Von der Steinzeit zu den Sternen

Deutschland

Die Partei, die sich nie auflöste

Im Dezember 1989 lehnte die SED einen Antrag auf Selbstauflösung ab, und die Kommission, die später ihr Vermögen prüfte, hielt den entscheidenden Grund fest: ihr Eigentum. Alle Umbenennungen seither haben die juristische Person unangetastet gelassen. Die Behauptung, Die Linke sei mit der SED rechtsidentisch, stützt sich deshalb auf Feststellungen des deutschen Staates selbst. Wegen dieser Identität muss die Partei für eine Bilanz einstehen, und die hat sie bereits ausgeglichen. Schuld am Tod der Menschen an der Mauer begründet das nicht, und der Grund dafür ist das Strafrecht in Deutschland.

Am 8. Dezember 1989 begann in einer Ost-Berliner Sporthalle ein außerordentlicher Parteitag der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Am Ende der Debatte stand ein Delegierter aus einem Landtechnik-Kombinat in Erfurt auf und beantragte, die Partei aufzulösen. Er handle im Auftrag der Mitglieder, die ihn entsandt hätten, sagte er, und verlangte eine Abstimmung. Bei der Abstimmung hob sich keine Hand dafür. Günter Benser, der als Delegierter dabei war und den Parteitag später für die Historische Kommission der Partei beschrieb, berichtet, Jubel und Erleichterung seien groß gewesen1.

Gregor Gysi mit Brille und dunklem Anzug beugt sich in einem vollen Kongresssaal über die Lehne einer Sitzreihe und spricht mit Delegierten, die sich um ihn drängen; am Sitz vor ihm steckt eine Karte mit der Nummer 10.
Gregor Gysi unter den Delegierten vor Beginn des Parteitags am 8. Dezember 1989. Am nächsten Morgen wurde er zum Vorsitzenden gewählt, nachdem er in seinem Referat argumentiert hatte, eine Auflösung der Partei mache ihr Eigentum herrenlos. Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1989-1208-039 / Rainer Mittelstädt, 1989, via Wikimedia Commons. CC BY-SA 3.0 de.

Weil sich die SED nicht auflöste, musste sie nie neu gegründet werden, und eine Partei, die nie neu gegründet wird, bleibt rechtlich dieselbe. Binnen zwei Monaten wurde sie zweimal umbenannt und hieß nun PDS, Partei des Demokratischen Sozialismus2. 2005 wurde daraus Die Linkspartei.PDS, seit 2007 heißt sie Die Linke3. Zu keinem Zeitpunkt endete eine juristische Person und begann eine neue.

Wer also sagt, Die Linke sei mit der SED rechtsidentisch, beschimpft niemanden. Die Behauptung stützt sich auf das, was drei Stellen schriftlich festgehalten haben: das Bundesverfassungsgericht, die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages und eine unabhängige Kommission, die dem Bundestag berichtete. Die Frage ist, was aus dieser Identität folgt, und vor allem, ob sie die heutige Partei schuldig macht am Tod der Menschen an der Berliner Mauer. Die Antwort ist eindeutig: An dieser Identität hängt eine Bilanz, aber kein Verbrechen.

Die Behauptung, voll eingeräumt

Die stärkste Fassung der Behauptung ist stärker, als ihre Gegner zugeben.

2023 fragte ein Mitglied des Bundestages die Wissenschaftlichen Dienste, wie Parteien fusionieren, am Beispiel der Linken. Deren Arbeiten geben nicht die Auffassung des Parlaments wieder, doch diese Kurzinformation zeichnet die Kette nach. Die Fusion mit der westdeutschen WASG 2007 war eine Verschmelzung durch Aufnahme: Die Linkspartei.PDS war der übernehmende Rechtsträger, die WASG der übertragende. In der Kurzinformation heißt es daher: „Jedenfalls zivilrechtlich ist damit die Linkspartei.PDS mit der heutigen Partei DIE LINKE. identisch.“ Die Linkspartei.PDS wiederum sei aus der SED hervorgegangen, die 1989 ihren Namen um den Zusatz PDS ergänzt und sich 1990 in PDS und 2005 in Linkspartei.PDS umbenannt habe. Namensänderungen berührten die rechtliche Identität ebenso wenig wie ein Wechsel zwischen eingetragenem und nicht eingetragenem Verein. Die Kurzinformation gibt auch eine abweichende Auffassung aus dem Schrifttum wieder, nach der mit der Fusion von 2007 verfassungsrechtlich eine neue Partei entstanden sei3.

Die deutlichere Fassung ist älter. Die Unabhängige Kommission zur Überprüfung des Vermögens der Parteien und Massenorganisationen der DDR (UKPV) berichtete dem Bundestag 1998, die Partei habe sich weder neu gegründet, noch habe ein Wechsel der Mitglieder stattgefunden. Deshalb sei die PDS nicht bloß Rechtsnachfolgerin der SED, sondern mit ihr identisch. Die Kommission brauchte dafür sieben Wörter: „Sie ist die in PDS umbenannte SED“2.

Das Bundesverfassungsgericht folgte derselben Grammatik. Als die PDS 1991 vor dem Gericht gegen die treuhänderische Verwaltung ihres Vermögens vorging, schrieb es von Vermögenswerten, „die sie als Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) erlangt hatte“, und fügte hinzu, in der DDR habe sie die Stellung einer Staatspartei innegehabt4. Entscheidend ist das Pronomen. Die Antragstellerin vor dem Gericht und die Partei, die die Mauer gebaut hat, sind ein einziges grammatisches Subjekt.

Auch die Anschrift hat sich seither nicht geändert. Im Verfahren von 1991 gab die PDS die Kleine Alexanderstraße 28 in Berlin, das Karl-Liebknecht-Haus, als ihre Anschrift an42; dieselbe Anschrift hat Die Linke heute bei der Bundeswahlleiterin hinterlegt5.

Die Antragstellerin vor dem Gericht und die Partei, die die Mauer gebaut hat, sind ein einziges grammatisches Subjekt.

Warum sie die Partei behielten

Aufschlussreicher als das Überleben der Partei ist, warum sie überleben wollte.

Die Darstellung der UKPV ist nüchtern. Die Gruppe um Hans Modrow, Gregor Gysi und Markus Wolf kam mit zwei Zielen zum Parteitag im Dezember: „die Auflösung der Partei zu verhindern und eine neue Führung zu wählen“. Sie erreichte beide. Bei der Frage, ob die Partei zu retten sei, spielte nach dem Bericht der Kommission, soweit ersichtlich, erstmals auch ihr Vermögen eine bestimmende Rolle. Gysi, der am nächsten Morgen mit rund 95 Prozent der Stimmen zum Vorsitzenden gewählt wurde, sagte im Saal, Auflösung und Neugründung wären eine Katastrophe: „Das Eigentum der Partei wäre zunächst herrenlos“. Anschließend würden sich mehrere neue Parteien gründen und vor Gericht um die Rechtsnachfolge streiten2.

Mitte Dezember ließ die Partei Gutachten dazu erarbeiten, was eine Namensänderung für ihr Vermögen bedeuten würde. Im Ergebnis stand dort, so hält es die Kommission fest, was die Partei brauchte: Eine Umbenennung ändere nichts an der Existenz einer Partei und ihrem Weiterbestehen als juristische Person, sofern sie sich nicht auflöse oder neu konstituiere2.

Die Kritiker haben recht: Die Kontinuität gab es wirklich, sie war gewollt, und ein bestimmendes Motiv war Geld. Es war nicht das einzige. Der Delegierte Benser wendet ein, wer die Entscheidung auf das Parteivermögen und die Arbeitsplätze der Hauptamtlichen reduziere, verkenne, was für die deutsche Linke insgesamt auf dem Spiel gestanden habe1. So oder so bedeutete die Kontinuität, dass die Partei selbst für das Geld einstehen musste.

Was aus der Identität folgte

Rechtsidentität sagt nichts Metaphysisches über die Seele einer Partei; sie regelt, wer was schuldet. In diesem Fall wurde die Regel gegen die Partei durchgesetzt, und zwar gründlich.

Weil die PDS die SED war, behielt sie mit deren Gebäuden auch deren Schulden. Im Oktober 1989 hatte die SED rund 44.000 hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigt. Bis Ende Juni 1990 zahlte die PDS den Ausgeschiedenen Überbrückungsgeld von umgerechnet 41 Millionen D-Mark und im zweiten Halbjahr weitere 67 Millionen D-Mark an Abfindungen, nach einem Sozialplan, den die UKPV als ungewöhnlich großzügig einstufte2. Der Beschluss des Bundesverfassungsgerichts von 1991 behandelt diese Personalkosten als Verbindlichkeiten der PDS selbst. Er hält die Zusage der Bundesregierung fest, die Partei könne für Löhne, Gehälter und Abfindungen der von der SED übernommenen Beschäftigten auf das treuhänderisch verwaltete Vermögen zurückgreifen, selbst wenn es mehr Beschäftigte seien, als für eine Partei ihrer Größe angemessen sei. So sollten diese Schulden nicht die Einnahmen aufzehren, die die Partei für ihre gewöhnliche Arbeit brauchte4.

Dann verlor sie den Rest. Der Schlussbericht der Kommission beschreibt eine Partei, die von Anfang an zögerlich und taktisch mitwirkte. Die SED/PDS „verfolgte eine Strategie der Vermögensverschleierung“6. Die PDS hatte ihr am 7. Oktober 1989 vorhandenes Geldvermögen nie von den danach eingegangenen Mitgliedsbeiträgen und Spenden getrennt, und sie hatte stets weit mehr ausgegeben, als diese einbrachten. Deshalb galt nichts von ihrem Geld als rechtsstaatlich erworben. Zum 31. August 1991 ließ die Treuhandanstalt alle Gelder der PDS auf Konten der Treuhandanstalt übertragen: 205,7 Millionen D-Mark. Ab dem 1. September musste die Partei allein mit Neuvermögen wirtschaften6. Die PDS zog gegen fast jeden Bescheid der Treuhandanstalt vor Gericht. Der Streit endete am 18. Juli 1995 mit einem Vergleich vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin. Im Bericht heißt es dazu: „Die PDS nahm alle Klagen und Restitutionsanträge zurück und verzichtete unwiderruflich auf ihr gesamtes Altvermögen.“ Im Gegenzug: „Die PDS ihrerseits erhielt vier Grundstücke zurück“. Zwei davon hatten vor 1933 der KPD gehört6. Eines der vier ist das Karl-Liebknecht-Haus, in der Weimarer Zeit die Parteizentrale der KPD2.

Mit eingezogenem Vermögen, Verkäufen, zurückgezahlten Darlehen und Zinsen waren bis Ende 2005 rund 1,17 Milliarden Euro aus dem Vermögen der Partei gesichert6.

Nicht nur der PDS blieb Parteivermögen aus DDR-Zeiten. Die westdeutsche CDU und die FDP übernahmen die Blockparteien der DDR, die kleineren Parteien, die ohne eigenen Einfluss in Volkskammer und Regierung saßen. Die DBD trat im August und September 1990 der CDU der DDR bei, und die CDU der DDR vereinigte sich am 1. und 2. Oktober 1990 mit der westdeutschen CDU. LDPD und NDPD, inzwischen im Bund Freier Demokraten vereint, traten im August 1990 der FDP bei, die deren Geld und sonstiges Vermögen übernahm6. Die Parallele betrifft das Erbe, nicht die Identität. Die PDS ist die SED unter anderem Namen. Die Landesverbände der Ost-CDU dagegen traten einer Partei bei, die es schon gab. Die Kommission nennt die westdeutsche CDU und die FDP Rechtsnachfolger der Blockparteien, obwohl sie den Zusammenschluss mit der FDP aus formalen Gründen für unwirksam erklärte und der FDP nur einen Teil des Vermögens ließ. Die heutige CDU ist die Erbin einer Partei, die in Regierung und Volkskammer der DDR saß, aber nicht diese Partei selbst6.

Es gibt zwei weitere Unterschiede. Nach dem Befund der Kommission „hatte die PDS mit Abstand das umfangreichste Vermögen“ aller untersuchten Organisationen6. Und am 15. November 1990 verzichtete die CDU unwiderruflich auf das gesamte treuhänderisch verwaltete Altvermögen der CDU der DDR; sie behielt nur deren Geldmittel6. Das war mehr als viereinhalb Jahre, bevor die PDS dasselbe tat, in einem Vergleich, der ihre Klagen beendete.

Die Toten

Bleiben die Toten an der Mauer, der Teil, um den es den meisten geht.

Zwischen 1961 und 1989 wurden mindestens 140 Menschen an der Berliner Mauer getötet oder kamen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Grenzregime ums Leben. Die Zahl stammt aus einem gemeinsamen Projekt des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam und der Stiftung Berliner Mauer, das 576 Todes- und Verdachtsfälle untersuchte und zu jedem der 140 eine Biografie veröffentlichte78. Das Projekt unterscheidet fünf Fallgruppen. Die fünfte sind die Grenzsoldaten der DDR selbst: acht der 140, im Dienst getötet von Fahnenflüchtigen, von Kameraden, von einem Flüchtling, von einem Fluchthelfer und von einem West-Berliner Polizisten87.

Es gibt andere Zählungen. Ihre Unterschiede laufen auf zwei Fragen hinaus: Wer gilt als Opfer, und was gilt als Beleg? Staatsanwaltschaft und Polizei zählten nur Todesfälle, die auf einen Gewaltakt zurückgingen. Zu den 140 gehören auch Menschen, die beim Versuch, die Grenze zu überwinden, ertranken, abstürzten oder sich das Leben nahmen97.

Sechs Zählungen der Toten an der Mauer

Menschen, die zwischen 1961 und 1989 an der Berliner Mauer ums Leben kamen, nach der Zählung der jeweiligen Stelle. Nur die Zählung von ZZF und Stiftung Berliner Mauer belegt jeden Todesfall mit einer veröffentlichten Biografie. Staatsanwaltschaft und ZERV veröffentlichten keine Namen, und die Arbeitsgemeinschaft 13. August hat die Quellen ihrer Listen nie offengelegt.

Zentrale Erfassungsstelle Salzgitter Bericht von 1991; nur Schüsse und Minen Zentrale Erfassungsstelle Salzgitter: 78 Tote an der Berliner Mauer 78 Staatsanwaltschaft Berlin nur nachgewiesene Gewaltakte; keine Namen veröffentlicht Staatsanwaltschaft Berlin: 86 Tote an der Berliner Mauer 86 Der Polizeipräsident in Berlin Zählung der Polizei Der Polizeipräsident in Berlin: 92 Tote an der Berliner Mauer 92 ZERV, Ermittler der Polizei nur Verdacht auf Straftaten, keine Unfälle; keine Namen veröffentlicht ZERV, Ermittler der Polizei: 122 Tote an der Berliner Mauer 122 ZZF Potsdam / Stiftung Berliner Mauer 576 Fälle geprüft, 140 Biografien veröffentlicht ZZF Potsdam / Stiftung Berliner Mauer: 140 Tote an der Berliner Mauer 140 Arbeitsgemeinschaft 13. August „mehr als 200“; Listen veröffentlicht, Quellen nie offengelegt Arbeitsgemeinschaft 13. August: mehr als 200 Tote an der Berliner Mauer mehr als 200 Überall derselbe Ort und Zeitraum: Berliner Mauer, 1961 bis 1989. Jede Stelle zählte andere Arten von Todesfällen zu einem anderen Zweck: Strafverfolgung, Polizeiarbeit, Geschichtsschreibung.
Die Zahlen
Gezählt vonTote an der Berliner MauerGrundlage
Zentrale Erfassungsstelle der Landesjustizverwaltungen, Salzgitter78ihr Bericht von 1991; nur Tote durch Schüsse und Minen
Staatsanwaltschaft Berlin86nur Todesfälle, die nachweislich auf einem Gewaltakt beruhten; keine Namen veröffentlicht
Der Polizeipräsident in Berlin92Zählung der Polizei
ZERV, Zentrale Ermittlungsstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität122nur Verdacht auf Straftaten, keine Unfälle; keine Namen veröffentlicht
ZZF Potsdam und Stiftung Berliner Mauer140576 Fälle geprüft; zu jedem der 140 eine veröffentlichte Biografie
Arbeitsgemeinschaft 13. Augustmehr als 200Namenslisten veröffentlicht; ihre Quellen nie offengelegt
Zahlen nach der Zusammenstellung von Hans-Hermann Hertle und Maria Nooke, Die Todesopfer an der Berliner Mauer 1961–1989, ZZF Potsdam und Stiftung Berliner Mauer, August 2017, S. 1; zum Zustandekommen der älteren Zählungen: Hans-Hermann Hertle und Gerhard Sälter, Die Todesopfer an Mauer und Grenze, Deutschland Archiv 39 (2006), S. 668–674; die 140 und ihre Methode: Hertle und Nooke sowie Chronik der Mauer, Stand 9. August 2017.

Man sollte sich an die Zahl halten, hinter der 140 veröffentlichte Biografien stehen, auch wenn sie nicht die größte ist. Eine Zählung, die jeden Todesfall mit einer Biografie und deren Quellen belegt, ist etwas anderes als eine, die das nicht tut. Die Regel dieser Zeitung lautet, diesen Unterschied zu zeigen, statt ihn in einem Mittelwert verschwinden zu lassen.

Über Berlin hinaus weitet sich das Bild. Der Forschungsverbund SED-Staat an der Freien Universität Berlin zählte für die Jahre 1949 bis 1989 an der innerdeutschen Grenze 327 Todesopfer des Grenzregimes, darunter 24 im Dienst getötete Grenzsoldaten und 44 Angehörige der Grenztruppen, die sich das Leben nahmen10. Diese Kategorien sind umstritten. Gerhard Sälter von der Stiftung Berliner Mauer hat in einem Aufsatz argumentiert, bis zu hundert der aufgeführten Todesfälle hielten einer eingehenden Prüfung womöglich nicht stand11. Eine archivierte Seite der Bundesregierung nennt mindestens 140 Tote an der Mauer und mindestens 260 an der innerdeutschen Grenze. Höhere Zahlen, die anderswo genannt würden, beruhten auf wissenschaftlich umstrittenen Kategorien oder unsicheren Quellen, heißt es dort in einer Fußnote12. Die Stiftung Berliner Mauer geht für das Grenzregime insgesamt von rund 650 Opfern als Näherungswert aus; darin sind auch die Menschen enthalten, die in der Ostsee ums Leben kamen13.

Dass die Schüsse Politik waren und kein Zufall, steht außer Zweifel. Der Beschluss des Bundesverfassungsgerichts von 1996 zu den Mauerschützen gibt die Dokumente wieder. Ein Beschluss des Nationalen Verteidigungsrates vom 14. September 1962 verlangte, dass Grenzverletzer „in jedem Fall als Gegner gestellt, wenn notwendig, vernichtet werden müssen“. Die Vergatterung, die jedem Zug vor dem Dienst verlesen wurde, wies ihn an, keine Grenzdurchbrüche zuzulassen und Grenzverletzer festzunehmen „oder zu vernichten“. In einer Sitzung des Nationalen Verteidigungsrates am 3. Mai 1974 sagte Erich Honecker, bei Grenzdurchbruchsversuchen müsse nach wie vor rücksichtslos von der Schusswaffe Gebrauch gemacht werden, und Genossen, die die Schusswaffe erfolgreich angewandt hätten, seien zu belobigen1415.

Das Landgericht Berlin, dessen Feststellungen das Bundesverfassungsgericht wiedergibt, stellte außerdem fest, einen förmlichen, schriftlich fixierten Schießbefehl habe es nie gegeben. Das habe aber nichts geändert. Den Grenzsoldaten sei mündlich vermittelt worden, notfalls sei der Tod eines Flüchtlings in Kauf zu nehmen, um einen Grenzdurchbruch zu verhindern, und die Praxis sei bewusst über den Wortlaut der Gesetze und der schriftlichen Befehle hinausgegangen14.

Das Ende kam über dieselbe Befehlskette. Am 3. April 1989, sieben Monate vor der Maueröffnung, gab Fritz Streletz in Vertretung des Verteidigungsministers den Unmut des Generalsekretärs über die jüngsten Vorkommnisse an der Grenze an die Führung der Grenztruppen weiter. Deren Niederschrift über die Rücksprache hält die neue Regel in einer Zeile fest: „Lieber einen Menschen abhauen lassen, als in der jetzigen politischen Situation die Schußwaffe anzuwenden“16.

Wer vor Gericht stand

Deutschland hat diese Taten sehr wohl strafrechtlich verfolgt, in einem Umfang, den man gern unterschätzt, und mit Ergebnissen, die man gern überschätzt.

Wegen DDR-Unrechts wurden, Spionage ausgenommen, Ermittlungsverfahren gegen rund 100.000 Menschen eingeleitet. Etwas mehr als 750 wurden rechtskräftig verurteilt, und 46 erhielten eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung (eigene Berechnung nach der Tabelle der Strafen in der Studie der Humboldt-Universität, die diese Zahlen zusammengetragen hat). Rainer Eppelmann, Vorstandsvorsitzender der Stiftung, die die Studie herausgab, zog in seinem Geleitwort den Schluss: Wer vor diesem Hintergrund von Siegerjustiz spricht, „macht sich lächerlich“17.

Allein wegen Gewalttaten an der Grenze wurde 466-mal Anklage erhoben, gegen 450 verschiedene Personen. In 385 Fällen endete das Verfahren mit einem rechtskräftigen Urteil, in 275 davon mit einer Verurteilung17. In den Berliner und Neuruppiner Verfahren, die die Chronik der Mauer den Todesschüssen an der Berliner Mauer zurechnet, wurden 164 Personen verurteilt: zehn Mitglieder der SED-Führung, 54 der militärischen Führung und 100 Grenzsoldaten18.

Wer verurteilt wurde und zu welchen Strafen

Oben: alle, die in den Berliner und Neuruppiner Verfahren verurteilt wurden. Die Chronik der Mauer rechnet sie den Todesschüssen an der Berliner Mauer zu, die Prozesse gegen die Führung betrafen aber auch Tote an der innerdeutschen Grenze. Unten: jede Verurteilung wegen Gewalttaten an der innerdeutschen Grenze, bundesweit, nach der verhängten Strafe.

Verurteilt in den Berliner und Neuruppiner Verfahren Mitglieder der SED-Führung Mitglieder der SED-Führung: 10 verurteilt 10 Mitglieder der militärischen Führung Mitglieder der militärischen Führung: 54 verurteilt 54 Grenzsoldaten Grenzsoldaten: 100 verurteilt 100 Insgesamt 164 Personen, darunter keine Organisation: Das deutsche Strafrecht verurteilt nur Menschen. Alle Verurteilungen wegen Gewalttaten an der Grenze, bundesweit, nach Strafe Freiheitsstrafe auf Bewährung: 236 Freiheitsstrafe ohne Bewährung: 30 schuldig, keine Strafe verhängt: 8 Geldstrafe: 1 236 30 236 auf Bewährung 30 ohne Bewährung; 8 ohne Strafe; 1 Geldstrafe Von 466 Anklagen (gegen 450 Personen) endeten 385 mit rechtskräftigem Urteil, 275 mit Verurteilung. Jede Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren wurde ausgesetzt, obwohl der Vorwurf stets Totschlag lautete.
Die Zahlen
Verfahren in Berlin und NeuruppinVerurteilt
Mitglieder der SED-Führung10
Mitglieder der militärischen Führung54
Grenzsoldaten100
Insgesamt164
Alle Verfahren wegen Gewalttaten an der Grenze, bundesweitAnklagen
Erhoben (gegen 450 Personen)466
Mit rechtskräftigem Urteil beendet385
Freigesprochen110
Verurteilt275
– Freiheitsstrafe auf Bewährung236
– Freiheitsstrafe ohne Bewährung30
– schuldig, keine Strafe verhängt8
– Geldstrafe1
Die 164 und ihr Rang: Chronik der Mauer, FAQ, Frage 36. Die bundesweiten Zahlen: Klaus Marxen, Gerhard Werle und Petra Schäfter, Die Strafverfolgung von DDR-Unrecht. Fakten und Zahlen, Berlin 2007, Tabellen 21 bis 23, S. 41–43, und S. 47. Die beiden Blöcke decken verschiedene Gebiete ab: oben Berlin und Neuruppin, unten das ganze Bundesgebiet.

Die Abstufung nach Rang war gewollt. Grenzsoldaten, die wegen vorsätzlicher Tötung verurteilt wurden, erhielten in der Regel Bewährungsstrafen. Die deutlich höheren Strafen, die auch zu vollstrecken waren, trafen Angehörige der militärischen und politischen Führung sowie Grenzsoldaten, die über ihre Befehle hinausgegangen waren. Die Autoren der Studie, Klaus Marxen, Gerhard Werle und Petra Schäfter, sehen darin einen Beleg dafür, dass die Gerichte die individuelle Schuld sorgfältig gewichtet haben. Bei der Strafzumessung, merken sie an, hätten die Richter die einfachen Grenzsoldaten in gewisser Weise selbst als Opfer angesehen17.

Die Führung musste durchaus ins Gefängnis, wenn auch nicht lange. Heinz Keßler, der Verteidigungsminister, wurde zu siebeneinhalb Jahren verurteilt, sein Stellvertreter Fritz Streletz zu fünfeinhalb. Das Landgericht Berlin hatte beide wegen Anstiftung zum Totschlag verurteilt; in der Revision sprach der Bundesgerichtshof sie als mittelbare Täter schuldig und ließ die beiden Strafen unverändert. Hans Albrecht, Mitglied des Nationalen Verteidigungsrates, war zunächst nur wegen Beihilfe verurteilt worden; seine Strafe wurde von viereinhalb Jahren auf fünf Jahre und einen Monat erhöht1914. Keßler und Streletz verbüßten ihre Strafen im offenen Vollzug und kamen nach etwa zwei Dritteln frei19. Egon Krenz, Honeckers Nachfolger an der Parteispitze, wurde im August 1997 als mittelbarer Täter wegen vier Todesfällen, darunter dem von Chris Gueffroy, zu sechseinhalb Jahren verurteilt und im Dezember 2003 auf Anordnung des Berliner Kammergerichts vorzeitig entlassen1920. Günter Schabowski und Günther Kleiber, beide frühere Mitglieder des Politbüros, wurden zu drei Jahren verurteilt und verbüßten etwa neun Monate im offenen Vollzug, bevor der Regierende Bürgermeister von Berlin sie zum zehnten Jahrestag der Einheit begnadigte21. Der Prozess gegen Erich Honecker wurde im Januar 1993 eingestellt, weil er im Sterben lag; am nächsten Tag reiste er nach Chile aus22.

Die Urteile hielten jeder Überprüfung stand. Der Bundesgerichtshof entschied, die Staatspraxis der DDR könne die Tötungen nicht rechtfertigen, weil sie offensichtlich und unerträglich gegen elementare Gebote der Gerechtigkeit und gegen völkerrechtlich geschützte Menschenrechte verstoßen habe. Zudem machte er sich die Lehre von der mittelbaren Täterschaft kraft Organisationsherrschaft zu eigen, um die Männer zu erreichen, die die Befehle unterschrieben, und nicht nur jene, die abdrückten15. Das Bundesverfassungsgericht wies die daraufhin erhobenen Verfassungsbeschwerden im Oktober 1996 zurück14. Im März 2001 entschied die Große Kammer des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, das Rückwirkungsverbot sei nicht verletzt worden: einstimmig in den Fällen Streletz, Keßler und Krenz, mit vierzehn zu drei Stimmen im Fall eines Grenzsoldaten, der wegen einer Tötung im Jahr 1972 vor Gericht gestanden hatte1923.

Warum sich Schuld nicht vererben lässt

In keinem dieser Verfahren saß eine Organisation auf der Anklagebank, auch die SED nicht, denn das deutsche Strafrecht verurteilt nur Menschen. Damit gehört Deutschland zu einer Minderheit. Von den 40 Vertragsstaaten des OECD-Übereinkommens gegen Bestechung, die 2016 die Verantwortlichkeit von Organisationen geregelt hatten, sahen 27 eine strafrechtliche Verantwortlichkeit vor, zwei kannten beide Wege, und Deutschland gehörte zu den elf mit einem nicht strafrechtlichen Ansatz24. Zentrale Vorschrift ist hierzulande eine Geldbuße nach dem Gesetz über Ordnungswidrigkeiten. Ein Gesetzentwurf der Bundesregierung von 2020, der sie verschärfen sollte, nur für Unternehmen und weiterhin ohne Unternehmensstrafrecht, wurde nie Gesetz24. Seit 2013 kann diese Geldbuße auch gegen den Gesamtrechtsnachfolger einer Organisation festgesetzt werden; sie darf aber den Wert des übernommenen Vermögens nicht übersteigen25. Nach deutschem Recht lässt sich eine Bilanz vererben. Eine Verurteilung nicht.

Dahinter steht ein Grundsatz, kein Betriebsunfall des Gesetzgebers: Das deutsche Strafrecht beruht auf persönlicher Schuld. Das Bundesverfassungsgericht hat wiederholt entschieden, dass der Schuldgrundsatz Verfassungsrang hat, verankert in der Menschenwürde und im Rechtsstaatsprinzip: „Der Grundsatz ‚Keine Strafe ohne Schuld‘ (nulla poena sine culpa) setzt die Eigenverantwortung des Menschen voraus“, eines Menschen also, der sein Handeln selbst bestimmt und zwischen Recht und Unrecht wählen kann. Eine strafrechtliche Reaktion ohne Feststellung der individuellen Vorwerfbarkeit wäre, so das Gericht, mit der Garantie der Menschenwürde unvereinbar26. Sanktionen gegen Organisationen verbietet all das nicht; sie seien dem deutschen Rechtssystem nicht fremd, befand das Gericht 1966. Es fügte aber hinzu, eine juristische Person könne selbst nicht handeln, weshalb nur die Schuld der für sie verantwortlich handelnden Personen maßgebend sein könne27.

Deshalb steht am Ende der Verfahren eine Liste von Namen. Marxen, Werle und Schäfter formulieren es so: Die Bestrafung als Akt individueller Zurechnung führe der Gesellschaft vor Augen, „dass bestimmte Personen und nicht etwa Apparate und Kollektive die schweren Menschenrechtsverletzungen geplant, organisiert und vollzogen haben“. Damit werde die Bedeutung von Hierarchien und Indoktrination nicht geleugnet, fügen sie hinzu; sie werde bei der Strafzumessung berücksichtigt. Der Schuldspruch mache aber klar, dass der Verweis auf kollektive Strukturen niemanden von der persönlichen Verantwortung für die Menschenrechtsverletzungen entlasten könne17.

Nach deutschem Recht lässt sich eine Bilanz vererben. Eine Verurteilung nicht.

Die Antwort lautet also nein: Die rechtliche Identität macht Die Linke nicht schuldig am Tod der Menschen an der Mauer, und der Grund hat nichts mit einer Bevorzugung dieser Partei zu tun. Das Strafrecht kennt keinen Weg, diese Toten irgendeiner Organisation zur Last zu legen, ob umbenannt oder nicht. Auch 1990 kannte es für die SED keinen, als es leicht und populär gewesen wäre, einen zu finden.

Doch die Sache hat eine zweite Seite. Der Bundestag hat der SED als Partei Verantwortung zugewiesen, im gewöhnlichen, nicht strafrechtlichen Sinn. Am 17. Juni 1994 nahm er eine Entschließung zum Bericht seiner ersten Enquete-Kommission zur SED-Diktatur an. Eingebracht hatten sie CDU/CSU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen gemeinsam. Darin heißt es: „Die Hauptverantwortung für das Unrecht, das von diesem System begangen wurde, trägt die SED“. Das Leid sei in der Hauptsache der SED als Partei anzulasten, in erster Linie ihrer Führung; Mitverantwortung trügen auch die Blockparteien und Massenorganisationen28. Ein Jahr später ging derselbe Satz in den Einsetzungsauftrag der zweiten Enquete-Kommission ein29. Das ist ein Befund des gewählten Parlaments, und er betrifft die Partei und ihre Führung, nicht namentlich genannte Einzelne.

Zu diesem Befund gehört eine Unterscheidung. Anders als bei den Opfern der nationalsozialistischen Verbrechen, schreibt Sälter, war der Tod der Menschen an der Grenze von der SED-Führung nicht beabsichtigt. In der Sprache der Strafgerichte wurde er billigend in Kauf genommen11. Diese Inkaufnahme werteten die Gerichte als Vorsatz, als sie Grenzsoldaten verurteilten14.

Bei der politischen Verantwortung lautet die Antwort des Parlaments für die SED also ja, und eine Partei, die deren rechtliche Identität behalten hat, kann sich davon schwer lossagen. Bei der strafrechtlichen Schuld lautet sie nein, und erben kann diese Schuld niemand.

Dieselbe Partei, andere Mitglieder

Es gibt noch eine Bedeutung von „dieselbe“, die zu prüfen ist. Die meisten Menschen meinen sie, und bei ihr ist die Behauptung am schwächsten.

Im Mai 1989 hatte die SED 2.260.979 Mitglieder und 64.016 Kandidaten30. Ende 1990 hatte die PDS 280.88231. Danach ging es drei Jahrzehnte lang bergab, mit einer Pause nach der Fusion von 20073132.

Zweieinviertel Millionen, dann fünfzigtausend

Mitglieder der SED und der Partei, die sie fortsetzt. Der Balken für 1989 ist unterbrochen, weil die SED achtmal so groß war wie die Partei, zu der sie bis Ende 1990 geworden war.

SED, Mai 1989: 2.324.995 Mitglieder und Kandidaten SED, Mai 1989: 2.324.995 Mitglieder und Kandidaten 2.324.995 1989 SED, Mai 1990: 280.882 Mitglieder 280.882 1990 1995: 114.940 Mitglieder 114.940 1995 2000: 83.475 Mitglieder 83.475 2000 2005: 61.270 Mitglieder 61.270 2005 2007: 71.711 Mitglieder 71.711 2007 WASG-Fusion 2010: 73.658 Mitglieder 73.658 2010 2015: 58.989 Mitglieder 58.989 2015 2020: 60.350 Mitglieder 60.350 2020 2023: 50.251 Mitglieder 50.251 2023 Tiefpunkt 2025: 123.558 Mitglieder 123.558 2025 Der Balken für 1989 ist unterbrochen und nicht maßstäblich: Die SED war 8-mal so groß wie die Partei von 1990, nicht 1,3-mal, wie der Balken nahelegt. 1990 bis 2023 nach Niedermayer, 2025 nach der Partei.
Die Zahlen
Jahr (31. Dezember)Mitglieder
1989 (Mai)2.324.995SED, Mitglieder und Kandidaten
1990280.882PDS
1995114.940
200083.475
200561.270
200771.711Fusion mit der WASG
201073.658
201558.989
202060.350
202350.251der Tiefpunkt
2025123.558Angabe der Partei selbst
1989: Bundeszentrale für politische Bildung (2.260.979 Mitglieder und 64.016 Kandidaten, Mai 1989). 1990 bis 2023: Oskar Niedermayer, Parteimitglieder in Deutschland: Version 2025, Tabelle 1, und die Ausgabe 2020 für die früheren Jahre. 2025: Angabe der Partei selbst.

Niedermayer fasst zusammen: Ende 2024 zählte die Partei trotz der WASG-Fusion und des jüngsten Wachstums mit 58.532 Mitgliedern 79 Prozent weniger als die PDS Ende 199032. Dann änderte sich etwas. Im Februar 2025 überschritt die Partei die Marke von 100.000 Mitgliedern33, rund um die Bundestagswahl, bei der sie 8,8 Prozent der Zweitstimmen und 64 Sitze holte34. Zum Jahresende waren es 123.55835.

Entscheidend sind die Neuen. 2024 war Die Linke die jüngste der Parteien, die Niedermayer erfasst: Ihre Mitglieder waren im Schnitt 45 Jahre alt, die der SPD 62. Die neuen Mitglieder der Linken waren in jenem Jahr im Schnitt 2932. Wer Ende 2024 29 Jahre alt war, ist um 1995 geboren und war noch nicht auf der Welt, als die Mauer fiel.

Soweit ersichtlich, hat nie jemand erhoben, wie viele der heutigen Mitglieder der Linken einst der SED angehörten. Niedermayers Reihe beruht auf den Mitgliederdateien der Parteien selbst und erfasst Geschlecht, Alter und Region, aber keine frühere Parteizugehörigkeit32. Was es gibt, sind Schätzungen für die frühen Jahre. Der Politikwissenschaftler Patrick Moreau berichtete von einer Tagung der PDS im April 1991, auf der es hieß, 95 Prozent der PDS-Anhänger seien ehemalige SED-Mitglieder36. Für die Mitte der 1990er-Jahre nennt Viola Neu eine Schätzung von 90 Prozent und fügt hinzu, genaue Angaben lägen nicht vor37. 2008 schrieben die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages, von den knapp 60.000 Mitgliedern, die die Partei vor der Fusion von 2007 hatte, hätten ihr die meisten schon zu Zeiten der SED angehört38. Aus der Partei kommt eine Zahl, die in die andere Richtung weist: 2020 sagte ihre Co-Vorsitzende Katja Kipping im Bundestag, sie könne es der Partei leicht machen und sagen, mindestens 80 Prozent der Mitglieder seien garantiert nie in der SED gewesen, weil sie zu jung gewesen oder viel später eingetreten seien. Eine Quelle nannte sie nicht39. Der Rezensent eines neueren Buches über die Integration der Partei weist auf eine verwandte Lücke hin: Das Buch biete keine tiefere Sozialgeschichte des Funktionärskorps und der Mitgliedschaft40. Das Alter engt es weiter ein. Ende 2024 waren 61 Prozent der Mitglieder höchstens 50 Jahre alt (eigene Berechnung nach Niedermayers Alterstabelle), beim Mauerfall also höchstens 1532.

Was die Partei noch schuldet

Wenn die strafrechtliche Frage erledigt ist und die Vermögensfrage 1995 geregelt wurde, bleibt, was die Partei selbst zur Mauer gesagt hat. Hier ist das Bild uneinheitlich.

Die Rede, die alle zitieren, wurde gehalten, als der Parteitag eine Woche später wieder zusammentrat. Am 16. Dezember 1989 sagte Michael Schumann dort: „Wir brechen unwiderruflich mit dem Stalinismus als System“. Die Rede ist bis heute der Gründungsakt der Selbstkritik der Partei41. Liest man sie ganz, sind die Opfer, von denen sie spricht, allerdings die Opfer des Stalinismus: Kommunisten, die in der Sowjetunion verurteilt oder verbannt wurden, Sozialdemokraten, die von den Sicherheitsorganen verhaftet wurden, Menschen, die nach 1956 inhaftiert wurden, die Rehabilitierung der Verfolgten. Das Wort Mauer kommt darin kein einziges Mal vor. Das Grenzregime erscheint in einem einzigen Nebensatz: Die alte Führung habe nicht begriffen, dass sich die DDR auf dessen Veränderung einzustellen hatte. Die Menschen, die an der Grenze starben, kommen gar nicht vor41.

In den Programmen der Partei zeigt sich dasselbe Muster. Das 2011 beschlossene Erfurter Programm, das bis heute gilt, während eine Überarbeitung läuft, zitiert die Formel von 1989 und macht sie sich zu eigen, schränkt sie dann aber sofort ein: Die Geschichte der DDR und der SED auf den Stalinismus zu verkürzen, sei „unhistorisch und unwahr“. Es folgt eine Passage über Filme, Romane und bildende Kunst der DDR42. Das Programm spricht durchaus von staatlicher Willkür und von einem Überwachungsapparat gegen die eigene Bevölkerung. Die Wörter Unrechtsstaat und Staatssicherheit kommen darin aber überhaupt nicht vor. Unrecht steht einmal darin, in einer Passage, die daran erinnert, dass die PDS 1990 die Gläubigen um Versöhnung bat, und die einzige Mauer ist die Chinesische Mauer, in dem Brecht-Gedicht, mit dem der Text beginnt42.

Eine Ausnahme gab es in Thüringen, und sie war schwer errungen. Der Koalitionsvertrag von 2014, mit dem Bodo Ramelow der erste Ministerpräsident der Linken in einem deutschen Land wurde, enthält eine Präambel. Ihr zufolge konnten in der DDR Recht und Gerechtigkeit enden, wann immer einer der Mächtigen es wollte; unter anderem deshalb „war die DDR in der Konsequenz ein Unrechtsstaat“43. Die Bundesvorsitzenden verteidigten die Präambel. Bernd Riexinger sagte: „Wir stehen voll und ganz hinter der Formulierung, die in den Thüringer Sondierungen mit SPD und Grünen gefunden wurde“44.

Diese Zitate stammen aus einem Aufsatz von Sebastian Prinz in der Zeitschrift der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung. Er hält auch die Zweifler fest. Die Verhandlungsdelegation schrieb den Mitgliedern: „Wenn es allein nach uns, der Verhandlungsdelegation der Linken gegangen wäre, hätten wir auf den Begriff verzichtet.“ Auf die Frage, warum er schließlich doch zugestimmt habe, antwortete Gysi: „Die andere Seite hat darauf bestanden“44. Warum er selbst den Begriff ablehnt, erklärte er in einem Interview: Die DDR sei eine Diktatur und kein Rechtsstaat gewesen, aber „wenn ich Unrechtsstaat sage, delegitimiere ich alles, das Leben fast aller Bürger“45. Die Historische Kommission der Partei distanzierte sich von der Präambel; ihr Sprecher nannte den Begriff „eine politisch stigmatisierende Bezeichnung“, die für den wissenschaftlichen Diskurs ungeeignet sei44.

Zur Mauer selbst ist die Akte länger, als das Programm vermuten lässt, und sie zeigt, wie lange ein einziges Wort brauchte. Der Parteitag vom Dezember 1989 entschuldigte sich im Namen der Partei beim Volk für die Krise, in die die alte Führung das Land geführt hatte1. Im Juli 2001, vierzig Jahre nach dem Mauerbau, erklärte der Parteivorstand der PDS, kein Ideal und kein höherer Zweck könne das mit der Mauer verbundene Unrecht rechtfertigen. Sein Gedenken gelte den an der Grenze zu Tode Gekommenen, den Verletzten und den Inhaftierten „sowie ihren Angehörigen“, und er bedauere das Unrecht, für das die SED verantwortlich gewesen sei. Dieselbe Erklärung begründet, warum der Vorstand sich nicht entschuldigt: Die Aufforderung dazu folge taktischem Kalkül46. Ein Antrag, den Satz „Wir bitten die Angehörigen der Maueropfer um Vergebung“ einzufügen, bekam im Vorstand zwei Stimmen47. Zehn Jahre später blieben die beiden Parteivorsitzenden beim Bedauern48. 2014 erneuerten die Vorsitzenden und Gysi eine Entschuldigung für begangenes Unrecht, allgemein gehalten und ohne die Mauer zu nennen49. Eine Entschuldigung, die die Mauer nennt, kam am 6. März 2020 im Bundestag. Kipping sagte: „Deshalb bitte ich heute im Namen der Linken alle, die unter der Mauer gelitten haben, erneut um Entschuldigung“. Im selben Atemzug entschuldigte sie sich bei allen, die Angehörige verloren haben39.

Nicht gefunden haben wir diesen Satz in irgendeinem Beschluss der Partei: weder in einem Parteitagsbeschluss noch in einem Beschluss ihres Vorstands noch in ihrem Programm, das die Mauer nicht erwähnt. Das sagt etwas über unsere Suche aus, nicht über die Welt, und wir freuen uns, wenn uns jemand einen solchen Beschluss schickt.

Zwei Bedeutungen von „dieselbe“

Die Behauptung trägt, der Schluss daraus nicht, und deshalb endet der Streit nie.

Die Linke ist die SED in dem Sinn, der für ein Register juristischer Personen, einen Gläubiger und ein Gericht zählt. Das war eine Entscheidung, im Dezember 1989 in einer Sporthalle getroffen, zu einem guten Teil des Geldes wegen, und am Ende ging das Geld trotzdem verloren. Die Partei gab fast das gesamte Altvermögen auf und behielt vier Grundstücke; rund 1,17 Milliarden Euro aus ihrem Vermögen wurden für das treuhänderisch verwaltete Vermögen gesichert.

Die Linke ist nicht die SED in dem Sinn, der für ein Strafgericht zählt, denn ein deutsches Strafgericht verhandelt gegen Menschen, nicht gegen Organisationen. Zu den 140 Menschen, die an der Berliner Mauer starben, gibt es 140 Biografien, und die Berliner und Neuruppiner Verfahren wegen der Tötungen an der Grenze endeten mit 164 verurteilten Einzelpersonen: zehn aus der Parteiführung, vierundfünfzig aus der militärischen Führung, hundert Grenzsoldaten. Diese Namensliste ist das, was ein Rechtssystem anstelle eines Urteils gegen ein Kollektiv hervorbringt.

Und sie ist nicht die SED in dem Sinn, der für jeden zählt, der fragt, wer da im Raum sitzt: eine Partei aus 123.558 Menschen, von denen mehr als die Hälfte allein 2025 eingetreten ist (eigene Berechnung)3235 und deren durchschnittliches Neumitglied des Jahres 2024 sechs Jahre nach dem Mauerfall geboren wurde.

Drei Zahlen

Was belegt ist.

140
Todesopfer an der Berliner Mauer, 1961–1989
576 Fälle geprüft; zu jedem der 140 gibt es eine veröffentlichte Biografie
164
Verurteilte in den Berliner und Neuruppiner Verfahren wegen der Tötungen an der Grenze
10 aus der Parteiführung, 54 aus der militärischen Führung, 100 Grenzsoldaten
29
Durchschnittsalter der Neumitglieder der Linken 2024
geboren um 1995, sechs Jahre nach dem Mauerfall
Tote an der Mauer: Chronik der Mauer. Verurteilungen: Chronik der Mauer, FAQ, Frage 36. Alter der Neumitglieder: Oskar Niedermayer, Parteimitglieder in Deutschland: Version 2025, S. 5.

Schuld lässt sich nicht vererben, und das Vermögen hat die Partei abgegeben. Geblieben ist ihr die Geschichte, denn sie wollte dieselbe Partei sein. Dazu hat sie mehr gesagt, als ihre Kritiker zugeben, aber sie hat es später gesagt, als ihre Verteidiger meinen: 2001 das Bedauern, 2020 die Entschuldigung ihrer Co-Vorsitzenden für die Mauer.

Im Parteiprogramm steht keines von beiden.

Quellen

  1. Günter Benser, „Außerordentlicher Parteitag der SED/PDS – Dezember 1989“, Historische Kommission der Partei DIE LINKE, 1. November 2014. Benser war Delegierter; für den Auflösungsantrag und die Abstimmung darüber zitiert er das gedruckte Parteitagsprotokoll (Karl Dietz Verlag, 1999), S. 91 und 98. ↩︎ ↩︎ ↩︎

  2. Unabhängige Kommission zur Überprüfung des Vermögens der Parteien und Massenorganisationen der DDR, „Bericht der Unabhängigen Kommission zur Überprüfung des Vermögens der Parteien und Massenorganisationen der DDR über das Vermögen der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED)“, Bundestagsdrucksache 13/11353, 24. August 1998, Band 2, S. 89–90 (Parteitag und Umbenennungen), 96 und 143–144 (Personal und Abfindungen), 234 (Gutachten zur Namensänderung), 316 (Karl-Liebknecht-Haus) und 322–324 (Vergleich). Die Gysi-Passage gibt die Kommission nach Neues Deutschland vom 9./10. Dezember 1989, S. 4, wieder. Die Kommission nennt für seine Wahl 95,82 Prozent; das gedruckte Parteitagsprotokoll (Karl Dietz Verlag, 1999, S. 158) verzeichnet 95,32 Prozent. ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  3. Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages, „Zur Fusion von politischen Parteien am Beispiel der Partei DIE LINKE.“, Kurzinformation WD 3 – 3000 – 061/23, 15. Mai 2023, S. 1–2. Die abweichende Auffassung, die sie wiedergibt, ist die von Limpert, Zeitschrift für Parlamentsfragen 2009, S. 154. ↩︎ ↩︎

  4. Bundesverfassungsgericht, Beschluss des Zweiten Senats vom 10. Juli 1991 – 2 BvE 3/91 – („Treuhandanstalt I“), BVerfGE 84, 290, S. 300 und 302 f. (Rn. 41, 48–49). Antragstellerin war die PDS. ↩︎ ↩︎ ↩︎

  5. Die Bundeswahlleiterin, „Verzeichnis der Parteien und politischen Vereinigungen, die gemäß § 6 Absatz 3 Parteiengesetz bei der Bundeswahlleiterin Parteiunterlagen hinterlegt haben“, Stand 1. Oktober 2026, Eintrag Die Linke: Kleine Alexanderstraße 28, 10178 Berlin. ↩︎

  6. Unabhängige Kommission zur Überprüfung des Vermögens der Parteien und Massenorganisationen der DDR, „Schlussbericht“, Unterrichtung durch die Bundesregierung, Bundestagsdrucksache 16/2466, 24. August 2006, S. 14–20. ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  7. Hans-Hermann Hertle und Maria Nooke, „Die Todesopfer an der Berliner Mauer 1961–1989“, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam und Stiftung Berliner Mauer, Potsdam und Berlin, August 2017, S. 1–8. Der Vergleich früherer Zählungen (78, 86, 92, 122 und mehr als 200) steht auf S. 1. ↩︎ ↩︎ ↩︎

  8. Chronik der Mauer, „Todesopfer“, abgerufen am 1. Oktober 2026. Stand der Zahl: 9. August 2017. ↩︎ ↩︎

  9. Hans-Hermann Hertle und Gerhard Sälter, „Die Todesopfer an Mauer und Grenze. Probleme einer Bilanz des DDR-Grenzregimes“, Deutschland Archiv 39 (2006), Heft 4, S. 667–676, hier S. 668–674. Beide Autoren arbeiteten an dem Projekt mit, aus dem die 140 stammen; hier beschreibt also eine Seite des Streits die anderen. ↩︎

  10. Freie Universität Berlin, „Studie: Dem DDR-Grenzregime fielen an der innerdeutschen Grenze insgesamt 327 Männer, Frauen und Kinder aus Ost und West zum Opfer“, Pressemitteilung 155/2017, 7. Juni 2017, zu Klaus Schroeder und Jochen Staadt (Hrsg.), Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes an der innerdeutschen Grenze 1949–1989, Peter Lang 2017. ↩︎

  11. Gerhard Sälter, „Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes, ihre Aufarbeitung und die Erinnerungskultur“, Deutschland Archiv, Bundeszentrale für politische Bildung, 12. August 2020. Sälter leitet die Forschung der Stiftung Berliner Mauer, die in dem Streit, den er beschreibt, selbst Partei ist. ↩︎ ↩︎

  12. Die Bundesregierung, „Eine traurige Bilanz“, archivierte Seite, abgerufen am 1. Oktober 2026. ↩︎

  13. Stiftung Berliner Mauer, „Todesopfer an der Berliner Mauer“, abgerufen am 1. Oktober 2026. ↩︎

  14. Bundesverfassungsgericht, Beschluss des Zweiten Senats vom 24. Oktober 1996 – 2 BvR 1851, 1853, 1875 und 1852/94 – („Mauerschützen“), BVerfGE 95, 96, S. 97 und 102–107 (Rn. 3, 34–64) sowie S. 111 (Rn. 75). § 27 des Grenzgesetzes vom 25. März 1982 (GBl. I S. 197) ist dort vollständig wiedergegeben. ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  15. Bundesgerichtshof, Urteil vom 26. Juli 1994 – 5 StR 98/94 –, BGHSt 40, 218, Rn. 64 (Staatspraxis kein Rechtfertigungsgrund) und Rn. 81 (mittelbare Täterschaft kraft Organisationsherrschaft); Honeckers Äußerungen vom 3. Mai 1974 stehen in Rn. 23, nach dem Protokoll des Sekretärs des Verteidigungsrates. ↩︎ ↩︎

  16. „Niederschrift über die Rücksprache beim Minister für Nationale Verteidigung am 3. April 1989“, datiert 4. April 1989, wiedergegeben von der Chronik der Mauer. Archivsignatur: BStU, MfS, HA I Nr. 5753, Bl. 2–5. ↩︎

  17. Klaus Marxen, Gerhard Werle und Petra Schäfter, „Die Strafverfolgung von DDR-Unrecht. Fakten und Zahlen“, Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin 2007, S. 3–4 (Geleitwort von Rainer Eppelmann), 32, 39, 41–43, 46–47 und 58. Tabelle 23 (S. 43) verzeichnet 580 Freiheitsstrafen, davon 534 auf Bewährung; es bleiben 46. Das Geleitwort nennt 40; das ist in der Studie die Zahl der Freiheitsstrafen von mehr als zwei Jahren (S. 44). ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  18. Chronik der Mauer, „FAQs - 36 Fragen und Antworten“, Frage 36, abgerufen am 1. Oktober 2026. ↩︎

  19. Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte (Große Kammer), Streletz, Kessler und Krenz gegen Deutschland, Beschwerden Nr. 34044/96, 35532/97 und 44801/98, Urteil vom 22. März 2001, §§ 12, 19–20, 23, 25–26 und Urteilsformel. ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  20. Stiftung Haus der Geschichte, „Egon Krenz“, LeMO-Biografie, abgerufen am 23. September 2026. ↩︎

  21. Der Tagesspiegel, „SED-Funktionäre: Schabowski und Kleiber begnadigt“, 1. Oktober 2000. ↩︎

  22. Stiftung Haus der Geschichte, „Erich Honecker“, LeMO-Biografie, abgerufen am 23. September 2026. ↩︎

  23. Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte (Große Kammer), K.-H. W. gegen Deutschland, Beschwerde Nr. 37201/97, Urteil vom 22. März 2001, §§ 17 und 81 und Urteilsformel. ↩︎

  24. Bundesregierung, „Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der Integrität in der Wirtschaft“, Bundestagsdrucksache 19/23568, 21. Oktober 2020, S. 46–48, 55 und 63. Der Entwurf wurde im Bundestag nie beraten und verfiel mit dem Ende der Wahlperiode. ↩︎ ↩︎

  25. § 30 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten, insbesondere der 2013 eingefügte Absatz 2a zur Gesamtrechtsnachfolge. ↩︎

  26. Bundesverfassungsgericht, Urteil des Zweiten Senats vom 19. März 2013 – 2 BvR 2628/10 u. a. –, BVerfGE 133, 168, Rn. 53 f. ↩︎

  27. Bundesverfassungsgericht, Beschluß des Zweiten Senats vom 25. Oktober 1966 – 2 BvR 506/63 –, BVerfGE 20, 323, S. 335 f. (Rn. 42–46). ↩︎

  28. Deutscher Bundestag, Entschließungsantrag der Fraktionen der CDU/CSU, SPD und F.D.P. sowie der Gruppe Bündnis 90/DIE GRÜNEN zum Bericht der Enquete-Kommission „Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland“, Bundestagsdrucksache 12/7983, 16. Juni 1994, Abschnitt III Nr. 2, S. 4; angenommen am 17. Juni 1994, Plenarprotokoll 12/234, S. 20477. ↩︎

  29. Enquete-Kommission „Überwindung der Folgen der SED-Diktatur im Prozeß der deutschen Einheit“, „Schlußbericht“, Bundestagsdrucksache 13/11000, 10. Juni 1998, Abschnitt A. II, S. 10, mit dem Einsetzungsantrag (Drucksache 13/1535), beschlossen am 22. Juni 1995. ↩︎

  30. Bundeszentrale für politische Bildung, „Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED)“, Politiklexikon, abgerufen am 23. September 2026. ↩︎

  31. Oskar Niedermayer, „Parteimitglieder in Deutschland: Version 2020“, Arbeitshefte aus dem Otto-Stammer-Zentrum Nr. 31, Freie Universität Berlin 2020, Tabelle 1, S. 6. ↩︎ ↩︎

  32. Oskar Niedermayer, „Parteimitglieder in Deutschland: Version 2025“, Arbeitshefte aus dem Otto-Stammer-Zentrum Nr. 33, Freie Universität Berlin 2025, S. 2–5 und Tabellen 1 (S. 6), 18 (S. 26) und 23 (S. 42). Die 61 Prozent sind die Summe der Altersgruppen bis 46–50 für Die Linke 2024. Die Eintritte von 2025 ergeben sich aus den 123.558 Mitgliedern Ende 2025 abzüglich der 58.532 Ende 2024: mindestens 65.026 oder 53 Prozent. ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  33. DIE LINKE, „Mitgliederzahlen 2024“, abgerufen am 23. September 2026. ↩︎

  34. Die Bundeswahlleiterin, „Ergebnisse Deutschland“, abgerufen am 23. September 2026. ↩︎

  35. DIE LINKE, „Mitgliederzahlen 2025“, abgerufen am 23. September 2026. Die Tabelle der Seite nach Landesverbänden ergibt zusammen 122.100, nicht die angegebenen 123.558; mit dieser Zahl liegt der Anteil der Eintritte von 2025 bei 52 Prozent. ↩︎ ↩︎

  36. Patrick Moreau, „Die PDS: eine postkommunistische Partei“, Aus Politik und Zeitgeschichte 5/1992, 24. Januar 1992. ↩︎

  37. Viola Neu, „Die PDS: Eine populistische Partei?“, in: Nikolaus Werz (Hrsg.), Populismus, VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2003, S. 263–277, in einer Fußnote. ↩︎

  38. Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages, „Von der PDS zur Partei „DIE LINKE.““, Ausarbeitung WD 1 – 3000 – 099/08, 28. Juli 2008, S. 5. ↩︎

  39. Deutscher Bundestag, Plenarprotokoll 19/150, 6. März 2020, S. 18811–18812 (Katja Kipping). ↩︎ ↩︎

  40. Till Kössler, Rezension zu Thorsten Holzhauser, Die „Nachfolgepartei“. Die Integration der PDS in das politische System der Bundesrepublik Deutschland 1990–2005, in sehepunkte 20 (2020), Nr. 9. ↩︎

  41. Michael Schumann, „Wir brechen unwiderruflich mit dem Stalinismus als System!“, Rede auf dem Außerordentlichen Parteitag der SED-PDS, 16. Dezember 1989, von DIE LINKE am 16. Dezember 2019 nach dem gedruckten Parteitagsprotokoll (Karl Dietz Verlag, 1999) neu veröffentlicht. ↩︎ ↩︎

  42. DIE LINKE, „Programm der Partei Die Linke“, beschlossen in Erfurt, 21.–23. Oktober 2011, und im Dezember 2011 durch Mitgliederentscheid bestätigt. Eigene Zählung der Wörter im Text, wie er auf dieser Seite steht. ↩︎ ↩︎

  43. „Thüringen gemeinsam voranbringen – demokratisch, sozial, ökologisch“, Koalitionsvertrag zwischen DIE LINKE, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN für die 6. Wahlperiode des Thüringer Landtags, 2014, Präambel, S. 6. ↩︎

  44. Sebastian Prinz, „Die Linkspartei und der Unrechtsstaat DDR“, Politische Studien Nr. 464, Hanns-Seidel-Stiftung, November/Dezember 2015, S. 44–53, hier S. 44 und 47–49. Die Hanns-Seidel-Stiftung steht der CSU nahe, und Prinz nennt für die hier verwendeten Zitate keine Quelle. ↩︎ ↩︎ ↩︎

  45. Gregor Gysi, Interview, „Ich hätte Nein sagen müssen“, Weser-Kurier, 13. Oktober 2014. ↩︎

  46. Parteivorstand der PDS, „Die PDS hat sich vom Stalinismus der SED unwiderruflich befreit“, Erklärung zum 40. Jahrestag des Mauerbaus, beschlossen am 2. Juli 2001, von Die Linke neu veröffentlicht. ↩︎

  47. Jens König, „PDS mauert sich frei“, die tageszeitung, 3. Juli 2001. ↩︎

  48. Gesine Lötzsch und Klaus Ernst, „Demokratischer Sozialismus braucht Mehrheiten, keine Mauern“, DIE LINKE, 12. August 2011. ↩︎

  49. Katja Kipping, Bernd Riexinger und Gregor Gysi, „Brücken bauen - Zeit für eine neue Erinnerungspolitik“, DIE LINKE, 8. November 2014. ↩︎