Von der Steinzeit zu den Sternen

Köpfe

Nichts den Gütern Anhaftendes

Carl Menger kam über die Zeitungen zur Nationalökonomie, unterrichtete einen Kronprinzen, hat den berühmtesten Methodenstreit in der Geschichte des Fachs ausgefochten und hinterließ ein Werk, das man in vierzehn Tagen lesen könnte. Darin stehen der Gedanke, dass der Wert ein Urteil der Menschen ist und keine Eigenschaft der Dinge, und eine Erklärung für die Entstehung des Geldes, die die Ökonomie ein Jahrhundert später neu entdecken musste.

Vom achten bis zum siebzehnten März 1892 tagte in Wien eine Kommission. Sie sollte entscheiden, woraus das Geld Österreich-Ungarns künftig bestehen würde. Ihr namhaftestes Mitglied war ein zweiundfünfzigjähriger Professor der Nationalökonomie. Er hatte das Jahrzehnt davor in einem akademischen Krieg verbracht und das Jahr davor mit der Vorbereitung auf diese Frage. Seine Aussage, schrieb Friedrich Hayek 1934, habe größte Aufmerksamkeit erregt und ihm sogar die für einen Ökonomen vielleicht einzigartige Auszeichnung eingetragen, einen vorübergehenden Kurseinbruch an der Börse auszulösen1. Am 2. August führte die Monarchie per Gesetz die Goldkrone ein; die neue Währung trat neun Tage später in Kraft und blieb bis Ende 1924 gültig2.

Carl Menger in späteren mittleren Jahren, bärtig, in dunkler Jacke mit hohem Kragen, im Dreiviertelprofil vor einem schlichten Atelierhintergrund fotografiert
Menger um 1902, dem Jahr, in dem sein Sohn geboren wurde, und ein Jahr, bevor er seinen Lehrstuhl aufgab. Foto: Josef Löwy, 1902, via Wikimedia Commons. Gemeinfrei.

Der Mann, der mit seinen Ausführungen zum Bimetallismus die Wiener Börse bewegte, hatte einundzwanzig Jahre zuvor ein Buch veröffentlicht, das außerhalb des deutschen Sprachraums kaum jemand lesen konnte und das neunundsiebzig Jahre auf eine englische Ausgabe warten sollte. Es ist ein schmales Buch ohne Gleichungen; in der ganzen englischen Standardübersetzung kommt kein einziges Gleichheitszeichen vor. Doch wer heute im ersten Semester hört, der Wert eines Dinges liege nicht im Ding selbst, lernt Carl Menger. Der Grund dafür ist dieses Buch.

Drei Zahlen

0
Gleichheitszeichen auf den 330 Seiten der englischen Standardausgabe
er verzichtete aus Prinzip auf Mathematik, nicht aus Unvermögen
79 Jahre
vom Erscheinen der Grundsätze bis zur ersten englischen Ausgabe
1871 in Wien, 1950 in Glencoe, Illinois
19.100
Bände seiner Bibliothek, 1922 von Tokio gekauft
sie stehen noch heute dort, an der Hitotsubashi-Universität

Ein Advokatensohn aus Galizien

Geboren wurde er am 23. Februar 1840 in Neu-Sandez (Nowy Sącz) in Galizien, dem armen polnischen Nordosten des Habsburgerreichs3. Das am häufigsten gedruckte Datum ist falsch: Hayeks biografischer Aufsatz von 1934 nennt den 28. Februar, und seither wird der Fehler weitergegeben. Mengers eigener Sohn, der sich auf Familienpapiere stützte, lässt ihn am 23. Februar 1840 gegen Mittag in Nowy Sącz zur Welt kommen4. Wieser hält in einem würdigenden Nachruf von 1923 fest, dass Menger am 26. Februar 1921 starb, drei Tage nachdem er 81 geworden war5.

Die Familie war gut situiert und juristisch geprägt. Der Vater, auch er ein Anton, war Doktor der Rechte und Advokat; die Mutter Caroline war die Tochter eines böhmischen Kaufmanns, der während der napoleonischen Kontinentalsperre mit Spekulationen in Kolonialwaren zu Geld gekommen war1. Von zehn Kindern wurden sechs erwachsen, drei Söhne und drei Töchter4. Der Vater starb 1848, als Carl acht war6.

Seine beiden Brüder machten sich einen Namen, jeder in einer anderen Richtung. Max war Advokat in Wien und saß von 1874 bis 1907 im Reichsrat. Anton wurde Professor für Zivilprozessrecht in Wien, 1895–96 Rektor der Universität und Verfasser von Das Recht auf den vollen Arbeitsertrag, einem Buch des nichtmarxistischen Sozialismus6. Carls Sohn Karl fasste die politische Haltung der Familie knapp zusammen: Carl und Max seien Liberale gewesen, Anton ein nichtmarxistischer Sozialist4.

Die Familie besaß einen niederen, untitulierten Adel, „von Wolfensgrün“, legte ihn aber ab. Carls Vater und Onkel kamen als überzeugte Demokraten überein, auf ihren erblichen untitulierten Adel zu verzichten und den Zusatz von Wolfensgrün aus dem Familiennamen zu streichen; Carl selbst war es peinlich, wann immer sein Adel erwähnt wurde4. Viel später, als Franz Joseph ihm den Orden der Eisernen Krone dritter Klasse verlieh, schrieb er, er habe ihn mit einem Lächeln getragen, denn niemand, der gesehen habe, was für Leute Orden erster Klasse tragen, könne sich durch einen Orden dritter Klasse geehrt fühlen4. Den Ritterstand, der damit verbunden war, führte er nie.

Er studierte von 1859 bis 1860 in Wien und von 1860 bis 1863 in Prag Rechtswissenschaft und wurde am 19. März 1867 in Krakau zum Doktor der Rechte promoviert34.

Die Zeitungen

Wie Menger zu seinem Thema fand, gab als erster Wieser wieder.

Menger habe ihm einmal erzählt, wie er zu diesem festen Fundament gekommen sei. Als junger Mitarbeiter der Wiener Zeitung habe er Übersichten über die Lage der Warenmärkte schreiben müssen. Bei der Arbeit an diesen Berichten sei ihm klar geworden, dass die Tatsachen, denen die kundigsten Fachleute den größten Einfluss auf die Preisbildung zuschrieben, mit den Kostentheorien, die die klassischen Ökonomen lehrten, wenig gemein hätten5.

Die Geschichte vom jungen Journalisten, der bemerkt, dass Händler und Lehrbücher einander widersprechen, ist wunderbar, und man sollte ihr wohl nicht glauben. Hayek, der sie weitererzählte, schränkte sofort ein: Man wisse nicht, ob dies wirklich der ursprüngliche Anlass gewesen sei, der Menger zum Studium der Preisbildung führte, oder ob es, was wahrscheinlicher scheine, nur Studien eine bestimmte Richtung gegeben habe, die er seit dem Abschied von der Universität betrieb1. 1968 verwies Hayek stattdessen auf Mengers dicht annotiertes Exemplar von Raus Lehrbuch. Die heutige Forschung sagt es unverblümter. Reinhard Schumacher und Scott Scheall haben Karl Mengers unvollendete Biografie seines Vaters ausgewertet. Nach neuerer Forschung, berichten sie, sei die Geschichte eine Übertreibung, wenn nicht eine Erfindung; Ikeda, der die Entstehung des Buches nachzeichnete, habe die Erzählung von den Marktberichten einen Mythos genannt4.

Kein Mythos ist, dass Menger ein Journalist von einigem Gewicht war; seine Laufbahn in der Presse reichte viel weiter, als die Anekdote vermuten lässt. Als Student schrieb er in Prag für die Zeitung Tagesbote aus Böhmen. Von 1863 an war er Hilfsredakteur der amtlichen Lemberger Zeitung in Lemberg, bis das Blatt im Jahr darauf in Konkurs ging. Er schrieb für die Blätter Der Botschafter und Die Presse. Im November 1865 beantragte er die Erlaubnis, eine eigene Zeitung zu gründen, wurde vom Ministerpräsidenten empfangen und rief das Wiener Tagblatt ins Leben, gedacht als wahrhaft demokratisches Blatt für die breite Masse; später übernahm es die Regierung. Danach leitete er den Wirtschaftsteil der Wiener Zeitung, des amtlichen Blattes, und verließ im September 1866 krank und erschöpft beide Zeitungen. Im Alter erzählte er seinem Sohn lächelnd und ohne erkennbares Bedauern, er hätte leicht Millionär werden können, wäre er geblieben4.

Spätestens 1871 war er wieder bei der amtlichen Zeitung. Aus Protest gegen die Fundamentalartikel, den gescheiterten Ausgleich mit den tschechischen Föderalisten, gab er die Stelle auf, kehrte nach dem Sturz der Regierung zurück und wechselte in die Presseabteilung des Ministerpräsidenten4. Den größeren Teil eines Jahrzehnts war er also politischer Zeitungsmann. Das Buch entstand in dieser Welt, ob es nun aus einem Marktbericht hervorging oder nicht.

Das Buch

Die Grundsätze der Volkswirthschaftslehre erschienen Anfang 1871 in Wien bei Wilhelm Braumüller, dem k. k. Hof- und Universitätsbuchhändler. Auf dem Titelblatt steht Erster, allgemeiner Theil, doch ein zweiter Teil folgte nie7. Die Widmungsseite eignet das Buch in verzierter Schrift „in achtungsvoller Verehrung“ Wilhelm Roscher zu, dem königlich sächsischen Hofrat und Professor in Leipzig7. Roscher war ein führender Kopf der deutschen Historischen Schule und der Autor, den Menger im Buch am häufigsten zitiert8. Zwölf Jahre später sollte Menger einen Frontalangriff auf die gesamte Methode dieser Schule veröffentlichen.

Mengers Vorrede verschweigt nicht, wie viel er anderen verdankt. Das von ihm bearbeitete Gebiet, schreibt er, sei „zum nicht geringen Theile so recht eigentlich das Besitzthum der neueren Entwickelungen der deutschen National-Oekonomie“; seine Reform der höchsten Prinzipien des Fachs beruhe also auf Vorarbeiten, „welche fast ausnahmslos deutscher Forscherfleiss geschaffen hat“9. Die heutige Forschung hat ihn beim Wort genommen. Erich Streissler hat die deutschen Lehrbücher untersucht, die Menger las, und kommt zu dem Schluss, zentrale Gedanken der Grundsätze seien darin vorgezeichnet und Menger habe reichlich entlehnt; er sei kein Außenseiter gewesen, sondern habe sich als Vollender der überlieferten deutschen Lehre verstanden8. Streissler zog aber auch eine Grenze: Mengers Gesamtansatz habe, so sein Urteil, in der deutschen Nationalökonomie keine erkennbaren Vorläufer8.

Das Buch setzt noch einmal ganz von vorn an. Es beginnt so: „Alle Dinge stehen unter dem Gesetze von Ursache und Wirkung. Dieses grosse Princip hat keine Ausnahme und vergebens würden wir im Bereiche der Empirie nach einem Beispiele von seinem Gegentheile suchen“9. Von da aus fragt Menger, was ein Ding überhaupt zu einem Gut macht. Seine Antwort sind vier Bedingungen, die alle zugleich erfüllt sein müssen: ein menschliches Bedürfnis; Eigenschaften, die das Ding tauglich machen, es zu befriedigen; die Erkenntnis dieses Zusammenhangs durch den Menschen; und die Verfügung über das Ding, so dass es tatsächlich zur Befriedigung des Bedürfnisses herangezogen werden kann9.

Die dritte Bedingung ist die interessante. Eine Mineralquelle, deren Wasser eine Krankheit heilt, ist kein Gut, solange niemand das weiß. In einer Fußnote hält Menger fest, „dass die Güterqualität nichts den Gütern Anhaftendes, das ist keine Eigenschaft derselben ist, sondern sich uns lediglich als eine Beziehung darstellt, in welcher sich gewisse Dinge zu den Menschen befinden, eine Beziehung, mit deren Verschwinden dieselben selbstverständlich auch aufhören, Güter zu sein“9.

Dann ordnet er die Güter nach ihrem Abstand von dem Bedürfnis, dem sie dienen. Brot ist ein Gut erster Ordnung, Mehl eines zweiter, die Mühle eines dritter Ordnung. Die Abhängigkeit läuft nur in eine Richtung: „Der Werth, welchen die Güter niederer Ordnung für uns haben, kann demnach nicht durch den Werth der Güter höherer Ordnung bedingt sein, welche bei der Production derselben verwendet wurden, vielmehr ist es klar, dass umgekehrt der Werth der Güter höherer Ordnung stets und ausnahmslos durch den voraussichtlichen Werth jener Güter niederer Ordnung bedingt ist, zu deren Hervorbringung sie dienen“9. Will niemand Tabak, sind die Tabakfelder nichts wert, und daran ändert auch noch so viel Arbeit nichts, die man in sie steckt. Mit den Kostentheorien des Werts geht er streng ins Gericht: „Unter den grundlegenden Irrthümern, welche von der weittragendsten Bedeutung für die bisherige Entwicklung unserer Wissenschaft waren“, schreibt er, stehe „in erster Reihe der Grundsatz: dass die Güter desshalb für uns Werth erlangen, weil zur Hervorbringung derselben Güter verwandt wurden, welche Werth für uns hatten“9.

Und damit zum Wert selbst, in dem Satz, dem Menger seinen Nachruhm verdankt: „Der Werth ist demnach nichts den Gütern Anhaftendes, keine Eigenschaft derselben, eben so wenig aber auch ein selbstständiges, für sich bestehendes Ding. Derselbe ist ein Urtheil, welches die wirthschaftenden Menschen über die Bedeutung der in ihrer Verfügung befindlichen Güter für die Aufrechthaltung ihres Lebens und ihrer Wohlfahrt fällen, und demnach ausserhalb des Bewusstseins derselben nicht vorhanden“9.

Die Tabelle

Um zu zeigen, wie solche Urteile zustande kommen, zeichnete Menger ein Raster, den einzigen Apparat im ganzen Buch. Er beziffert die Bedeutung der Bedürfnisbefriedigungen: Die, von denen das Leben abhängt, erhalten 10, die übrigen 9, 8, 7 und so fort bis hinunter zu 1. Dann hält er fest, dass jede dieser Befriedigungen an Bedeutung verliert, je öfter sie sich wiederholt; deshalb fällt auch jede Spalte nach unten bis auf null ab. So entstehen zehn Spalten absteigender ganzer Zahlen mit fünfundsechzig Zellen und römischen Ziffern in der Kopfzeile7.

Nur zwei der zehn Spalten benennt Menger: Spalte I ist die Nahrung, Spalte V der Tabak. Der Sinn des Rasters liegt darin, was ein Mensch damit anfängt: „Wofern aber das Nahrungsbedürfniss bereits bis zu einem gewissen Grade der Vollständigkeit befriedigt ist, so zwar, dass zum Beispiel die weitere Befriedigung desselben für jenes Individuum lediglich jene Bedeutung hat, welche wir durch die Zahl 6 ziffermässig bezeichnet haben, so beginnt der Tabakgenuss bereits dieselbe Bedeutung für dies Individuum zu gewinnen, wie die fernere Befriedigung des Nahrungsbedürfnisses“9. Man isst, bis der nächste Bissen sechs wert ist, und bei sechs zündet man stattdessen eine Pfeife an.

Das ist das Marginalprinzip, als Treppe gezeichnet, und weit und breit keine Ableitung.

Der einzige Apparat im ganzen Buch

Mengers Werttabelle, Grundsätze der Volkswirthschaftslehre (1871), S. 93. Zehn Arten von Bedürfnissen; die Bedeutung jeder weiteren verbrauchten Einheit.

I II III IV V VI VII VIII IX X Nahrung Tabak Spalte I, Einheit 1: Bedeutung 10 10 Spalte I, Einheit 2: Bedeutung 9 9 Spalte I, Einheit 3: Bedeutung 8 8 Spalte I, Einheit 4: Bedeutung 7 7 Spalte I, Einheit 5: Bedeutung 6 6 Spalte I, Einheit 6: Bedeutung 5 5 Spalte I, Einheit 7: Bedeutung 4 4 Spalte I, Einheit 8: Bedeutung 3 3 Spalte I, Einheit 9: Bedeutung 2 2 Spalte I, Einheit 10: Bedeutung 1 1 Spalte I, Einheit 11: Bedeutung 0 0 Spalte II, Einheit 1: Bedeutung 9 9 Spalte II, Einheit 2: Bedeutung 8 8 Spalte II, Einheit 3: Bedeutung 7 7 Spalte II, Einheit 4: Bedeutung 6 6 Spalte II, Einheit 5: Bedeutung 5 5 Spalte II, Einheit 6: Bedeutung 4 4 Spalte II, Einheit 7: Bedeutung 3 3 Spalte II, Einheit 8: Bedeutung 2 2 Spalte II, Einheit 9: Bedeutung 1 1 Spalte II, Einheit 10: Bedeutung 0 0 Spalte III, Einheit 1: Bedeutung 8 8 Spalte III, Einheit 2: Bedeutung 7 7 Spalte III, Einheit 3: Bedeutung 6 6 Spalte III, Einheit 4: Bedeutung 5 5 Spalte III, Einheit 5: Bedeutung 4 4 Spalte III, Einheit 6: Bedeutung 3 3 Spalte III, Einheit 7: Bedeutung 2 2 Spalte III, Einheit 8: Bedeutung 1 1 Spalte III, Einheit 9: Bedeutung 0 0 Spalte IV, Einheit 1: Bedeutung 7 7 Spalte IV, Einheit 2: Bedeutung 6 6 Spalte IV, Einheit 3: Bedeutung 5 5 Spalte IV, Einheit 4: Bedeutung 4 4 Spalte IV, Einheit 5: Bedeutung 3 3 Spalte IV, Einheit 6: Bedeutung 2 2 Spalte IV, Einheit 7: Bedeutung 1 1 Spalte IV, Einheit 8: Bedeutung 0 0 Spalte V, Einheit 1: Bedeutung 6 6 Spalte V, Einheit 2: Bedeutung 5 5 Spalte V, Einheit 3: Bedeutung 4 4 Spalte V, Einheit 4: Bedeutung 3 3 Spalte V, Einheit 5: Bedeutung 2 2 Spalte V, Einheit 6: Bedeutung 1 1 Spalte V, Einheit 7: Bedeutung 0 0 Spalte VI, Einheit 1: Bedeutung 5 5 Spalte VI, Einheit 2: Bedeutung 4 4 Spalte VI, Einheit 3: Bedeutung 3 3 Spalte VI, Einheit 4: Bedeutung 2 2 Spalte VI, Einheit 5: Bedeutung 1 1 Spalte VI, Einheit 6: Bedeutung 0 0 Spalte VII, Einheit 1: Bedeutung 4 4 Spalte VII, Einheit 2: Bedeutung 3 3 Spalte VII, Einheit 3: Bedeutung 2 2 Spalte VII, Einheit 4: Bedeutung 1 1 Spalte VII, Einheit 5: Bedeutung 0 0 Spalte VIII, Einheit 1: Bedeutung 3 3 Spalte VIII, Einheit 2: Bedeutung 2 2 Spalte VIII, Einheit 3: Bedeutung 1 1 Spalte VIII, Einheit 4: Bedeutung 0 0 Spalte IX, Einheit 1: Bedeutung 2 2 Spalte IX, Einheit 2: Bedeutung 1 1 Spalte IX, Einheit 3: Bedeutung 0 0 Spalte X, Einheit 1: Bedeutung 1 1 Spalte X, Einheit 2: Bedeutung 0 0 Er hört auf, wo die nächste Einheit Nahrung so viel wert ist wie die erste Pfeife Tabak. Bedürfnisse VI bis X, deren beste Einheit weniger wert ist, erreicht er nie. Jede Spalte ist eine Art von Bedürfnis, jede Stufe abwärts eine weitere befriedigte Einheit davon.
Die Tabelle, wie Menger sie druckte
SpalteIIIIIIIVVVIVIIVIIIIXX
Einheit 110987654321
Einheit 29876543210
Einheit 3876543210
Einheit 476543210
Einheit 56543210
Einheit 6543210
Einheit 743210
Einheit 83210
Einheit 9210
Einheit 1010
Einheit 110
Carl Menger, Grundsätze der Volkswirthschaftslehre, Wien: Wilhelm Braumüller, 1871, S. 93, nach der Erstausgabe. Menger benennt nur Spalte I (Nahrung) und Spalte V (Tabak); das durchgerechnete Beispiel, bei 6 aufzuhören, stammt von ihm selbst. In der englischen Übersetzung von 1950, im Nachdruck des Mises Institute, fehlt der Tabelle die Spalte X.

Die Tabelle zeigt auch, was Menger nicht tat. Hier wird nichts maximiert, es gibt kein Gleichgewicht und keine Differentialrechnung. Die Zahlen sind Rangstufen; Menger selbst spricht von den „lediglich um der Erleichterung der Demonstration eines eben so schwierigen, als bisher unbearbeiteten Gebietes der Psychologie gewählten Ziffern“9. William Jaffé, der ihn mit den beiden Männern verglich, die dieselbe Einsicht zur selben Zeit veröffentlichten, brachte den Unterschied einprägsam auf den Punkt: Mengers Mensch sei, anders als der blitzschnelle Rechner der mathematischen Ökonomen, ein tapsiges, irrendes, schlecht unterrichtetes Wesen, von Unsicherheit geplagt, ewig schwankend zwischen verlockenden Hoffnungen und quälenden Ängsten und von Natur aus unfähig, im Streben nach Befriedigung fein abgestimmte Entscheidungen zu treffen. Deshalb, schrieb Jaffé, würden Mengers Skalen der abnehmenden Bedeutung von Befriedigungen durch diskrete ganze Zahlen dargestellt. In Mengers Denken hätten positive erste und negative zweite Ableitungen des Nutzens nach der Menge keinen Platz gehabt; nichts sei differenzierbar10.

Das war Absicht. Menger habe die Mathematik in seiner Ökonomie gemieden, schreibt Jaffé, nicht weil er es nicht besser gewusst habe, sondern aus Prinzip10. Hayek, der nach Mengers Haltung zur mathematischen Ökonomie suchte und fast nichts fand, vermerkte dieses Schweigen mit einiger Verwunderung: Es gebe keinen Grund zu der Annahme, dass ihm das technische Rüstzeug oder die Neigung gefehlt habe1.

Der Lehrstuhl

Das Buch sollte ihm eine Stelle an der Universität verschaffen, und fast wäre das misslungen. Im Februar 1871 beantragte er die Habilitation, noch bevor das Buch beim Verleger war. Lorenz von Stein behinderte ihn, und seine erste Probevorlesung wurde abgelehnt. Eine zweite im Mai 1872 hatte Erfolg; im Monat darauf erteilte ihm die Fakultät die Lehrbefugnis. Mitten in diese Zeit fiel der Tod seiner Mutter4.

Ob das Buch kühl aufgenommen wurde, ist umstritten. Hayek war dieser Ansicht: Keiner der Rezensenten in den deutschen Zeitschriften scheine erkannt zu haben, worin sein wesentlicher Beitrag bestand1. Eine neuere bibliografische Untersuchung widerspricht rundheraus. Sie zählt zwischen 1871 und 1874 dreizehn Besprechungen und Anzeigen und kommt zu dem Schluss, das Buch sei bei seinem Erscheinen weder übergangen noch missachtet worden, wie manche Darstellungen nahelegen11. Einer dieser Rezensenten war Gustav Schmoller. Er nannte das Buch 1873 „scharfsinnige Untersuchungen über einige der nationalökonomischen Grundbegriffe“ und bemängelte: „Zu einem Lehrbuch, das auf der Höhe der Zeit stünde, ist die ganze Richtung der Untersuchung schon zu einseitig.“ Dazu schrieb er einen Satz, der sich ein Jahrzehnt später ganz anders liest: „Im abstracten eingehenden Ueberdenken einfacher Vorgänge beruht seine Stärke, mathematische Formen und Formeln liebt er“12.

Im Herbst 1873 wurde Menger außerordentlicher Professor, im Februar 1879 ordentlicher Professor der politischen Ökonomie in Wien; Rufe nach Karlsruhe, Basel und an das Polytechnikum Zürich hatte er abgelehnt31. Ein amerikanischer Besucher, Henry Seager, saß 1892 in seinen Vorlesungen und beschrieb einen Mann auf der Höhe seiner Kräfte: Beim Vortrag schaue er kaum je in seine Notizen, außer um ein Zitat oder ein Datum zu prüfen. Er schrieb auch, es heiße, wer Professor Mengers Vorlesungen regelmäßig besuche, brauche keine weitere Vorbereitung auf die Abschlussprüfung in politischer Ökonomie, und das glaube er gern13.

Der Kronprinz

1876 wurde Menger einer der Lehrer des damals achtzehnjährigen Kronprinzen Rudolf und reiste in den folgenden zwei Jahren mit ihm durch England, Schottland, Irland, Frankreich und Deutschland1. Die Reiseroute, wie Karl Menger sie festhielt, ist ein Zeitbild: Klubs und Bälle in London, ein Diner mit Kaiserin Elisabeth, das British Museum, die Bank of England und das Antiquariat Quaritch, denn beide Männer waren Bibliophile; Schottland und Irland im Januar; Paris und ein Diner mit Präsident MacMahon; Berlin im März 1878, ein Diner mit Wilhelm I. und eine Vorstellung bei Bismarck4.

Die Vorlesungen, die Menger ihm hielt, sind erhalten und wurden 1994 von Erich und Monika Streissler herausgegeben14. Ihr Ton ist entschieden. Der Staat, erklärte Menger dem Thronfolger, könne unmöglich die Interessen aller Bürger kennen, und um ihnen zu helfen, müsste er jede der vielfältigen Tätigkeiten eines jeden berücksichtigen; im Sozialismus würde sich ein despotisches System entwickeln, in dem niemand seinen Beruf wählen könnte, sondern sich in allen Dingen den Vorschriften der Regierung fügen müsste15.

Wie weit das Mengers eigene Überzeugung wiedergibt, ist umstritten. Nach dem Urteil der Herausgeber sind die Mitschriften wahrscheinlich eine der extremsten Darlegungen der Grundsätze des Laissez-faire, die je zu Papier gebracht wurden; doch an anderer Stelle desselben Bandes wies Menger den Vorwurf, er gehöre der Manchesterschule an, als leichtfertig zurück16. Streissler selbst las Menger in einem eigenen Aufsatz als Befürworter staatlicher Eingriffe; ein Literaturüberblick findet Urteile, die vom Vorkämpfer des Laissez-faire über den Interventionisten bis zu einem Menger reichen, dem an Wirtschaftspolitik überhaupt wenig lag17. Mengers Enkelin Eve, die die Familienpapiere an die Duke University gab, hat öffentlich eingewandt, die Herausgeber schlössen auf die Überzeugungen ihres Großvaters aus dem, was er in einer Einführungsvorlesung wegließ. Aus dem Stoff einer Einführungsveranstaltung abzuleiten, was ein Lehrer für wichtig hält, sei eine heikle Methode; außerdem habe manchmal der Kaiser selbst hereingeschaut16.

Die Streitschrift immerhin steht außer Zweifel. In den letzten Monaten des Jahres 1877 schrieben Menger und Rudolf eine Abrechnung mit dem österreichischen Hochadel und seinem Versagen, eine verfassungsmäßige Rolle auszufüllen; sie erschien im Jahr darauf anonym. Nach Karl Menger stammten die schärfsten Anklagen von Rudolf, während Carl Menger betonte, wie wichtig ein Adel für eine konservative Partei sei4. Wer die Schrift verfasst hatte, wurde erst 1906 bekannt, siebzehn Jahre nachdem Rudolf in Mayerling seine Geliebte und sich selbst erschossen hatte1. Die beiden Männer hatten bis zuletzt Briefe gewechselt; der letzte Brief Rudolfs ist auf den 3. Dezember 1888 datiert4. Am Tag nach Rudolfs Tod veröffentlichte Menger in der Presse einen anonymen Nachruf auf seinen früheren Schüler18.

Der Krieg mit Schmoller

1883 veröffentlichte Menger die Untersuchungen über die Methode der Socialwissenschaften, eine Verteidigung der Theorie als solcher gegen eine deutsche Fachwelt, die beschlossen hatte, die Nationalökonomie sei ein Zweig der Geschichtswissenschaft. Die Passage, die am längsten nachgewirkt hat, ist gar nicht polemisch. Manche gesellschaftlichen Einrichtungen, stellt Menger fest, werden absichtlich geschaffen, durch Übereinkunft oder Gesetzgebung. Andere entstehen nicht so, und sie sind das Rätsel:

Die Sprache, die Religion, das Recht, ja der Staat selbst und, um speciell einiger wirthschaftlicher Socialphänomene zu gedenken, die Erscheinungen der Märkte, der Concurrenz, des Geldes und so zahlreiche andere sociale Gebilde treten uns bereits in Epochen der Geschichte entgegen, wo von einer auf die Begründung derselben gerichteten zielbewussten Thätigkeit der Gemeinwesen als solcher, oder ihrer Machthaber füglich nicht die Rede sein kann.19

Daraus folgt seine Frage, die die Sozialwissenschaften seither beschäftigt: „Wieso vermögen dem Gemeinwohl dienende und für dessen Entwickelung höchst bedeutsame Institutionen ohne einen auf ihre Begründung gerichteten Gemeinwillen zu entstehen?“19 Solche Gebilde entstehen, sagt er, „als das unbeabsichtigte Ergebniss individueller (individuelle Interessen verfolgender) menschlicher Bestrebungen“19.

Schmoller besprach das Buch in seiner eigenen Zeitschrift und hielt sich nicht zurück. Zu Beginn räumte er ein, dass er selbst betroffen war: Nur bei Menger könne er die Polemik nicht ganz unterdrücken, da einige von dessen Angriffen auch ihn persönlich träfen. Am Ende stand ein Urteil, das noch heute als Musterbeispiel der Gattung zitiert wird.

Menger sei ein scharfsinniger Dialektiker, ein logischer Kopf, ein außergewöhnlicher Gelehrter, doch fehle ihm die universal-philosophische und historische Bildung ebenso wie die natürliche Weite des Horizonts, die Erfahrungen und Gedanken von allen Seiten aufzunehmen vermag. Seine Wirkung aber werde gewiss nicht die eines Reformators sein. Er sei vielmehr ein Epigone20.

Den Abschnitt schloss er mit der Feststellung, man sei mit dem Buch fertig20.

Menger antwortete 1884 mit Die Irrthümer des Historismus in der deutschen Nationalökonomie, sechzehn Briefen an einen Freund. Schmollers Antwort darauf ist das außergewöhnlichste Dokument der ganzen Affäre, und er veröffentlichte sie selbst. Die Redaktion des Jahrbuchs, teilte er mit, sei nicht in der Lage, über das Buch zu berichten, da sie es sofort mit den folgenden Zeilen an den Verfasser zurückgeschickt habe. Dann druckte er das Begleitschreiben ab.

Alle derartigen persönlichen Angriffe, hieß es darin, werfe er ungelesen in den Ofen oder in den Papierkorb, zumal wenn er von dem betreffenden Autor keine weitere Förderung für sich erwarte. Er wolle aber nicht so unhöflich sein, ein so schön ausgestattetes Büchlein von Mengers Hand zu vernichten; er schicke es ihm daher mit aufrichtigem Dank zurück, verbunden mit der Bitte, anderswo besseren Gebrauch davon zu machen. Im Übrigen werde er ihm für weitere Angriffe stets dankbar bleiben, getreu dem Sprichwort Viel Feind, viel Ehr21.

Hayek hielt das für wahrscheinlich beispiellos1. Es wirkte auch. Schmoller hatte beträchtlichen Einfluss auf die Berufungen an deutschen Universitäten: Die meisten Lehrstühle für Nationalökonomie wurden auf seine Empfehlung besetzt, und er arbeitete eng mit Friedrich Althoff zusammen, der das preußische Hochschulwesen lenkte22. Hayeks eigene Darstellung geht weiter: Schmoller sei so weit gegangen, öffentlich zu erklären, Angehörige der sogenannten abstrakten Schule seien ungeeignet, ein Lehramt an einer deutschen Universität zu bekleiden. Eine Quelle dafür nennt Hayek aber nicht, und die konkrete Behauptung hat sich als schwer überprüfbar erwiesen1.

Schumpeter hielt das Ganze im Rückblick 1954 für eine Verschwendung: Die Geschichte dieser Literatur sei im Wesentlichen eine Geschichte vergeudeter Kräfte, die man besser hätte einsetzen können, zumal keine der beiden Seiten die Position der anderen wirklich rundweg in Frage gestellt habe23. Nicht alle sehen das so: Der Herausgeber der englischen Ausgabe fand dieses Urteil zu pauschal und zu hart, allein schon gemessen an den Untersuchungen selbst19. Klar ist, was der Streit an Zeit kostete. Menger war dreiundvierzig, als die Untersuchungen erschienen, und vierundvierzig, als er Schmoller antwortete. Der zweite Teil der Grundsätze wurde nie geschrieben.

1892

Dann kam ein außergewöhnliches Jahr. 1892 veröffentlichte Menger den Artikel „Geld“ im Handwörterbuch der Staatswissenschaften, den Hayek als dritten und letzten seiner großen Beiträge zur Theorie einstufte. Hinzu kamen zwei Schriften zur österreichischen Währungsfrage und im Londoner Economic Journal ein kurzer Aufsatz mit dem Titel „On the Origin of Money“, übersetzt von C. A. Foley124.

Der Aufsatz beginnt mit einer Merkwürdigkeit. Jeder nimmt Gold und Silber, später auch Papier, das für sie steht, im Tausch gegen wirkliche Güter an. Warum? Dass jede Wirtschaftseinheit eines Volkes bereit sein soll, ihre Güter gegen kleine, an sich scheinbar nutzlose Metallscheiben oder gegen Urkunden herzugeben, die für diese stehen, widerspreche dem gewöhnlichen Lauf der Dinge so sehr, schreibt Menger, dass man sich kaum wundern könne, wenn selbst ein so bedeutender Denker wie Savigny den Vorgang geradezu geheimnisvoll finde24.

Die übliche Antwort lautete, Geld sei vereinbart oder verordnet worden. Menger glaubte das nicht, und sein Einwand ist historisch: Ein Akt von solcher Tragweite, an sehr vielen Orten wiederholt, hätte Spuren in der Überlieferung hinterlassen, und es gibt keine. Was er stattdessen vorschlägt, beruht auf einer Eigenschaft der Güter, die er Absatzfähigkeit nennt, bei Foley saleableness. Eine Ware sei mehr oder weniger absatzfähig, je nachdem, ob man sie mit mehr oder weniger Aussicht auf Erfolg zu Preisen veräußern könne, die der allgemeinen wirtschaftlichen Lage entsprechen, zu ökonomischen Preisen24. Manche Güter besitzen viel davon, andere fast keine, und das hängt vom Markt ab, nicht vom Geschmack: davon, wie viele Menschen das Ding haben wollen, in welchem Umkreis und in welchen Mengen, und wie lange es sich hält.

Das Argument hängt dann an einem einzigen Schritt. Wer niemanden findet, der genau das haben will, was er hat, tauscht es besser gegen etwas Absatzfähigeres ein, auch wenn er selbst keine Verwendung dafür hat, und versucht es dann noch einmal. Jeder, der das bemerkt, macht es ebenso.

So seien die Menschen, schreibt Menger, mit wachsender Einsicht in ihre individuellen Interessen, jeder von seinem eigenen wirtschaftlichen Interesse geleitet, ohne Übereinkunft, ohne gesetzlichen Zwang, ja sogar ohne jede Rücksicht auf das Gemeininteresse dazu gekommen, Güter, die zum Tausch bestimmt sind (ihre Waren), gegen andere, ebenfalls zum Tausch bestimmte, aber absatzfähigere Güter einzutauschen24.

Geld ist, was am Ende dieses Prozesses übrig bleibt. Es sei, so Menger, nicht durch Gesetz entstanden, sondern seinem Ursprung nach eine gesellschaftliche und keine staatliche Einrichtung24. Er übertreibt dabei nicht: Staatliche Anerkennung und Regelung hätten das Geld vervollkommnet und den Bedürfnissen des Verkehrs angepasst, so wie das gesetzte Recht das Gewohnheitsrecht vervollkommnet hat; zu Geld gemacht hätten sie die Edelmetalle aber nicht erst24.

Die Kommission, mit der dieser Beitrag begann, tagte im März desselben Jahres. Über den Übergang zum Gold war sie sich weitgehend einig; Menger stritt als ihr führendes Mitglied über die genaue Parität und den richtigen Zeitpunkt für den Wechsel1. Im August kam die Krone, doch der Gulden blieb neben ihr bis Ende 1899 gesetzliches Zahlungsmittel2.

Hermine und Karl

Um 1888 lernte Menger, damals fast fünfzig, Hermine Andermann kennen, eine neunzehnjährige Schriftstellerin und Musikerin aus Stanislau in Galizien. Die beiden lebten bis zu seinem Tod 1921 zusammen und heirateten nie25. Am 13. Januar 1902 kam in Wien ihr Sohn Karl zur Welt26.

Die übliche Erklärung für die dreiunddreißig Jahre ohne Trauschein lautet, Andermann sei Jüdin gewesen und Menger Katholik. Die Forscher, die die Familienpapiere durchgearbeitet haben, sagen ohne Umschweife, dass das nicht stimmt: Gemischte Paare konnten in Österreich nach 1868 eine sogenannte Notzivilehe schließen, und ohnehin trat Andermann 1893 aus dem Judentum aus und konvertierte laut dem Taufeintrag ihres Sohnes im selben Jahr zum Katholizismus25. Warum die beiden nicht heirateten, ist nicht bekannt. Eine Möglichkeit, die dieselben Autoren nennen: Menger hatte als junger Mann die Ansicht vertreten, die Ehe sei überholt und die bürgerliche Gesellschaft werde künftig auf der freien Liebe beruhen25.

Diese Lebensform hatte ihren Preis, und ihn zahlte das Kind. Karl lebte in seinen ersten Jahren allein mit der Mutter, während der Vater in der Nähe wohnte; erst um 1912 oder 1913 zog die Familie zusammen. Legitimiert wurde er im April 1911 auf ein direktes Gesuch an den Kaiser hin; bis dahin hieß er rechtlich Karl Andermann-Menger. Seine Mutter behielt den Namen Andermann bis August 1921, nach Carls Tod25. Aus dem Jungen wurde ein sehr bedeutender Mathematiker: Dimensionstheorie, Wiener Kreis, eine lange Laufbahn in Chicago26.

Karls Bericht über seine Eltern ist liebevoll und nüchtern zugleich: Seine Mutter habe offenbar früh beschlossen, ihr Leben dem bewunderten Gelehrten zu widmen; sie las Menger vor, als seine Augen nachließen, pflegte ihn, wenn er krank war, und führte in seinem letzten Lebensjahrzehnt den Haushalt25.

1903, ein Jahr nach der Geburt seines Sohnes, gab Menger mit dreiundsechzig Jahren seinen Lehrstuhl auf. Drei Gründe werden genannt, und sie schließen einander nicht aus. Hayeks Erklärung, die am häufigsten wiederholt wird, lautet, er habe es getan, um sich ganz seiner Arbeit widmen zu können1. Eine zweite, die in der englischen Wikipedia steht, macht Pessimismus über die deutsche Wissenschaft verantwortlich; sie nennt keinen Beleg, und sie ließ sich auf keine Quelle zurückführen. Die dritte ist gesellschaftlich. Ein Professor im Wien Franz Josephs mit einer Lebensgefährtin und einem unehelichen Kind war in einer misslichen Lage, und die Fachleute, die die Papiere am besten kennen, drücken es vorsichtig aus: Mit der Geburt seines Sohnes habe Carls allmählicher Rückzug aus der Wiener Gesellschaft und besonders aus dem akademischen Leben begonnen, sei es wegen dieser Kontroverse, aus Erschöpfung, wegen Krankheit oder aus dem Wunsch nach Zeit zum Schreiben25. Der Lehrstuhl ging an Friedrich von Wieser. Menger war 1900 auf Lebenszeit ins Herrenhaus berufen worden und machte davon wenig Gebrauch: Es sei ihm nicht wichtig genug gewesen, sich sehr aktiv an dessen Beratungen zu beteiligen, schrieb Hayek. Die Welt sei für ihn viel mehr Gegenstand des Studiums als des Handelns gewesen1.

Das Schweigen

Ein Arbeitsleben

Hauptwerke haben die größeren Punkte, alles andere die kleineren. Der hinterlegte Streifen umfasst die Jahre nach dem letzten von ihnen.

1840 1860 1880 1900 1920 neunundzwanzig Jahre ohne weiteres Hauptwerk 1840 in Galizien geboren 1840 geb. in Galizien 1867 Promotion 1867 Promotion 1871 Grundsätze 1871 Grundsätze 1876 Lehrer des Kronprinzen 1876 Lehrer des Kronprinzen 1879 Lehrstuhl in Wien 1879 Lehrstuhl in Wien 1883 Untersuchungen 1883 Untersuchungen 1884 Irrthümer 1884 Irrthümer 1892 drei Werke über das Geld 1892 drei Werke zum Geld 1902 Sohn Karl geboren 1902 Sohn Karl geb. 1903 gibt Lehrstuhl auf 1903 gibt Lehrstuhl auf 1914 letzter Aufsatz 1914 letzter Aufsatz 1921 stirbt mit 81 1921 stirbt mit 81
Die Daten
JahrEreignisHauptwerk
1840geboren in Neu-Sandez (Nowy Sącz), Galizien, 23. Februar
1867Promotion zum Doktor der Rechte, Krakau, 19. März
1871Grundsätze der Volkswirthschaftslehreja
1876–78Lehrer des Kronprinzen Rudolf
1879ordentlicher Professor in Wien (Februar)
1883Untersuchungen über die Methode der Socialwissenschaftenja
1884Die Irrthümer des Historismusja
1892„Geld“; „On the Origin of Money“; zwei Schriften zur Währungsfrage; die Währungskommissionja
1902Sohn Karl geboren, 13. Januar
1903gibt den Lehrstuhl auf, mit 63
1914letzter veröffentlichter Aufsatz, ein Nachruf auf Böhm-Bawerk
1921stirbt in Wien, 26. Februar, mit 81
Daten nach Erich Streissler, „Menger, Carl“, Neue Deutsche Biographie 17 (1994); Hayeks biografischem Aufsatz von 1934; und Schumacher und Scheall (2020) zu Karl Mengers Biografie seines Vaters. Die zweite Auflage der Grundsätze von 1923, postum von seinem Sohn zusammengestellt, zählt nicht als Werk aus Mengers späteren Jahren.

Nach dem Abschied von der Universität lebte er noch achtzehn Jahre und veröffentlichte fast nichts. Hayeks Befund ist ernüchternd: Nach 1892 habe er nur noch gelegentlich kleine Aufsätze veröffentlicht, meist Besprechungen, biografische Notizen und Einleitungen zu Arbeiten seiner Schüler, und sein letzter veröffentlichter Aufsatz sei ein Nachruf auf seinen 1914 verstorbenen Schüler Böhm-Bawerk gewesen1.

Das große Buch wuchs und wuchs und erschien nie. Mengers Lektüre griff immer weiter aus, auf Philosophie, Psychologie und Ethnografie, und die Arbeit wurde immer wieder aufgeschoben. Teile davon waren zeitweise druckreif; dann überarbeitete er sie und ordnete sie um, bis eine Rekonstruktion nach Hayeks Urteil eine sehr schwierige, wenn nicht unmögliche Aufgabe geworden war. Hayek fasst das ganze Vorhaben in einem einzigen Satz zusammen: Vorerst jedenfalls müssten die Ergebnisse der Arbeit aus Mengers späteren Jahren als verloren gelten1.

Die ganze Zeit über kaufte er außerdem Bücher. 1911 schätzte er seine Bibliothek selbst auf etwa 25.000 Bände27. Nach seinem Tod wurden die Abteilungen für Sozialwissenschaften und Anthropologie an die Handelshochschule Tokio verkauft, die heutige Hitotsubashi-Universität, die sie 1922 erwarb; die Sammlung dort umfasst rund 19.100 Bände zu Wirtschaft, Politik, Recht, Geschichte, Ethnografie und Reisen2829. Zu ihr gehören eine Erstausgabe des ersten Bandes des Kapitals, Mengers annotierte Exemplare von Rau und Roscher und sein eigenes durchschossenes Exemplar der Grundsätze, auf dem er den Titel von Hand in Allgemeine theoretische Wirthschaftslehre geändert hatte29.

Dieses letzte Detail hatte eine traurige Folge. Mengers Sohn arbeitete ab Dezember 1918 jahrelang an einer zweiten Auflage aus den Papieren seines Vaters, die er ihm zum achtzigsten Geburtstag überreichen wollte; sie erschien 1923, zwei Jahre nach dessen Tod, bei Hölder-Pichler-Tempsky25. Dabei musste er ohne das am dichtesten annotierte Exemplar seines Vaters auskommen, weil es schon verkauft und verschifft war. Die Bibliothek der Hitotsubashi-Universität schreibt selbst, er habe das besondere Buch seines Vaters nicht heranziehen können, weil die Universität es bereits gekauft und nach Japan gebracht habe28.

Die Forschung zitiert überwiegend weiterhin die Ausgabe von 1871. Mengers englische Übersetzer erklärten, warum sie sie zugrunde gelegt hatten: Nur die erste Auflage habe die Entwicklung der ökonomischen Lehre beeinflusst, und die zweite sei postum erschienen9. Auch Hayek druckte die erste Auflage ab, als er in den 1930er-Jahren die gesammelten Werke für die London School of Economics herausgab. Doch die zweite Auflage hat ihre Verteidiger, und das Urteil, sie sei bloß verpfuscht, ist voreilig: Sie führt gesellschaftliche Bedürfnisse und Gemeingüter ein, Karl Polanyi las sie als Vorbotin der Wirtschaftsanthropologie, und eine lebhafte Forschungsdiskussion behandelt sie als inhaltlich anderes, nicht als schlechteres Buch30.

Menger starb am 26. Februar 1921 in Wien, im Alter von einundachtzig Jahren. Seine Enkelin schenkte seinen Nachlass 1987 der Duke University31.

Was blieb

Das Merkwürdige an Mengers Nachleben ist, wie viel davon ohne seinen Namen geschah.

Der Werth ist demnach nichts den Gütern Anhaftendes, keine Eigenschaft derselben, eben so wenig aber auch ein selbstständiges, für sich bestehendes Ding. Derselbe ist ein Urtheil, welches die wirthschaftenden Menschen über die Bedeutung der in ihrer Verfügung befindlichen Güter für die Aufrechthaltung ihres Lebens und ihrer Wohlfahrt fällen.

Die subjektive Wertlehre hat sich schlicht durchgesetzt. Aus einer Denkschule ist der Stoff der ersten Woche im Einführungskurs geworden. Ein aktuelles amerikanisches Lehrbuch führt den Grenznutzen als die zusätzliche Befriedigung durch eine weitere Einheit ein, hält fest, dass er abnimmt, und warnt, Nutzeneinheiten ließen sich zwischen Menschen nicht vergleichen, weil sie für jeden Einzelnen subjektiv seien32. Mengers Tabelle, seine abnehmenden Spalten und sein Beharren darauf, dass der Wert im Bewusstsein der Menschen liegt, lernen Achtzehnjährige heute als Handwerkszeug.

Doch an das Buch selbst war nur sehr schwer heranzukommen. Jevons, der im selben Jahr veröffentlichte, schrieb auf Englisch und brauchte keinen Übersetzer. Menger wartete neunundsiebzig Jahre: Erst 1950 erschienen die Grundsätze als Principles of Economics, übersetzt von James Dingwall und Bert Hoselitz9. Die Untersuchungen von 1883 warteten achtzig Jahre, bis 196319. Zum Teil war die Verzögerung seine eigene Schuld: Hayek berichtet, das Buch sei vergriffen gewesen, und Menger habe weder einen Nachdruck noch eine Übersetzung erlaubt1. Als die Übersetzer die Arbeit endlich erledigt hatten, nannten sie die Lücke ein Rätsel. Englischsprachige Ökonomen, stellten sie fest, hätten sich auf Darstellungen von Mengers Ideen aus zweiter Hand gestützt und deshalb nicht den vollen Nutzen aus seinen Neuerungen ziehen können9.

Achtzig Jahre unerreichbar

Wie lange jeder Gründungstext der Grenznutzenrevolution warten musste, bis ein englischsprachiger Ökonom ihn lesen konnte.

Jahre gewartet Erstausgabe Menger, Untersuchungen 1883 Menger, Untersuchungen 1883: 80 Jahre bis zur ersten englischen Ausgabe 80 Jahre englisch 1963 Walras, Éléments 1874 Walras, Éléments 1874: 80 Jahre bis zur ersten englischen Ausgabe 80 Jahre englisch 1954 Menger, Grundsätze 1871 Menger, Grundsätze 1871: 79 Jahre bis zur ersten englischen Ausgabe 79 Jahre englisch 1950 Menger, Geldaufsatz 1892 Menger, Geldaufsatz 1892: keine Wartezeit, von Anfang an auf Englisch gar keine Wartezeit englisch 1892 Jevons, Theory 1871 Jevons, Theory 1871: keine Wartezeit, von Anfang an auf Englisch gar keine Wartezeit englisch 1871 0 20 40 60 80 Menger verweigerte Nachdruck und Übersetzung, solange das Buch vergriffen war.
Die Daten
WerkErsterscheinungerste englische AusgabeJahre
Menger, Untersuchungen über die Methode18831963, als Problems of Economics and Sociology80
Walras, Éléments d’économie politique pure18741954, übers. von William Jaffé80
Menger, Grundsätze der Volkswirthschaftslehre18711950, übers. von Dingwall und Hoselitz79
Menger, „On the Origin of Money“18921892, Economic Journal, übers. von C. A. Foley0
Jevons, The Theory of Political Economy18711871; auf Englisch geschrieben0
Erscheinungs- und Übersetzungsjahre nach den Ausgaben selbst und nach Einträgen bei OpenLibrary. Jevons schrieb englisch; Mengers Aufsatz von 1892 wurde im Jahr seines Erscheinens für das Economic Journal übersetzt und ist das eine Stück seines Werks, auf das die moderne Geldtheorie zurückgriff.

Die Folgen lassen sich nachweisen. Alfred Marshalls Principles erwähnen Menger viermal, dreimal davon beiläufig, und setzen sich analytisch genau einmal mit ihm auseinander, in einer Fußnote, die sich über die Ordnungen der Güter lustig macht: Ein Vergnügungszug, der Kekse und Mühlenmaschinen befördert, wäre dann zugleich ein Gut erster, zweiter, dritter und vierter Ordnung33. George Stigler, der ihn bewunderte, begann sein Kapitel von 1941 mit der Feststellung, Menger sei in den angelsächsischen Ländern ein berühmter, aber selten gelesener Ökonom gewesen, und nannte das ein schweres Unrecht34. Eine Zitationsstudie zur Werttheorie der Nachkriegszeit fand Walras auf Platz drei hinter Hicks und Samuelson, während Menger und Jevons weit abgeschlagen waren35. Nicht einmal Hayek erwähnte ihn in seinem Nobelvortrag vom Dezember 1974, dem Moment, in dem die österreichische Tradition öffentlich rehabilitiert wurde: Weder der Vortrag noch die Tischrede nennen Menger überhaupt, und der einzige Ökonom, auf den Hayek sich beruft, ist Marshall36.

Und doch ist gerade der Teil Mengers zurückgekehrt, der der modernen Ökonomie am wenigsten ähnelte. Seit den späten 1980er-Jahren entstand eine Literatur, die genau seine Frage stellte (warum sollte jemand ein nutzloses Zeichen annehmen?) und sie auf seine Weise beantwortete: ausgehend von Einzelnen, die mit dem tauschen, dem sie zufällig begegnen. Ein Aufsatz von Nobuhiro Kiyotaki und Randall Wright aus dem Jahr 1989 im Journal of Political Economy machte Geld zum Ergebnis eines Gleichgewichts statt zu einer Annahme; er wurde in der Größenordnung von fünfzehnhundertmal zitiert37. Als die beiden den Ansatz für ein breiteres Publikum darstellten, nannten sie in einem Atemzug, was sie Menger verdanken und wie sie seinen Begriff übersetzen. Neben diesen inneren Eigenschaften, schrieben sie, habe Menger (1892) auch betont, was er saleability nannte und was sie Akzeptanz nennen; die Akzeptanz eines Gegenstands definierten sie als die Wahrscheinlichkeit, dass andere ihn zu einem gegebenen Preis im Tausch annehmen38. Mengers Wort dafür, wie leicht sich ein Ding verkaufen lässt, war zu einer Zahl zwischen null und eins geworden.

Inzwischen zieht die Literatur selbst routinemäßig die Linie zu Menger. In ihrem Überblick über das Feld schreiben Stephen Williamson und Wright, Friktionen wie die in ihren Modellen hätten schon lange als wichtig für das Verständnis der Rolle des Geldes gegolten, bei Größen wie Jevons (1875), Menger (1892) und Wicksell (1911). Ziel der suchtheoretischen Literatur sei es, diese Ideen zu formalisieren39. Zwei Dogmenhistoriker beschreiben die Geldtheorie des 20. Jahrhunderts als Bewegung von einem neowalrasianischen zu einem neomengerianischen Rahmen40.

Sie halten auch fest, was auf der Strecke blieb: die Hälfte, die Menger am meisten am Herzen lag. Das Gleichgewicht, in dem ein Gut zu Geld wird, wurde übernommen; der evolutionäre Prozess, durch den es dorthin gelangt, nicht. Strategische Interaktionen und Essentialität seien bedeutende Merkmale sowohl des Menger’schen Ansatzes zum Geld als auch der heutigen suchtheoretischen Modelle, schreiben sie. Der evolutionäre Prozess, den Menger beschreibt, sei aber nicht vollständig in die moderne suchtheoretische Geldtheorie eingegangen40.

Menger hätte die Ironie vielleicht genossen, vielleicht auch nicht. Der Ökonom, der es aus Prinzip ablehnte, eine Gleichung hinzuschreiben, bekam am Ende von einer Literatur recht, die aus kaum etwas anderem besteht. Ihn hätte das, so darf man vermuten, weniger gestört, als es seine Anhänger stört. In den Grundsätzen hatte er schon gesagt, wozu seine Zahlen dienen sollten: Sie waren lediglich gewählt, um etwas Schwieriges und bisher Unerforschtes anschaulich zu machen, auf einem Gebiet, das er der Psychologie zurechnete9. Der Apparat war immer nur ein Werkzeug. Worauf es ihm ankam: Der Wert eines Dinges liegt nicht im Ding, sondern in einem Urteil, das jemand fällt, an einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Zeit, mit dem Wissen, das er gerade hat. Alles andere, auch die Mathematik, die er nicht schreiben wollte, folgt daraus.

Quellen

  1. F. A. von Hayek, „Carl Menger“, Economica, New Series 1(4), November 1934, S. 393–420. Durchgehend wiedergegeben nach dem Wiederabdruck als Einleitung zur Übersetzung der Principles von Dingwall und Hoselitz; Seitenzahlen nach diesem Wiederabdruck. ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  2. Oesterreichische Nationalbank, Österreichische Geldgeschichte, Wien, zum Gesetz vom 2. August 1892, zur Geltung der Krone vom 11. August 1892 bis 31. Dezember 1924 und zu der des Guldens bis 31. Dezember 1899, S. 74, 76, 105–106. ↩︎ ↩︎

  3. Erich W. Streissler, „Menger, Carl“, Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 72–74. ↩︎ ↩︎ ↩︎

  4. Reinhard Schumacher und Scott Scheall, „Karl Menger’s Unfinished Biography of His Father: New Insights into Carl Menger’s Life through 1889“, CHOPE-Arbeitspapier 2020-01, Duke University; veröffentlicht in Research in the History of Economic Thought and Methodology 38B (2020), S. 155–189. ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  5. Friedrich von Wieser, „Carl Menger: A Biographical Appreciation“, zuerst erschienen in Neue Österreichische Biographie Bd. 2, 1923; übersetzt von Richard Ebeling, American Institute for Economic Research, 2019. Übersetzung aus dem Deutschen; wiedergegeben nach dieser Übersetzung. ↩︎ ↩︎

  6. Erich W. Streissler, „Menger, Anton“, Neue Deutsche Biographie 17 (1994), zur Familie, zum Vater Anton Menger von Wolfensgrün und zu den Brüdern. ↩︎ ↩︎

  7. Carl Menger, Grundsätze der Volkswirthschaftslehre. Erster, allgemeiner Theil, Wien: Wilhelm Braumüller, 1871. Titelblatt, Widmungsblatt und die Werttabelle auf S. 93. ↩︎ ↩︎ ↩︎

  8. Daniel A. Harper und Anthony M. Endres, „Menger’s precursors in the German subjective-value tradition and his advancements in the theory of wants and goods“, Review of Austrian Economics 36 (2023), S. 217–245. Die wiedergegebenen Urteile Erich Streisslers stammen aus diesem Aufsatz, der seinen Beitrag „The Influence of German Economics on the Work of Menger and Marshall“ zitiert, in Bruce Caldwell (Hg.), Carl Menger and His Legacy in Economics, Duke University Press, 1990, S. 31–68, hier S. 32, 33, 44 und 61. ↩︎ ↩︎ ↩︎

  9. Carl Menger, Grundsätze der Volkswirthschaftslehre, Wien: Wilhelm Braumüller, 1871, zitiert nach der Transkription des Deutschen Textarchivs: Vorrede S. X; Kap. I S. 1 und 3; Ordnungen der Güter S. 7–10; Wert S. 86; zur Tabelle S. 93–94; Güter höherer Ordnung S. 123–124. Englisch als Principles of Economics, übersetzt von James Dingwall und Bert F. Hoselitz, Glencoe, Ill.: Free Press, 1950, benutzt im Nachdruck des Mises Institute mit Hayeks Einleitung und dem Vorwort der Übersetzer; Vorwort der Übersetzer S. 38. ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  10. William Jaffé, „Menger, Jevons and Walras De-Homogenized“, Economic Inquiry 14(4), Dezember 1976, S. 511–524, hier S. 521. ↩︎ ↩︎

  11. Federico Salazar, „The Early Reception of Carl Menger’s Grundsätze: A Bibliographical Note“, Journal of Contextual Economics – Schmollers Jahrbuch 141 (2021), S. 343–362, hier S. 344. ↩︎

  12. Gustav Schmoller, Besprechung von Mengers Grundsätzen, Literarisches Centralblatt für Deutschland, Nr. 5, 1. Februar 1873, Sp. 142–143, gezeichnet G. Sch.; englische Übersetzung in Journal of Contextual Economics 141 (2021), S. 321–322. ↩︎

  13. Henry R. Seager, „Economics at Berlin and Vienna“, Journal of Political Economy 1(2), März 1893, S. 236–262. ↩︎

  14. Erich W. Streissler und Monika Streissler (Hg.), Carl Menger’s Lectures to Crown Prince Rudolf of Austria, übersetzt von Monika Streissler und David F. Good, Aldershot: Edward Elgar, 1994. ↩︎

  15. Richard M. Ebeling, „Carl Menger and the Sesquicentennial Founding of the Austrian School“, American Institute for Economic Research, 2019, mit Zitaten aus der Übersetzung der Vorlesungen für Kronprinz Rudolf von Streissler. Übersetzung aus dem Deutschen; wiedergegeben nach dieser Übersetzung. ↩︎

  16. Eve Menger, „Letter to the Editors: Some thoughts on Carl Menger’s Lectures to Crown Prince Rudolf“, Journal of the History of Economic Thought 47(1), 2024, S. 116–118. ↩︎ ↩︎

  17. Giandomenica Becchio, „Introduction: Carl Menger and Classical Liberalism“, Cosmos + Taxis 10(5+6), 2022, S. 1–6, ein Überblick über die Bandbreite der Deutungen von Mengers politischen Ansichten. ↩︎

  18. Raimondo Cubeddu und Marco Menon, „Carl Menger, a Public Engaged Intellectual, and Five Translations of His Newspaper Articles“, Cosmos + Taxis 10(5+6), 2022, S. 7–23, hier S. 7, zum anonymen Nachruf auf Kronprinz Rudolf, erschienen am Tag nach Mayerling. ↩︎

  19. Carl Menger, Untersuchungen über die Methode der Socialwissenschaften und der politischen Oekonomie insbesondere, Leipzig: Duncker & Humblot, 1883, S. 146 und 163. Englisch als Investigations into the Method of the Social Sciences with Special Reference to Economics, übersetzt von Francis J. Nock, herausgegeben von Louis Schneider, New York University Press, 1985; zuerst 1963 übersetzt als Problems of Economics and Sociology. Schneiders Widerspruch gegen Schumpeter auf S. 13 seiner Einleitung. ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  20. Gustav Schmoller, „Zur Methodologie der Staats- und Sozialwissenschaften“, Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirthschaft im Deutschen Reich 7(3), 1883, S. 975–994; englische Übersetzung in Journal of Contextual Economics 141 (2021), S. 323–340, hier S. 323 und 334. Übersetzung aus dem Deutschen; wiedergegeben nach dieser Übersetzung. ↩︎ ↩︎

  21. Gustav Schmoller, Anzeige der Rücksendung von Mengers Die Irrthümer des Historismus, Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirthschaft im Deutschen Reich 8(2), 1884, S. 677; englische Übersetzung in Journal of Contextual Economics 141 (2021), S. 341–342. Übersetzung aus dem Deutschen; wiedergegeben nach dieser Übersetzung. ↩︎

  22. Karen Horn und Stefan Kolev, „Dispute on Method or Dispute on Institutional Context? Foreword to the Translation of Carl Menger’s ‚Errors of Historicism‘“, Econ Journal Watch 17(2), September 2020, S. 442–507, hier S. 444, zu Schmollers Einfluss auf Berufungen und zu seiner Zusammenarbeit mit Friedrich Althoff. ↩︎

  23. Joseph A. Schumpeter, History of Economic Analysis, New York: Oxford University Press, 1954, S. 814. ↩︎

  24. Carl Menger, „On the Origin of Money“, übersetzt von C. A. Foley, The Economic Journal 2(6), Juni 1892, S. 239–255. Wiedergegeben nach der Ausgabe des Mises Institute, dort S. 11, 26–27, 34 und 51 (Abschnitte I, IV, VI und IX). Übersetzung aus dem Deutschen. ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  25. Scott Scheall und Reinhard Schumacher, „Karl Menger as Son of Carl Menger“, CHOPE-Arbeitspapier; veröffentlicht in History of Political Economy 50(4), 2018, S. 649–678. ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  26. Seymour Kass, „Karl Menger“, Notices of the American Mathematical Society 43(5), 1996, S. 558–561. ↩︎ ↩︎

  27. F. A. von Hayek, „Menger, Carl“, International Encyclopedia of the Social Sciences, 1968, zur Bibliothek und zum Verkauf ihrer sozialwissenschaftlichen Abteilungen nach Tokio. ↩︎

  28. Hitotsubashi University Library, „The Digital Library of the Carl Menger Collection“, zum Erwerb 1922, zu den rund 19.100 Bänden und zu dem annotierten Exemplar, das schon nach Japan verschifft war, als die zweite Auflage bearbeitet wurde. Abgerufen am 23. September 2026. ↩︎ ↩︎

  29. Hitotsubashi University, Center for Historical Social Science Literature, „The Carl Menger Collection“, zum Bestand der Bibliothek. Abgerufen am 23. September 2026. ↩︎ ↩︎

  30. Giandomenica Becchio, „Social Needs, Social Goods, and Human Associations in the Second Edition of Carl Menger’s Principles“, History of Political Economy 46(2), 2014, S. 247–264. ↩︎

  31. David M. Rubenstein Rare Book & Manuscript Library, Carl Menger Papers, 1857–1985, Duke University. Umfang zehn laufende Fuß, rund 7.500 Einzelstücke, 1987 von Eve L. Menger geschenkt. ↩︎

  32. OpenStax, Principles of Economics 3e, § 6.1, „Consumption Choices“. Abgerufen am 23. September 2026. ↩︎

  33. Alfred Marshall, Principles of Economics, 5. Auflage, London: Macmillan, 1907, Buch II, Kap. III, § 1, Fußnote 3. ↩︎

  34. George J. Stigler, Production and Distribution Theories: The Formative Period, New York: Macmillan, 1941, Kap. VI, hier S. 134. ↩︎

  35. George J. Stigler und Claire Friedland, „The Citation Practices of Doctorates in Economics“, Journal of Political Economy 83(3), 1975, S. 477–507, nach der Darstellung bei Jaffé 1976, S. 523, Anm. 61. ↩︎

  36. F. A. Hayek, „The Pretence of Knowledge“, Vortrag zum Gedenken an Alfred Nobel, 11. Dezember 1974. Eigene Prüfung des Vortrags und der Tischrede vom 10. Dezember 1974: Keiner der beiden erwähnt Menger. ↩︎

  37. Nobuhiro Kiyotaki und Randall Wright, „On Money as a Medium of Exchange“, Journal of Political Economy 97(4), August 1989, S. 927–954. Zitationszahlen abgerufen am 23. September 2026: 1.433 in OpenAlex, 855 in Crossref, 2.251 in Google Scholar. ↩︎

  38. Nobuhiro Kiyotaki und Randall Wright, „Acceptability, Means of Payment, and Media of Exchange“, Federal Reserve Bank of Minneapolis Quarterly Review 16(3), 1992, S. 18–19. ↩︎

  39. Stephen Williamson und Randall Wright, „New Monetarist Economics: Methods“, Federal Reserve Bank of Minneapolis, Staff Report 442, April 2010, S. 19–20. ↩︎

  40. Andrés Álvarez und Vincent Bignon, „L. Walras and C. Menger: two ways on the path of modern monetary theory“, European Journal of the History of Economic Thought 20(1), 2013, S. 89–124, DOI 10.1080/09672567.2011.596939. Wiedergegeben nach dem EconomiX-Arbeitspapier 2010-25, September 2010, S. 14 und 18. ↩︎ ↩︎