,8−17 %
Syrien3,8+70 %
Guatemala3,0+5 %
Nigeria3,0+30 %
Dominikanische Republik2,0+41 %
Kenia1,0+55 %
Skalenwerte: Peter Evans und James Rauch, „Bureaucracy and Growth“, American Sociological Review 64 (1999), Anhang C, vom Scan abgelesen und mit dem Datensatz der Autoren abgeglichen; die Experten wurden 1993 bis 1996 befragt. Wachstum: gesamte Veränderung des realen Einkommens pro Kopf von 1970 bis 1990 im Datensatz der Autoren, der sie der Penn World Table entnimmt. Korrelation 0,67 für alle 35 Länder, wie die Autoren berichten, und 0,38 ohne die vier hervorgehobenen (eigene Berechnung).

Die Schwachstelle sahen die Autoren selbst. Die vier am schnellsten gewachsenen Länder, Hongkong, Korea, Singapur und Taiwan, sind vier der fünf Länder mit den höchsten Skalenwerten. Mit einer Kennzeichnung für diese vier Länder in der Gleichung sank der Effekt des Skalenwerts um mehr als die Hälfte, und mit einer zweiten, regionalen Kennzeichnung war er statistisch nicht mehr signifikant54. Ohne die vier beträgt die einfache Korrelation 0,38 (eigene Berechnung nach den Daten der Autoren). Außerdem wurden die Experten von 1993 bis 1996 befragt, also nach dem Wachstum, das ihre Antworten erklären sollen. Im Jahr 2020 wiederholten Agnes Cornell, Carl Henrik Knutsen und Jan Teorell die Untersuchung für 105 Länder, mit einem Maß dafür, wie unparteiisch eine Verwaltung arbeitet. In der größeren Stichprobe war der geschätzte Effekt weniger als halb so groß. Wurde die Verwaltung im Jahr 1965 gemessen, also vor dem Wachstum und nicht danach, war der Effekt verschwunden: Der Koeffizient für unparteiische Verwaltung werde auf allen üblichen Niveaus insignifikant und wechsle sogar das Vorzeichen, schreiben die drei55.

Was Bestand hat, ist enger als Webers Liste. In einer Befragung von 520 Experten zu 52 Ländern gab es dort weniger Korruption, wo Stellen tatsächlich nach Können vergeben werden und nicht nach politischen Beziehungen. Ob ein Land das mit förmlichen Eingangsprüfungen tut, machte darüber hinaus keinen messbaren Unterschied, ebenso wenig die Anstellung auf Lebenszeit oder ein eigenes Beamtenrecht56. Historische Studien weisen auf die Verbindung zu den Politikern. Amerikanische Postämter, die der Pendleton Act den Regeln des öffentlichen Dienstes unterstellte, machten bei der Zustellung etwa ein Fünftel weniger Fehler, mit weitgehend demselben Personal wie zuvor57. Prüfungen allein bewirkten weniger: Amerikanische Zollämter, die nach Prüfung einstellen mussten, bekamen besser qualifizierte Angestellte, trieben ihre Einnahmen aber nicht billiger ein58.

Auf das „so billig“ gibt es seit 1955 eine klassische Antwort, die von C. Northcote Parkinson: „work expands so as to fill the time available for its completion“ – Arbeit dehnt sich so weit aus, dass sie die Zeit füllt, die für ihre Erledigung zur Verfügung steht. Zwischen 1914 und 1928, zeigte er, sank die Zahl der im Dienst stehenden Großkampfschiffe der Royal Navy von 62 auf 20, während die Zahl der Beamten der Admiralität von 2.000 auf 3.569 stieg59.

Der Staat, dessen Beamte Weber für die besten der Welt hielt, ist nach Köpfen kein großer52. Beim Staat arbeiten in Deutschland 11,5 Prozent aller Erwerbstätigen, im Durchschnitt der OECD sind es 18,4 Prozent60. Das Gewicht der deutschen Bürokratie liegt mehr in ihren Regeln als in ihrem Personal. Das hat der Prosperitist festgestellt, als er der Verpackungssteuer einer Stadt durch die achtzehn Abschnitte der städtischen Praxishilfe folgte.

Dass sich die Maschine aufhalten lasse, glaubte Weber nicht. Er glaubte, man könne sie überwachen, durch ein Parlament, das Beamte vorladen, die Akten einsehen und Zeugen vernehmen kann52. Dieses Recht wollte er auch der Minderheit geben, damit eine Regierungsmehrheit eine Untersuchung nicht begraben kann, und seine Witwe nennt das seinen ganz eigenständigen Beitrag zum Verfassungsentwurf2. Artikel 34 der Weimarer Reichsverfassung verpflichtete den Reichstag, „auf Antrag von einem Fünftel seiner Mitglieder“ einen Untersuchungsausschuss einzusetzen61. Artikel 44 des Grundgesetzes behält die Pflicht bei und verlangt ein Viertel62. Im Jahr 1984 führte das Bundesverfassungsgericht die Regelung ausdrücklich auf Webers Schrift zurück63. Bis 2025 hatte der Bundestag 49 solche Ausschüsse eingesetzt64.

Der Nationalist

Weber war Nationalist, bevor er irgendetwas anderes war. In seiner Freiburger Antrittsvorlesung am 13. Mai 1895 sagte er, die Wirtschaftspolitik diene der Macht der Nation: „Nicht Frieden und Menschenglück haben wir unseren Nachfahren mit auf den Weg zu geben, sondern den ewigen Kampf um die Erhaltung und Emporzüchtung unserer nationalen Art“6566. Sein Thema waren die polnischen Landarbeiter und Kleinbauern, die östlich der Elbe an die Stelle von Deutschen traten. Der polnische Kleinbauer gewinne an Boden, sagte er, „weil er gewissermaßen das Gras vom Boden frißt“. Er forderte, die Ostgrenze zu schließen und durch den Staat Land für deutsche Siedler aufzukaufen65. In den Alldeutschen Verband trat er 1893 ein und im April 1899 wieder aus. Sein Austrittsschreiben nennt den Grund: Der Verband sei gegenüber den polnischen Landarbeitern zu nachgiebig, weil ihm das Interesse der Grundbesitzer an billigen Arbeitskräften vorgehe672.

Im Krieg wandte er sich gegen den uneingeschränkten U-Boot-Krieg und gegen die Annexionisten, wollte die neuen Staaten Osteuropas aber unter deutscher Oberhoheit sehen68. Im Jahr 1917 sprach er auf den Tagungen, die der Verleger Eugen Diederichs auf Burg Lauenstein veranstaltete69.

Eine Gruppe von Männern im Gespräch, im Freien vor einer efeubewachsenen Mauer; Max Weber, bärtig, mit breitkrempigem Hut und kariertem Anzug, steht im Profil in der Mitte und spricht, ein junger Mann neben ihm blickt in die Kamera
Weber, mit Hut, 1917 auf Burg Lauenstein. Der junge Mann, der in die Kamera blickt, ist der Schriftsteller Ernst Toller. Foto: Alfred Bischoff, 1917, via Wikimedia Commons. Gemeinfrei.

Nach der Niederlage half er, die liberale Deutsche Demokratische Partei (DDP) zu gründen, doch das erhoffte Mandat in der Nationalversammlung blieb aus. „Die Politik bedeutet ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich“, sagte er am 28. Januar 1919 vor Studenten in München, und im Juni desselben Jahres übernahm er dort einen Lehrstuhl, seinen ersten seit 190350703. Im Dezember 1918 war er der Einzige, der ohne amtliche Funktion zu den Beratungen im Reichsamt des Innern geladen war, aus denen der Entwurf einer Verfassung hervorging68. Er drängte auf einen vom Volk gewählten Präsidenten. „Der künftige Reichspräsident muß unbedingt vom Volke unmittelbar gewählt werden“, schrieb er am 25. Februar 1919 in einer Berliner Zeitung71. Artikel 41 der Weimarer Reichsverfassung vom 11. August 1919 lautet: „Der Reichspräsident wird vom ganzen deutschen Volke gewählt“. Artikel 48 gab diesem Präsidenten die Macht, mit Notverordnungen zu regieren61. Im Jahr 1930 verabschiedete der Reichstag noch 98 Gesetze. Im Jahr 1932 waren es fünf, und der Präsident erließ 60 Notverordnungen72.

Der Vorwurf gegen Weber lautet, er habe die Idee eines Mannes an der Spitze geliefert, den das Volk wählt und den danach niemand mehr kontrolliert. Der schärfste Beleg ist ein Gespräch. Im Jahr 1919 suchte er General Ludendorff auf, und seine Witwe gibt den Wortwechsel wieder. Auf die Frage, was er unter Demokratie verstehe, antwortet Weber: „In der Demokratie wählt das Volk seinen Führer, dem es vertraut.“ Dann sage der Gewählte: „Nun haltet den Mund und pariert“. Habe der Gewählte Fehler gemacht, dann „an den Galgen mit ihm!“2. Im Jahr 1959 zog der junge Historiker Wolfgang Mommsen die Linie weiter. Webers Lehre vom plebiszitär gewählten Führer, schrieb er, habe dazu beigetragen, das deutsche Volk „zur Akklamation der Führerstellung Adolf Hitlers innerlich willig zu machen“67.

Die Verteidigung fällt schmaler aus, als Webers Bewunderer es sich wünschen mögen. Seine Witwe, die Quelle für den Dialog, hält auch fest, dass „die Volkswahl des Reichspräsidenten und seine autoritäre Stellung“ auf Webers Forderung hin in die Verfassung kamen2. In seinem Zeitungsartikel verlangt er einen Präsidenten, der die Exekutive leitet, die Ämter besetzt und das Parlament auflösen kann71. Regieren per Verordnung fordert der Artikel nicht. Der Präsident soll nur eingreifen, wenn eine Krise anders nicht zu lösen ist. Weber schreibt: „Man sorge dafür, daß der Reichspräsident für jeden Versuch, die Gesetze anzutasten oder selbstherrlich zu regieren, »Galgen und Strick« stets vor Augen sieht“71. Der Dialog mit Ludendorff ist aus dritter Hand überliefert: Marianne Weber war nicht im Raum, und sie sagt selbst, dass Freunde später aufzeichneten, was Weber ihnen davon erzählte2. Und Mommsen schwächte seinen eigenen Satz ab. Seit der zweiten Auflage von 1974 heißt es „zur Akklamation eines Führers, und insofern auch Adolf Hitlers“, und Mommsen schreibt dort, wahrscheinlich wäre Hitler auch so an die Macht gekommen. Nach der englischen Ausgabe von 1984 hat Webers Theorie „if only marginally“ dazu beigetragen, also wenn auch nur am Rande6773.

Dazu kommt, was Weber zu Lebzeiten tat. Im Januar 1920 feierten nationalistische Studenten in München die Begnadigung des Grafen Arco, der im Jahr zuvor den sozialistischen bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner ermordet hatte, und beschimpften einen sozialistischen Kommilitonen, der widersprach. Weber ergriff vom Katheder aus Partei für den Beschimpften. Nach dem Bericht seiner Witwe sagte er den Nationalisten, er teile ihre Meinung über Eisner und hätte Arco trotzdem erschießen lassen. Zur Wiederaufrichtung Deutschlands, sagte er, „würde ich mich gewiß mit jeder Macht der Erde und auch mit dem leibhaftigen Teufel verbünden, nur nicht mit der Macht der Dummheit“. Seine nächste Vorlesung sprengten Studenten, die von den Alldeutschen geschickt worden waren2.

Tod und Nachlass

Anfang Juni 1920 erkrankte er in München und starb am 14., 56 Jahre alt, an einer Lungenentzündung. Begraben ist er in Heidelberg3. Die Stanford Encyclopedia of Philosophy nennt die Spanische Grippe als wahrscheinliche Ursache74. Seine Ärzte stellten eine Bronchitis und dann eine Lungenentzündung fest, und der einzige zeitgenössische Hinweis auf Grippe, den wir gefunden haben, ist die Frage seiner Frau, ob es das sein könne2. Seine Schwester Lili hatte sich früher im selben Jahr das Leben genommen. Seine Frau Marianne nahm Lilis vier Kinder auf und adoptierte sie später158.

Das meiste, wofür man ihn liest, war damals noch kein Buch. Die überarbeitete Protestantische Ethik erschien am 10. Oktober 1920 im ersten Band seiner Gesammelten Aufsätze zur Religionssoziologie, 118 Tage nach seinem Tod75. Von Wirtschaft und Gesellschaft hatte er nur die ersten 180 Seiten zum Druck freigegeben. Den Rest stellten Marianne Weber und Melchior Palyi aus dem Nachlass zusammen; bis September 1922 war er erschienen22. Marianne Weber gab fünf weitere Sammelbände heraus, und 1926 veröffentlichte sie die Biografie, auf der bis heute ein guter Teil dessen beruht, was über ihn gesagt wird, auch in diesem Artikel3. Die Gesamtausgabe, 1984 begonnen, umfasst 47 Bände und wurde 2020 abgeschlossen76.

Im Jahr 1997 fragte die International Sociological Association ihre Mitglieder nach den fünf Büchern des Jahrhunderts, die ihre Arbeit am stärksten beeinflusst hatten. Von den 455, die antworteten, nannten 95 Wirtschaft und Gesellschaft, mehr als jedes andere Buch, und 47 die Protestantische Ethik, die auf Platz vier kam77.

Fazit

Von den drei Behauptungen hat sich die über den Sozialismus am besten gehalten. Ein Fürsprecher des Kapitalismus war Weber nicht: Er nannte ihn ein stahlhartes Gehäuse, in dem die Menschen arbeiten müssen, ob sie wollen oder nicht. Die Alternative hielt er aber für schlechter, aus zwei Gründen. Gehören die Betriebe dem Staat, herrschen die Beamten und nicht die Arbeiter, und ohne Geldpreise kann niemand ausrechnen, was etwas kostet. Das Erste bestätigte Lenin binnen vier Jahren, um das Zweite drehte sich die Debatte, die Mises eröffnete1825. Er sagte auch, ein solcher Staat lasse sich auf Dauer nicht führen. Die Sowjetunion zerfiel 1991, allerdings erst 73 Jahre nach seinem Vortrag, und eine Frist hatte er nicht genannt. Und widerlegt hatte er den Sozialismus nach eigenem Urteil nicht. Eine Gesellschaft könne ihn wählen und den Preis dafür zahlen, und keine Wissenschaft, meinte er, könne ihr beweisen, dass diese Wahl falsch ist23.

Am wenigsten hat sich die Behauptung gehalten, für die er berühmt ist, die über die Protestanten. So, wie er sie schrieb, war sie eng: Der asketische Protestantismus sei eine von mehreren Kräften gewesen, die den Geschäftsleuten des 16. und 17. Jahrhunderts ihre Arbeitsethik gaben, und der fertige Kapitalismus brauche diese Ethik nicht mehr. Verbreitet hat sich eine andere Behauptung: Die Protestanten seien durch Arbeiten und Sparen reich geworden. Die Statistik, mit der er begann, enthält eine Zeile, die sich auf 109 Prozent summiert29. Der Vorsprung der Protestanten beim Lesen und Schreiben lag in Preußen fast ganz in drei östlichen Provinzen. Protestantische Städte wuchsen in sechs Jahrhunderten nicht schneller, und protestantische Preußen sparten nicht mehr als katholische4139. Was die Studien finden: Deutsche Protestanten arbeiten etwas länger, und der Verlust des Arbeitsplatzes trifft Protestanten härter. Das ist die Ethik, die er beschrieb, ohne den Reichtum, den ihr die Lehrbücher zuschreiben.

Keiner der Effekte ist groß, und keiner kann die Behauptung, die unter Webers Namen kursiert, auch nur annähernd tragen.

Zur Bürokratie stellte er zwei Behauptungen auf, und es ist ihnen verschieden ergangen. Die erste lautete: Eine Verwaltung aus geschulten Berufsbeamten, die nach Eignung ausgewählt werden und nach Regeln arbeiten, sei jeder anderen überlegen, und billig dazu. Davon steht die Hälfte. Wo Stellen nach Eignung vergeben werden und nicht nach Beziehungen, gibt es weniger Korruption, und Ämter, die man dem Zugriff der Politiker entzog, arbeiteten besser5657. Für die förmlichen Teile seiner Liste, also Eingangsprüfungen, Anstellung auf Lebenszeit und ein eigenes Beamtenrecht, lässt sich darüber hinaus kein Effekt messen: Es zählt, dass nach Eignung ausgewählt wird, nicht das Verfahren, mit dem es geschieht56. Und der berühmte Befund, solche Staaten wüchsen schneller, hielt einer zweiten Prüfung nicht stand55. Die zweite Behauptung lautete: Die Maschine lasse sich, einmal gebaut, kaum mehr zerstören und müsse deshalb überwacht werden. Sein Mittel dafür, das Recht einer Minderheit im Parlament, eine Untersuchung zu erzwingen, steht heute in Artikel 44 des Grundgesetzes, und bis 2025 hat der Bundestag 49 solche Ausschüsse eingesetzt6264.

Vor dem, was aus seinem Aufsatz wurde, hatte er selbst gewarnt. Er wolle, schrieb er im letzten Absatz, keine einseitig spiritualistische Geschichtsdeutung an die Stelle einer einseitig materialistischen setzen: „Beide sind gleich möglich, aber mit beiden ist, wenn sie nicht Vorarbeit, sondern Abschluß der Untersuchung zu sein beanspruchen, der historischen Wahrheit gleich wenig gedient“28. Der Aufsatz wurde für einen Abschluss gehalten.

Quellen

  1. Ernst Hanisch, Der große Illusionist. Otto Bauer (1881–1938), Wien: Böhlau, 2011, S. 110–111, mit Verweis auf Band I/15 der Max Weber-Gesamtausgabe für das Datum und die Einladung. ↩︎ ↩︎

  2. Marianne Weber, Max Weber. Ein Lebensbild, Tübingen: J. C. B. Mohr, 1926. Die Familie Souchay S. 8; das Haus am Neckar S. 13–14 und 18; Charlottenburg und die Hirnhautentzündung S. 34–35; die Verbindung und die Ohrfeige S. 74; der Alldeutsche Verband S. 237–238; der Streit mit dem Vater S. 243–245; der Zusammenbruch S. 247–254; die Amerikareise S. 293–317; der Wiener Vortrag S. 626; die Verfassung S. 651–652; Ludendorff S. 664–665; München, Januar 1920, S. 684–685; die letzte Krankheit S. 710–711. Die Münchner Rede gibt sie als ungefähren Wortlaut wieder. ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  3. Friedrich Wilhelm Graf, „Weber, Max“, Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 474–477. ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  4. Max Weber, Der Sozialismus, Wien, 1918; zitiert nach Gesammelte Aufsätze zur Soziologie und Sozialpolitik, hg. von Marianne Weber, Tübingen, 2. Aufl. 1988, S. 492–518. Der Offizier und der Ritter S. 498–499; die Bergwerke S. 503–504; der Beamte S. 508; Russland S. 514–515. ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  5. Max Weber, Lebenslauf von 1889–1891, Max Weber-Gesamtausgabe I/1, S. 352–354. ↩︎

  6. Max Weber-Gesamtausgabe digital, Editorischer Bericht zu Zur Geschichte der Handelsgesellschaften im Mittelalter: Promotion am 1. August 1889. ↩︎

  7. Max Weber-Gesamtausgabe digital, Editorischer Bericht zu Die römische Agrargeschichte: Habilitation abgeschlossen am 1. Februar 1892. ↩︎

  8. Friedrich Wilhelm Graf, „Weber, Marianne, geborene Schnitger“, Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 477–479. ↩︎ ↩︎ ↩︎

  9. Max Weber-Gesamtausgabe digital, Einleitung zu Band I/4: Berufung nach Freiburg am 25. April 1894. ↩︎

  10. Max Weber-Gesamtausgabe digital, Einleitung der Herausgeber zu Band I/9: das abgebrochene Kolleg von 1898, die Entlassung aus dem Amt, die Erbschaft. ↩︎ ↩︎

  11. Max Weber-Gesamtausgabe digital, Einleitung der Herausgeber zu Band I/7: die drei Entlassungsgesuche und die Entlassung zum 1. Oktober 1903. ↩︎

  12. Bayerische Akademie der Wissenschaften, Über Max Weber, Max Weber-Gesamtausgabe: das Haus in der Ziegelhäuser Landstraße 17 und der Brief an Mina Tobler vom 15. Juni 1918, gedruckt in MWG II/10, S. 195. ↩︎ ↩︎

  13. Max Weber-Gesamtausgabe digital, Editorischer Bericht zu Teil I von Die protestantische Ethik, Bayerische Akademie der Wissenschaften: Archiv Bd. 20, Heft 1, S. 1–54, ausgegeben im November 1904. ↩︎ ↩︎ ↩︎

  14. Max Weber-Gesamtausgabe digital, Editorischer Bericht zu Teil II von Die protestantische Ethik: Archiv Bd. 21, Heft 1, S. 1–110, erste Exemplare Ende Juni 1905. ↩︎

  15. Gerd Krumeich und M. Rainer Lepsius (Hg.), Max Weber. Briefe 1918–1920, Max Weber-Gesamtausgabe II/10, Tübingen: Mohr Siebeck, 2012: Vorwort, Einleitung und chronologisches Verzeichnis der Briefe, in der Leseprobe des Verlags. ↩︎ ↩︎

  16. Hans Jaeger, „Jaffé, Edgar“, Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 290–291. ↩︎

  17. Bayerische Akademie der Wissenschaften, Biographische Sammlung, Max Weber-Gesamtausgabe, zur Schenkung aus dem Nachlass von Mina Tobler. ↩︎

  18. W. I. Lenin, Political Report of the Central Committee of the R.C.P.(B.), 27 March 1922, Eleventh Congress of the R.C.P.(B.), Collected Works, Bd. 33. ↩︎ ↩︎

  19. W. I. Lenin, Speech at the Fourth Session of the All-Russia Central Executive Committee, Ninth Convocation, 31 October 1922, Collected Works, Bd. 33, S. 390–395. ↩︎

  20. Leo Trotzki, The Revolution Betrayed, 1936, übersetzt von Max Eastman, Kap. 9. ↩︎

  21. Milovan Djilas, The New Class: An Analysis of the Communist System, New York: Praeger, 1957, S. 38. ↩︎

  22. Max Weber-Gesamtausgabe digital, Editorischer Bericht zu Wirtschaft und Gesellschaft, Bayerische Akademie der Wissenschaften. ↩︎ ↩︎

  23. Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, Teil 1, Kap. II, hg. von Johannes Winckelmann, Tübingen, 5. Aufl. 1980. Geldtheorie S. 40; Naturalrechnung, § 12, S. 53–58. Der Aufsatztitel, der in dieser Ausgabe auf Mises’ Namen folgt, ist der Zusatz eines späteren Herausgebers. ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  24. Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik, Bd. 47, Tübingen: J. C. B. Mohr, 1920/21: Titelblatt und Ludwig Mises, „Die Wirtschaftsrechnung im sozialistischen Gemeinwesen“, S. 86–121. ↩︎

  25. F. A. von Hayek (Hg.), Collectivist Economic Planning, London: Routledge, 1935, S. 32–35. ↩︎ ↩︎ ↩︎

  26. Max Weber, „Die »Objektivität« sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Erkenntnis“, 1904; Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre, hg. von Johannes Winckelmann, Tübingen, 6. Aufl. 1985, S. 208. ↩︎

  27. Max Weber, „Die Grenznutzlehre und das »psychophysische Grundgesetz«“, 1908; Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre, S. 396, Anm. 4. Eine Besprechung von Lujo Brentano, Die Entwicklung der Wertlehre. ↩︎

  28. Max Weber, The Protestant Ethic and the Spirit of Capitalism, übersetzt von Talcott Parsons, mit einem Vorwort von R. H. Tawney, London: George Allen & Unwin, 1930. Anfang S. 35; Kapitalismus andernorts S. 52; die Klarstellung S. 91 und die Anmerkung dazu; die Schultabelle S. 189; die Schlussseiten S. 181–183. Die deutschen Zitate folgen dem Text von 1920 in den Gesammelten Aufsätzen zur Religionssoziologie, Bd. 1: S. 17–19, 34, 83 mit Anmerkung, 203 und 205–206. ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  29. Max Weber, „Die protestantische Ethik und der »Geist« des Kapitalismus“, Teil I, Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik 20 (1904), S. 1–54; die Schultabelle S. 4, Anm. 1, die Klarstellung S. 54. ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  30. Max Weber, „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“, in Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. 1, Tübingen: J. C. B. Mohr, 1920, S. 17–206. Erster Absatz und Anmerkungen S. 17–21; Florenz S. 60; die Klarstellung S. 83; die Schlussseiten S. 203–206. ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  31. Max Weber, Erwiderung auf H. Karl Fischer, Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik 25 (1907), S. 243–249, hier S. 245. ↩︎

  32. Tonja R. Conerly, Kathleen Holmes und Asha Lal Tamang, Introduction to Sociology 3e, Houston: OpenStax, 2021, Abschnitt 15.1. ↩︎

  33. Kurt Samuelsson, Religion and Economic Action: A Critique of Max Weber, übersetzt von E. Geoffrey French, New York: Harper Torchbooks, 1964 (englische Übersetzung 1961, schwedisches Original 1957), S. 137–144; die Schülerzahlen für 1895/96 S. 139. ↩︎ ↩︎ ↩︎

  34. Richard F. Hamilton, The Social Misconstruction of Reality: Validity and Verification in the Scholarly Community, New Haven: Yale University Press, 1996, Kap. 3. ↩︎

  35. Christopher Adair-Toteff, Max Weber’s Sociology of Religion, Tübingen: Mohr Siebeck, 2016, zu Offenbacher. ↩︎

  36. Laurence R. Iannaccone, „Introduction to the Economics of Religion“, Journal of Economic Literature 36 (September 1998), S. 1465–1496, hier S. 1474. ↩︎

  37. Sascha O. Becker und Ludger Woessmann, „Was Weber Wrong? A Human Capital Theory of Protestant Economic History“, Quarterly Journal of Economics 124(2), 2009, S. 531–596. Tabelle II, Spalten 2 bis 4; Tabelle III für die Schätzung über die Entfernung von Wittenberg; Tabelle V; Anm. 19 zu den drei Provinzen; das Fazit. ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  38. ifo Institut, iPEHD, the ifo Prussian Economic History Database, Replikationsdatensatz zu Becker und Woessmann (2009), abgerufen am 11. Oktober 2026. ↩︎

  39. Felix Kersting, Iris Wohnsiedler und Nikolaus Wolf, „Weber Revisited: The Protestant Ethic and the Spirit of Nationalism“, Journal of Economic History 80(3), 2020, S. 710–745. ↩︎ ↩︎

  40. Jeremy Edwards, „Did Protestantism promote prosperity via higher human capital? Replicating the Becker–Woessmann (2009) results“, Journal of Applied Econometrics 36(6), 2021, S. 853–858. Das Argument zu Wittenberg steht in der Zusammenfassung. ↩︎

  41. Davide Cantoni, „The Economic Effects of the Protestant Reformation: Testing the Weber Hypothesis in the German Lands“, Journal of the European Economic Association 13(4), 2015, S. 561–598. ↩︎ ↩︎

  42. Christoph Basten und Frank Betz, „Beyond Work Ethic: Religion, Individual, and Political Preferences“, American Economic Journal: Economic Policy 5(3), 2013, S. 67–91. Der Einkommensunterschied ist auf dem 10-Prozent-Niveau signifikant. ↩︎

  43. Jörg L. Spenkuch, „Religion and work: Micro evidence from contemporary Germany“, Journal of Economic Behavior & Organization 135, 2017, S. 193–214. Zusammenfassung. Nach dem Arbeitspapier von 2011 bringen die längeren Arbeitszeiten 12 Prozent höhere Verdienste. ↩︎

  44. André van Hoorn und Robbert Maseland, „Does a Protestant work ethic exist? Evidence from the well-being effect of unemployment“, Journal of Economic Behavior & Organization 91, 2013, S. 1–12. ↩︎

  45. Luca Nunziata und Lorenzo Rocco, „A tale of minorities: evidence on religious ethics and entrepreneurship“, Journal of Economic Growth 21(2), 2016, S. 189–224. Zusammenfassung. ↩︎

  46. Benito Arruñada, „Protestants and Catholics: Similar Work Ethic, Different Social Ethic“, Economic Journal 120(547), 2010, S. 890–918. ↩︎

  47. Thomas Barnebeck Andersen, Jeanet Bentzen, Carl-Johan Dalgaard und Paul Sharp, „Pre-Reformation Roots of the Protestant Ethic“, Economic Journal 127(604), 2017, S. 1756–1793. ↩︎

  48. Sascha O. Becker, Jared Rubin und Ludger Woessmann, „Religion and Growth“, Journal of Economic Literature 62(3), 2024, S. 1094–1142. ↩︎

  49. Max Weber, Rede in der Debatte über die wirtschaftlichen Unternehmungen der Gemeinden, Verein für Socialpolitik, Wien, 1909; Gesammelte Aufsätze zur Soziologie und Sozialpolitik, S. 412–416. ↩︎

  50. H. H. Gerth und C. Wright Mills (Hg. und Übers.), From Max Weber: Essays in Sociology, New York: Oxford University Press, 1946. Harte Bretter S. 128; Bürokratie S. 214 und 228. Die deutschen Zitate folgen Wirtschaft und Gesellschaft, Teil 2, Kap. IX, 2. Abschnitt, 5. Aufl. 1980, S. 561–562 und 569, und „Politik als Beruf“, Gesammelte politische Schriften, 5. Aufl. 1988, S. 560. ↩︎ ↩︎ ↩︎

  51. Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, Teil 1, Kap. III, § 5, S. 128–129. ↩︎

  52. Max Weber, Parlament und Regierung im neugeordneten Deutschland, 1918; Gesammelte politische Schriften, hg. von Johannes Winckelmann, Tübingen, 5. Aufl. 1988, S. 331–333. ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  53. Max Weber, The Protestant Ethic and the ‘Spirit’ of Capitalism and Other Writings, herausgegeben und übersetzt von Peter Baehr und Gordon C. Wells, New York: Penguin, 2002; die Übersetzung der Schlussseiten. ↩︎

  54. Peter Evans und James E. Rauch, „Bureaucracy and Growth: A Cross-National Analysis of the Effects of ‚Weberian‘ State Structures on Economic Growth“, American Sociological Review 64(5), 1999, S. 748–765, Tabelle 1 und Anm. 20; die Datei der Autoren, abgerufen am 11. Oktober 2026. ↩︎ ↩︎

  55. Agnes Cornell, Carl Henrik Knutsen und Jan Teorell, „Bureaucracy and Growth“, Comparative Political Studies 53(14), 2020, S. 2246–2282. ↩︎ ↩︎

  56. Carl Dahlström, Victor Lapuente und Jan Teorell, „The Merit of Meritocratization: Politics, Bureaucracy, and the Institutional Deterrents of Corruption“, Political Research Quarterly 65(3), 2012, S. 656–668. ↩︎ ↩︎ ↩︎

  57. Abhay Aneja und Guo Xu, „Strengthening State Capacity: Civil Service Reform and Public Sector Performance during the Gilded Age“, American Economic Review 114(8), 2024, S. 2352–2387; Zahlen nach dem Manuskript der Autoren vom März 2024. ↩︎ ↩︎

  58. Diana Moreira und Santiago Pérez, „Civil Service Exams and Organizational Performance: Evidence from the Pendleton Act“, American Economic Journal: Applied Economics 16(3), 2024, S. 250–291. Zusammenfassung. ↩︎

  59. C. Northcote Parkinson, „Parkinson’s Law“, The Economist, 19. November 1955; die Tabelle zur Admiralität vom Bild der Originalseite abgelesen. ↩︎

  60. OECD, Government at a Glance 2025, Kapitel über die Beschäftigung beim Staat, Abbildung 13.1; Daten für 2023. ↩︎

  61. Die Verfassung des Deutschen Reichs vom 11. August 1919, Artikel 34, 41 und 48; documentArchiv.de, archivierte Fassung vom 8. Oktober 2026. ↩︎ ↩︎

  62. Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Artikel 44. ↩︎ ↩︎

  63. Bundesverfassungsgericht, Urteil vom 17. Juli 1984, BVerfGE 67, 100, zum Flick-Untersuchungsausschuss, Rn. 100–102. ↩︎

  64. Deutscher Bundestag, Datenhandbuch, Kapitel 8.9, Untersuchungsausschüsse, Stand April 2025: 22 Ausschüsse in der 12. bis 20. Wahlperiode, dazu die 27 der 1. bis 11. Wahlperiode nach dem Datenhandbuch 1949–1999. ↩︎ ↩︎

  65. Max Weber, Der Nationalstaat und die Volkswirtschaftspolitik, Antrittsvorlesung, Freiburg, 1895; Gesammelte politische Schriften, S. 1–25, hier S. 8, 10 und 14. ↩︎ ↩︎

  66. Max Weber-Gesamtausgabe digital, Editorischer Bericht zur Freiburger Antrittsvorlesung. ↩︎

  67. Wolfgang J. Mommsen, Max Weber und die deutsche Politik 1890–1920, 2. Aufl., Tübingen: J. C. B. Mohr, 1974, die den Satz der ersten Auflage von 1959 zitiert und ändert. ↩︎ ↩︎ ↩︎

  68. Wolfgang J. Mommsen, The Political and Social Theory of Max Weber: Collected Essays, Chicago: University of Chicago Press, 1989, S. 5 und 83. ↩︎ ↩︎

  69. Max Weber-Gesamtausgabe digital, Editorischer Bericht zu Wissenschaft als Beruf: die Lauensteiner Tagungen vom 29. bis 31. Mai und vom 29. September bis 3. Oktober 1917; auf der ersten sprach Weber am 30. Mai. ↩︎

  70. Max Weber-Gesamtausgabe digital, Editorischer Bericht zu Politik als Beruf: Vortrag vom 28. Januar 1919. ↩︎

  71. Max Weber, „Der Reichspräsident“, Berliner Börsenzeitung, 25. Februar 1919; Gesammelte politische Schriften, S. 498–501. ↩︎ ↩︎ ↩︎

  72. Hans Schneider, „Das Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933“, Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 1(3), 1953, S. 198–199. ↩︎

  73. Wolfgang J. Mommsen, Max Weber and German Politics 1890–1920, übersetzt von Michael S. Steinberg, Chicago: University of Chicago Press, 1984. ↩︎

  74. Sung Ho Kim, „Max Weber“, Stanford Encyclopedia of Philosophy, überarbeitet am 21. September 2022. ↩︎

  75. Max Weber-Gesamtausgabe digital, Editorischer Bericht zur Einleitung in Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen: Der erste Band der Gesammelten Aufsätze zur Religionssoziologie erschien am 10. Oktober 1920. ↩︎

  76. Bayerische Akademie der Wissenschaften, Max Weber-Gesamtausgabe, abgerufen am 11. Oktober 2026. ↩︎

  77. International Sociological Association, Books of the XX Century, Mitgliederbefragung von 1997; Stimmenzahlen nach der früheren Aufstellung der Vereinigung. ↩︎