Von der Steinzeit zu den Sternen

Wissenschaft

Gewogen, nicht gezählt

Deutschland hat ein Wort für den Tod seiner Insekten, ein Gesetz dagegen und eine berühmte Zahl: drei Viertel weniger in 27 Jahren. Die Zahl beschreibt das Gewicht der Insekten aus Fallen an 63 Standorten in Schutzgebieten, 57 davon in einem Bundesland, 37 davon nur in einem Jahr beprobt. Wo gemessen wurde, hält der Rückgang der Prüfung stand. Für das Land als Ganzes hatte niemand gemessen, als die Zahl 2017 erschien, und daran hat sich seither nichts geändert.

Im Oktober 2017 veröffentlichten der Entomologische Verein Krefeld und eine Gruppe von Ökologen aus Nimwegen, was die Insektenfallen des Vereins in 27 Jahren gefangen hatten. Es wurde immer weniger: 2016 lag das Gewicht der Fluginsekten in deutschen Schutzgebieten um 76 Prozent unter dem von 19891. Die deutsche Sprache bekam ein Wort dafür: Insektensterben. Vor 2017 kam es in den Zeitungen fast nicht vor, am häufigsten war es 20192. In jenem Jahr trugen sich 1,74 Millionen Bayern für das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ ein, 18,3 Prozent der Stimmberechtigten und mehr als je zuvor bei einem Volksbegehren im Freistaat3. Das Bundeskabinett beschloss ein Aktionsprogramm mit zusätzlich 100 Millionen Euro im Jahr4, und 2021 verabschiedete der Bundestag ein Gesetz5.

Dahinter steht die Behauptung, Deutschland habe drei Viertel seiner Insekten verloren. Sie lässt sich prüfen, denn die Messungen sind öffentlich. Die Krefelder Daten lassen sich Falle für Falle herunterladen. Öffentlich sind auch die Roten Listen, die einzige Quelle, die Tausende Insektenarten im ganzen Land erfasst. Dasselbe gilt für die Ergebnisse der Tagfalterzählungen, die Ehrenamtliche seit 2005 jeden Sommer machen. Zusammen geben sie drei Antworten. Wo Insekten gewogen wurden, ist der Rückgang echt. Ob er für Deutschland gilt, hat niemand gemessen. Ob er anhält, kann niemand sagen.

Zwei Fotos. Oben, aus der Luft gesehen, ein Streifen Gras und Gebüsch zwischen einem gepflügten Acker und einem Wald, darauf ein kleines weißes Zelt. Unten ein solches Zelt aus der Nähe auf einer Heide: ein schräges weißes Dach über schwarzem Netzstoff, von Holzpfosten gehalten.
Zwei Malaise-Fallen des Krefelder Vereins in Schutzgebieten im Westen Deutschlands: eine aus der Luft gesehen neben einem gepflügten Acker, eine aus der Nähe auf einer Heide. Foto: Hallmann et al., 2017, via Wikimedia Commons. CC BY 2.5.

Drei Zahlen aus einem Datensatz

Die Fallen des Entomologischen Vereins Krefeld, 1989 bis 2016.

76 %
weniger Insektengewicht in den Fallen
1989 bis 2016, ein Trend durch 1.503 Proben
37
der 63 Standorte wurden nur in einem Jahr beprobt
keiner in jedem Jahr
53,5 kg
Insekten, 1989 bis 2016
nass gewogen, nicht gezählt
Hallmann et al., More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas, PLOS ONE, 2017.

Was 53,5 Kilogramm zeigen können

Eine Malaise-Falle ist ein Zelt aus feinem Netzstoff, an den Seiten offen. Insekten fliegen hinein, klettern dem Licht entgegen und fallen in eine Flasche mit Alkohol. Der Krefelder Verein näht seine Fallen seit 1982 nach einem einzigen Schnittmuster6. Zwischen 1989 und 2016 stellte er sie an 63 Standorten auf und leerte die Flaschen von Frühjahr bis Herbst, im Schnitt alle 11 Tage. Man ließ jeden Fang abtropfen, wog ihn alkoholfeucht und bewahrte ihn auf. Für diese Gewichte zählte niemand die Tiere oder bestimmte die Arten. Über den ganzen Zeitraum kamen 1.503 Proben und 53,54 Kilogramm Insekten zusammen, nach Schätzung der Autoren Millionen von Tieren1.

Das veröffentlichte Ergebnis ist ein einziger Trend durch alle 1.503 Proben. Im Hochsommer ist es ein Rückgang um etwa 6 Prozent im Jahr, das ergibt 82 Prozent über die 27 Jahre. Über die ganze Saison von April bis Oktober gewichtet, beträgt der Rückgang 76 Prozent1.

Der direkteste Beleg dafür ist zugleich der einfachste. Im Orbroicher Bruch, einem Naturschutzgebiet in Krefeld, standen 1989 und 2013 zwei Fallen an denselben zwei Stellen und wurden in beiden Jahren wöchentlich geleert. Die erste fing 1.117 Gramm im Jahr 1989 und 257 Gramm im Jahr 2013, die zweite 1.426 und 2947. Das ist ein Verlust von 77 und 79 Prozent (eigene Berechnung). Nach eigener Berechnung aus den veröffentlichten Daten war an allen 26 Standorten, die in mehr als einem Jahr beprobt wurden, das Insektengewicht je Falle und Tag beim letzten Besuch niedriger als beim ersten. Bei 15 dieser Standorte liegen der erste und der letzte Besuch mehr als 20 Jahre auseinander. Zehn davon wurden nur in diesen beiden Jahren beprobt, die übrigen fünf in einem oder zwei weiteren8. Das Modell der Autoren ergibt allein für diese 26 Standorte einen Rückgang von 76,2 Prozent1.

Der häufigste Einwand hält einem Blick in die Daten nicht stand. 2017 wies die Unstatistik des Monats, eine Kolumne des Essener Wirtschaftsforschungsinstituts RWI über den falschen Umgang mit Statistik, darauf hin, jeder Rückgang hänge vom Anfangsjahr ab; von 1991 statt von 1989 an gerechnet, wären es etwa 30 Prozent gewesen9. Das Jahr 1991 besteht in den Daten aus einer Falle mit zehn Proben (eigene Zählung)8. Die 76 Prozent sind ein Trend durch alle Jahre und hängen an keinem einzelnen. Als die Autoren ihn ohne 1989 und 1990 neu berechneten, kamen sie auf 76,8 Prozent10. Die rohen Mittelwerte weisen in dieselbe Richtung: 8,5 Gramm je Falle und Tag im Jahr 1989, 5,3 in den Jahren 1990 bis 1994 und 1,6 in den Jahren 2012 bis 2016. Von den frühen 1990er-Jahren aus gemessen beträgt der rohe Rückgang 69 statt 81 Prozent (eigene Berechnung)8.

Eine Zählung aus denselben aufbewahrten Proben bestätigt das. Im Wahnbachtal, einem Tal mit Talsperre in Nordrhein-Westfalen, standen 1989 und 2014 sechs Fallen an denselben Stellen, und die Schwebfliegen beider Jahre wurden herausgesucht und bestimmt: 16.966 Tiere aus 141 Arten im Jahr 1989, 2.638 Tiere aus 102 Arten im Jahr 201411.

Die Krefelder Reihe und die Zahl der Standorte dahinter

Oben: durchschnittliches Insektengewicht je Falle und Tag in jedem Jahr. Unten: die Zahl der Standorte, die im jeweiligen Jahr beprobt wurden. Für drei Jahre gibt es keine Daten.

Gramm Insekten je Falle und Tag 0 2 4 6 8 10 1989: 8,5 g je Falle und Tag, 8 Standorte, 162 Proben 8,5 1990: 5,3 g je Falle und Tag, 2 Standorte, 62 Proben 5,3 1991: 3,2 g je Falle und Tag, 1 Standort, 10 Proben 3,2 1992: 5,3 g je Falle und Tag, 4 Standorte, 54 Proben 5,3 1993: 5,1 g je Falle und Tag, 4 Standorte, 39 Proben 5,1 1994: 6,0 g je Falle und Tag, 4 Standorte, 60 Proben 6,0 1995: 4,6 g je Falle und Tag, 2 Standorte, 41 Proben 4,6 1996: keine Fallen 1997: 3,7 g je Falle und Tag, 1 Standort, 20 Proben 3,7 1998: keine Fallen 1999: 6,3 g je Falle und Tag, 2 Standorte, 56 Proben 6,3 2000: 4,6 g je Falle und Tag, 2 Standorte, 47 Proben 4,6 2001: 2,5 g je Falle und Tag, 3 Standorte, 81 Proben 2,5 2002: keine Fallen 2003: 5,6 g je Falle und Tag, 3 Standorte, 80 Proben 5,6 2004: 4,9 g je Falle und Tag, 2 Standorte, 48 Proben 4,9 2005: 2,9 g je Falle und Tag, 4 Standorte, 70 Proben 2,9 2006: 4,1 g je Falle und Tag, 2 Standorte, 26 Proben 4,1 2007: 1,8 g je Falle und Tag, 2 Standorte, 15 Proben 1,8 2008: 1,9 g je Falle und Tag, 2 Standorte, 24 Proben 1,9 2009: 1,7 g je Falle und Tag, 4 Standorte, 23 Proben 1,7 2010: 1,3 g je Falle und Tag, 2 Standorte, 12 Proben 1,3 2011: 4,4 g je Falle und Tag, 1 Standort, 4 Proben 4,4 2012: 2,3 g je Falle und Tag, 2 Standorte, 23 Proben 2,3 2013: 1,7 g je Falle und Tag, 8 Standorte, 126 Proben 1,7 2014: 1,4 g je Falle und Tag, 23 Standorte, 348 Proben 1,4 2015: 1,8 g je Falle und Tag, 1 Standort, 10 Proben 1,8 2016: 2,2 g je Falle und Tag, 7 Standorte, 62 Proben 2,2 beprobte Standorte im Jahr 1989: 8 Standorte 8 1990: 2 Standorte 2 1991: 1 Standort 1 1992: 4 Standorte 4 1993: 4 Standorte 4 1994: 4 Standorte 4 1995: 2 Standorte 2 0 1997: 1 Standort 1 0 1999: 2 Standorte 2 2000: 2 Standorte 2 2001: 3 Standorte 3 0 2003: 3 Standorte 3 2004: 2 Standorte 2 2005: 4 Standorte 4 2006: 2 Standorte 2 2007: 2 Standorte 2 2008: 2 Standorte 2 2009: 4 Standorte 4 2010: 2 Standorte 2 2011: 1 Standort 1 2012: 2 Standorte 2 2013: 8 Standorte 8 2014: 23 Standorte 23 2015: 1 Standort 1 2016: 7 Standorte 7 1989 1992 1995 1998 2001 2004 2007 2010 2013 2016
Die Zahlen anzeigen
JahrStandorteProbenGramm je Falle und TagTage je Probe (Mittel)
198981628,57,0
19902625,37,3
19911103,214,6
19924545,38,3
19934395,111,2
19944606,011,4
19952414,67,0
199600––
19971203,78,1
199800––
19992566,37,0
20002474,67,4
20013812,57,0
200200––
20033805,67,5
20042484,98,3
20054702,910,8
20062264,114,5
20072151,820,9
20082241,913,5
20094231,718,8
20102121,314,2
2011144,417,0
20122232,313,8
201381261,711,1
2014233481,414,1
20151101,822,4
20167622,221,5
Eigene Berechnung nach dem S1 Dataset von Hallmann et al., PLOS ONE, 2017: Gewicht aller Proben eines Jahres, geteilt durch die Zahl der Tage, an denen die Fallen standen, erster und letzter Tag jeder Probe mitgezählt. Ein Standort zählt in einem Jahr, wenn er mindestens eine gewogene Probe hat.

Was 63 Standorte nicht zeigen können

Dieselben Daten zeigen, wie dünn die Reihe ist. Kein Standort wurde in jedem Jahr beprobt. Von den 63 wurden 37 nur in einem Jahr beprobt, 20 in zwei Jahren, fünf in drei und einer in vier1. Der Wert für 1989 stammt aus acht Fallen an zwei Orten, dem Orbroicher Bruch und dem Wahnbachtal. Für 1990 gibt es zwei Standorte, für 1991 einen, für 1996, 1998 und 2002 keinen. Ein Jahr, 2014, liefert 23 Standorte und 348 der 1.503 Proben (eigene Zählung)8. Die Autoren schreiben selbst, ihre Daten seien keine Zeitreihen einzelner Standorte1.

Die meisten Wiederholungsbesuche kamen spät. Von 33 Wiederholungen fielen 29 in die Jahre 2013 bis 2016 (eigene Zählung)8. Warum, erklärten die Autoren einen Monat nach der Studie in einer Anmerkung: „Als im Laufe der Jahre Rückgänge auffielen, wurden Standorte zunehmend neu beprobt“10. Wer an die Orte zurückkehrt, an denen ein Rückgang aufgefallen ist, bestätigt ihn dort. Wie verbreitet der Rückgang ist, erfährt man so kaum. Ein Überblick über das Forschungsfeld nannte diese Gewohnheit 2020 als ersten von sieben Fallstricken: Die meisten Studien über Rückgänge begännen erst, nachdem Veränderungen der Bestände wahrgenommen worden seien12.

Im Lauf der Jahre änderte sich auch das Leeren der Fallen, und die Studie von 2017 geht darauf nicht ein. Bis 2004 wurden die Flaschen in den meisten Jahren etwa einmal pro Woche geleert. Ab 2006 blieben sie meist zwei Wochen oder länger stehen. Im Durchschnitt umfasst eine Probe 8,0 Tage in den Jahren bis 2004 und 14,7 Tage ab 2006 (eigene Berechnung)8. Etwa zur selben Zeit fällt die Reihe auf ein niedrigeres Niveau. Eine spätere Studie derselben Autoren nennt die Werte für die sechs Fallen im Wahnbachtal: 7,0 Tage im Jahr 1989 und 16,7 im Jahr 201411. Das statistische Modell berücksichtigt, wie viele Tage jede Flasche draußen stand, und vor dem Wiegen brachte der Verein den Alkohol in jeder Probe auf dieselbe Konzentration1. Ob ein Fang, der doppelt so lange in der Flasche gelegen hat, abgetropft genauso viel wiegt, ist eine andere Frage; ein veröffentlichter Test dazu ließ sich nicht finden. Das Handbuch für das geplante bundesweite Monitoring hält dazu an, das Leerungsintervall von 14 Tagen nicht zu verlängern, damit die Daten vergleichbar bleiben13. Die Orbroicher Fallen legen nahe, dass die Änderung nicht viel erklären kann: Sie wurden 1989 und 2013 wöchentlich geleert und verloren trotzdem fast vier Fünftel ihres Fangs.

Von den 63 Standorten liegen 57 in Nordrhein-Westfalen, fünf in Brandenburg und einer in Rheinland-Pfalz. Alle liegen in Schutzgebieten und im Tiefland, und 94 Prozent sind von landwirtschaftlichen Flächen umgeben1. Eine Zufallsstichprobe sind sie nicht. Die Arbeit des Vereins verteile sich, heißt es in der Studie, auf zahlreiche Einzelprojekte an verschiedenen Orten und in verschiedenen Jahren1. Die Autoren beanspruchen für ihren Befund lediglich, er sei repräsentativ für Schutzgebiete im Tiefland im Westen Deutschlands1, eine Aussage über Schutzgebiete in einem Teil des Landes.

Kein Standort wurde in jedem Jahr beprobt.

— Die Krefelder Daten

Gewicht, Zahl der Tiere und Zahl der Arten sind drei verschiedene Maße. In einer Studie, die Malaise-Proben erst wog und dann die 533.128 Insekten darin zählte, gingen Gewicht und Zahl meist Hand in Hand14. Für Gewicht und Artenzahl muss das nicht gelten. 2019 stellten Forscher in Bayern 179 Malaise-Fallen auf, in Wäldern, auf Wiesen, auf Äckern und in Siedlungen. In Siedlungen lag das Insektengewicht um 42 Prozent unter dem in naturnahen Landschaften, in Agrarlandschaften lag es nicht darunter. Die Zahl der Arten dagegen war in Agrarlandschaften um 29 Prozent geringer. Dieser Gegensatz, schrieben die Autoren, stelle in Frage, dass das eine Maß als Ersatz für das andere dienen könne15. In der Lüneburger Heide standen von 1994 bis 2017 acht Bodenfallen; Gewicht und Zahl der Laufkäfer darin gingen nicht zurück, die Zahl der Arten schon16.

Bei der Ursache ist die Krefelder Studie bescheidener als ihr Ruf. Im Modell der Autoren erklärten Wetter, Landnutzung im Umfeld der Standorte und die dort wachsenden Pflanzen nichts von dem Rückgang. Mit diesen Faktoren allein, so das Modell, wäre das Insektengewicht gleich geblieben oder um etwa 8 Prozent gestiegen. Die intensive Landwirtschaft konnten die Autoren mangels Daten nicht in ihre Analyse aufnehmen; diese könne, so schreiben sie, eine plausible Ursache sein1. Sie tragen das als Verdacht vor. Auf die Frage, welcher Anteil des verlorenen Gewichts der Landwirtschaft zuzurechnen sei, antwortete die Bundesregierung 2023, dazu lägen ihr keine Erkenntnisse vor17.

Von zwei Fallen zum Gesetz

Die Zahl erreichte die Politik vor der Studie. Im Januar 2016 trug ein Vertreter des Naturschutzbunds NABU dem Umweltausschuss des Bundestags die Messwerte des Vereins vor, die damals größtenteils unveröffentlicht waren. Das Fazit, das der Ausschuss hörte: „Die Insektenbiomasse, die in unserer Landschaft fliegt, ist weg“18. Im Juli 2017, drei Monate vor Erscheinen der Studie, teilte die Bundesregierung dem Parlament mit: „Studien zufolge gibt es an Versuchsstandorten dramatische Rückgänge der Insektenbiomasse vom Jahr 1982 bis zum Jahr 2017 um bis zu 80 Prozent“19. Kein veröffentlichter Datensatz deckt diesen Zeitraum ab. Als erste Studie führt die Antwort den Vergleich der beiden Fallen im Orbroicher Bruch an. Im Wahlprogramm der Grünen stand in jenem Sommer, so zitiert es die RWI-Kolumne, die Zahl der fliegenden Insekten habe in den vergangenen Jahren um 80 Prozent abgenommen20.

Dieselbe Antwort der Bundesregierung enthält einen Satz, der die Zeit besser überstanden hat: „Eine belastbare, bundesweit repräsentative Datenbasis zur Einschätzung von Langzeitveränderungen von Vorkommen und Bestandsgrößen der Insektenfauna in Deutschland gibt es nicht“19. Zwei Jahre später nannte das Aktionsprogramm des Kabinetts das Insektensterben „eine bundesweite und klar belegbare Entwicklung“, die durch die Roten Listen wissenschaftlich belegt sei4.

Die Roten Listen: ein langfristiger Verlust und eine große Lücke

In Deutschland sind mehr als 33.300 Insektenarten bekannt4. Die Roten Listen, die das Bundesamt für Naturschutz Gruppe für Gruppe herausgibt, haben 13.984 davon bewertet17. Das sind 42 Prozent (eigene Berechnung). Für den Rest gibt es überhaupt keine Bewertung, und wie viele dieser Arten gefährdet sind, kann nach den Worten der Bundesregierung von 2017 aus den Listen nicht „seriös hochgerechnet werden“19. Von den bewerteten Arten gelten 571 als ausgestorben oder verschollen und weitere 4.159 als bestandsgefährdet17.

2019 zählte die Bundesregierung die Trends zusammen, die die Listen für 6.921 dieser Arten nennen, nämlich für die Arten in den Bänden von 2011 und 201621. Langfristig, das heißt über die letzten 50 bis 150 Jahre, sind 45 Prozent zurückgegangen, 40 Prozent gleich geblieben und 2 Prozent haben zugenommen; bei 13 Prozent ist der Trend unbekannt. Kurzfristig, über die letzten 10 bis 25 Jahre, sind 23 Prozent zurückgegangen, 44 Prozent gleich geblieben und 4 Prozent haben zugenommen. Bei 30 Prozent konnten die Fachleute es nicht sagen.

Was die Roten Listen über 6.921 Insektenarten sagen

Bestandstrend jeder Art, langfristig und kurzfristig, wie die Bundesregierung ihn 2019 zusammengezählt hat. Die Listen sind Einschätzungen von Fachleuten, keine Zählungen.

Langfristig: die letzten 50 bis 150 Jahre Rückgang, langfristig: 3.086 Arten (45 %) 45 % Rückgang Gleichbleibend, langfristig: 2.762 Arten (40 %) 40 % Gleichbleibend Unklar, langfristig: 923 Arten (13 %) 13 % Unklar Zunahme, langfristig: 150 Arten (2 %) 2 % Zunahme Kurzfristig: die letzten 10 bis 25 Jahre Rückgang, kurzfristig: 1.559 Arten (23 %) 23 % Rückgang Gleichbleibend, kurzfristig: 3.011 Arten (44 %) 44 % Gleichbleibend Unklar, kurzfristig: 2.083 Arten (30 %) 30 % Unklar Zunahme, kurzfristig: 268 Arten (4 %) 4 % Zunahme
Die Zahlen anzeigen
TrendLangfristig (50 bis 150 Jahre)Kurzfristig (10 bis 25 Jahre)
Rückgang3.086 (45 %)1.559 (23 %)
Gleichbleibend2.762 (40 %)3.011 (44 %)
Unklar923 (13 %)2.083 (30 %)
Zunahme150 (2 %)268 (4 %)
Bundesregierung, Bundestagsdrucksache 19/9795, 30. April 2019, Antworten auf die Fragen 1 und 2: Arten und Unterarten aus 24 Insektengruppen der Rote-Liste-Bände von 2011 und 2016. Die Prozentwerte stammen von der Bundesregierung und sind gerundet; die untere Zeile ergibt deshalb 101.

Der Verlust ist echt, und die Verlierer sind weit in der Überzahl: Auf eine zunehmende Art kommen langfristig zwanzig rückläufige und kurzfristig fast sechs (eigene Berechnung). Doch die Zahl, die meist zitiert wird, fast die Hälfte aller Arten im Rückgang, beschreibt die letzten 50 bis 150 Jahre; ein großer Teil dieser Zeit war vorbei, bevor in Krefeld jemand eine Falle aufstellte. Für die Jahre, um die es beim Insektensterben geht, verzeichnen die Listen bei fast einem Viertel der Arten einen Rückgang; bei fast einem Drittel fehlt das Wissen.

Die Listen beruhen nicht auf Zählungen. Laut ihrer Methodik arbeitet das Verfahren mit Klassen statt mit Zahlen, „weil nur für wenige Arten Zählungen oder präzise Schätzungen vorliegen“22. Die Autoren der Bienenliste stützten sich auf Sammlungen, auf Briefe und Gespräche und auf ihre eigene Geländeerfahrung, und sie sahen einen Rückgang auch dann als belegt an, wenn der bevorzugte Lebensraum einer Art deutlich geschrumpft war23. Das ist das Urteil der Leute, die diese Tiere am besten kennen, und einen besseren bundesweiten Befund gibt es nicht. Wie viele Insekten es gibt, misst dieses Urteil nicht.

Die drei Listen, die seit 2024 erschienen sind, fallen unterschiedlich aus. Von 207 Tagfaltern und Widderchen (Arten und Unterarten), die 2025 bewertet wurden, sind 109 kurzfristig zurückgegangen, und 15 haben zugenommen24. Von 83 Raubfliegenarten sind 24 zurückgegangen, und drei haben zugenommen (eigene Zählung nach der Tabelle der Liste)25. Von 83 Heuschrecken- und Fangschreckenarten sind 30 zurückgegangen, und 21 haben zugenommen26.

Die einzige lange bundesweite Zählung

Nur eine Insektengruppe wird in ganz Deutschland schon lange genug nach fester Methode gezählt, um einen Trend zu zeigen. Seit 2005 gehen die Ehrenamtlichen des Tagfalter-Monitorings Deutschland den ganzen Sommer hindurch festgelegte Zählstrecken ab und zählen die Falter Abschnitt für Abschnitt: bisher mehr als vier Millionen Falter auf 1.620 Zählstrecken27.

2005 zählten sie 41 Falter je Abschnitt. 2023, im letzten ausgewerteten Jahr, waren es 40. Dazwischen liegt ein Buckel, mit 81 im Jahr 2009 und zwischen 55 und 74 in den meisten Jahren bis 201827. Der Bericht des Monitorings nennt 2023 das bislang schlechteste Jahr und fügt hinzu, je Abschnitt sei es mit dem ersten fast identisch gewesen27. Das erste Jahr ist allerdings ein schwacher Maßstab: Das Monitoring begann mit 180 Zählstrecken, hatte ein Jahr später 300 und berechnet seine eigenen Trends ab 2006. Von 2006 aus gemessen, als 53 Falter je Abschnitt gezählt wurden, liegt 2023 um ein Viertel niedriger (eigene Berechnung)27. Für 2024 gibt es noch keine Zahlen; die Herausgeber des Berichts schreiben, viele Ehrenamtliche hätten gemeldet, es habe so wenige Falter gegeben wie noch nie27.

Falter je Zählabschnitt, 2005 bis 2023

Durchschnittliche Zahl der gezählten Tagfalter je 50-Meter-Abschnitt im Tagfalter-Monitoring Deutschland. Das erste und das jüngste Jahr, die beiden hervorgehobenen Säulen, sind fast gleich; das Monitoring begann klein und berechnet seine Trends ab 2006.

0 20 40 60 80 2005: 41 Falter je Abschnitt 41 2005 2006: 53 Falter je Abschnitt 53 2007: 57 Falter je Abschnitt 57 2007 2008: 51 Falter je Abschnitt 51 2009: 81 Falter je Abschnitt 81 2009 2010: 68 Falter je Abschnitt 68 2011: 74 Falter je Abschnitt 74 2011 2012: 55 Falter je Abschnitt 55 2013: 62 Falter je Abschnitt 62 2013 2014: 67 Falter je Abschnitt 67 2015: 46 Falter je Abschnitt 46 2015 2016: 58 Falter je Abschnitt 58 2017: 60 Falter je Abschnitt 60 2017 2018: 68 Falter je Abschnitt 68 2019: 47 Falter je Abschnitt 47 2019 2020: 52 Falter je Abschnitt 52 2021: 52 Falter je Abschnitt 52 2021 2022: 49 Falter je Abschnitt 49 2023: 40 Falter je Abschnitt 40 2023
Die Zahlen anzeigen
JahrFalter je Abschnitt
200541
200653
200757
200851
200981
201068
201174
201255
201362
201467
201546
201658
201760
201868
201947
202052
202152
202249
202340
Kühn et al., Tagfalter-Monitoring Deutschland: Auswertung 2005–2023, Oedippus 42 (2025), Abbildung 8. Der Wert für 2009 lässt die Masseneinwanderung der Distelfalter in jenem Jahr weg. Die Zählstrecken wählen die Ehrenamtlichen selbst, und die Auswahl wechselt von Jahr zu Jahr.

Art für Art fällt die Bilanz negativ aus. Von 82 Arten mit ausreichend Daten gingen 36 zwischen 2006 und 2023 zurück, 18 nahmen zu, 23 blieben stabil, und bei fünf ist der Trend unsicher. Ein Jahr zuvor hatte der Bericht 28 rückläufige Arten gezählt; ein schlechter Sommer hat also acht Arten über die Schwelle geschoben27. Der Index der Grünlandschmetterlinge für Deutschland, der aus denselben Zählungen errechnet wird, fällt von 2006 bis 2023 nach zwei anerkannten Rechenverfahren jeweils um etwa 0,7 Prozent im Jahr; statistisch gesichert ist der Rückgang aber nur nach einem der beiden. In den letzten zehn Jahren zeigen beide einen Rückgang von etwa 3 Prozent im Jahr28.

Die Zählung hat ihre eigenen Grenzen. Die Ehrenamtlichen wählen ihre Zählstrecken selbst, die Auswahl wechselt von Jahr zu Jahr, und die Autoren der Roten Liste von 2025 nennen viele Trends aus dieser Zählung wegen Lücken in ihrer Abdeckung „nur eingeschränkt repräsentativ“24. Trotzdem kommt in Deutschland nichts einer bundesweiten Messreihe für Insekten näher. Die Zählung zeigt einen Anstieg bis 2009 und einen Rückgang in den letzten zehn Jahren, bis auf den bislang niedrigsten Wert.

Die zweite Studie und ihr erstes Jahr

2019 schien das Krefelder Ergebnis bestätigt. Ein Team unter Leitung der Technischen Universität München hatte in drei Regionen Deutschlands 150 Grünlandflächen von 2008 bis 2017 jedes Jahr mit dem Kescher abgestreift und auf 30 Waldflächen von 2008 bis 2016 Fensterfallen betrieben. Im Grünland ging das geschätzte Gewicht der Insekten und Spinnen um 67 Prozent zurück, ihre Zahl um 78 Prozent und die Zahl der Arten um 34 Prozent. Im Wald sank das Gewicht um 41 Prozent und die Artenzahl um 36 Prozent29. Auf die Waage kam dabei nichts: Das Gewicht wurde aus der Körperlänge der Tiere berechnet29.

Der Anhang der Studie zeigt, wie viel vom Rechenweg abhängt. Die 67 Prozent sind der Rückgang, den ein Modell durch alle zehn Jahre ergibt. Stellt man das erste Jahr dem letzten gegenüber, sind es 50 Prozent; die ersten zwei Jahre gegen die letzten zwei ergeben 36. Für den Wald lauten die drei Zahlen 41, 27 und 1030. Der Anhang sagt auch, wann der Rückgang eintrat. Der größte Teil, vor allem im Grünland, fiel in die Jahre 2008 bis 2010; nach den Worten der Autoren weckt das Bedenken, ob 2008 ein verlässlicher Ausgangspunkt ist30. 2009 wechselten in allen drei Regionen die Personen, die kescherten, und die Autoren können nicht ausschließen, dass das in irgendeiner Weise zu den Unterschieden zwischen 2008 und 2009 beigetragen haben könnte30.

Eine Studie, drei Werte für den Rückgang

Veränderung bei Insekten und Spinnen auf 150 Grünlandflächen (2008 bis 2017) und 30 Waldflächen (2008 bis 2016), von den Autoren der Studie selbst auf drei Wegen berechnet. Der oberste Balken jeder Gruppe ist die Zahl aus der Zusammenfassung des Aufsatzes.

Grünland: Gewicht Grünland: Gewicht, Modell über alle Jahre: −67 % −67 % Modell über alle Jahre Grünland: Gewicht, erstes gegen letztes Jahr: −50 % −50 % erstes gegen letztes Jahr Grünland: Gewicht, erste 2 gegen letzte 2 Jahre: −36 % −36 % erste 2 gegen letzte 2 Jahre Wald: Gewicht Wald: Gewicht, Modell über alle Jahre: −41 % −41 % Modell über alle Jahre Wald: Gewicht, erstes gegen letztes Jahr: −27 % −27 % erstes gegen letztes Jahr Wald: Gewicht, erste 2 gegen letzte 2 Jahre: −10 % −10 % erste 2 gegen letzte 2 Jahre Grünland: Artenzahl Grünland: Artenzahl, Modell über alle Jahre: −34 % −34 % Modell über alle Jahre Grünland: Artenzahl, erstes gegen letztes Jahr: −27 % −27 % erstes gegen letztes Jahr Grünland: Artenzahl, erste 2 gegen letzte 2 Jahre: −16 % −16 % erste 2 gegen letzte 2 Jahre Wald: Artenzahl Wald: Artenzahl, Modell über alle Jahre: −36 % −36 % Modell über alle Jahre Wald: Artenzahl, erstes gegen letztes Jahr: −32 % −32 % erstes gegen letztes Jahr Wald: Artenzahl, erste 2 gegen letzte 2 Jahre: −21 % −21 % erste 2 gegen letzte 2 Jahre
Die Zahlen anzeigen
MessgrößeModell über alle JahreErstes gegen letztes JahrErste zwei gegen letzte zwei Jahre
Grünland: Gewicht−67 %−50 %−36 %
Wald: Gewicht−41 %−27 %−10 %
Grünland: Artenzahl−34 %−27 %−16 %
Wald: Artenzahl−36 %−32 %−21 %
Seibold et al., Nature, 2019, Supplementary Information, Tabelle S3-1, gerundet. Das Gewicht ist aus der Körperlänge geschätzt. Die Waldwerte gelten für die jährlich beprobten Flächen.

Eine 2021 veröffentlichte Neuauswertung berücksichtigte, dass Flächen, die im selben Jahr beprobt werden, demselben Wetter ausgesetzt sind. Nach Darstellung ihrer Autoren waren vier der fünf berichteten Rückgänge danach statistisch nicht mehr gesichert; die geschätzten Rückgänge selbst seien beträchtlich geblieben, allerdings bei weit größerer Unsicherheit31. Das ursprüngliche Team antwortete, die hohen Zahlen von 2008 hätten zum Gesamtrückgang im Grünland beigetragen, seien aber nicht allein dafür verantwortlich32.

Was zugenommen hat

Bei einem allgemeinen Insektensterben dürfte es nur wenige Gewinner geben. Es gibt viele. In Daten von 1980 bis 2016 breiteten sich 35 der 77 Libellenarten Deutschlands auf mehr Rasterfelder aus, 22 zogen sich zurück, und 20 zeigten keine klare Veränderung33. In Bayern verloren 37 Prozent der Tagfalter-, Heuschrecken- und Libellenarten zwischen 1980 und 2019 an Boden, 30 Prozent gewannen Boden. Die Gewinner waren meist wärmeliebende Arten, die Verlierer solche, die Kälte brauchen34. In den regelmäßig untersuchten Flüssen und Bächen Europas nahm die Zahl der wirbellosen Tiere zwischen 1968 und 2020 um 1,17 Prozent im Jahr zu, was die Autoren auf saubereres Wasser und renaturierte Gewässer zurückführen; seit den 2010er-Jahren ist der Anstieg abgeflacht35. Laufkäfer an 40 Standorten in fünf deutschen Regionen zeigten über zwei Jahrzehnte insgesamt keine Veränderung der Vielfalt; die Autoren fügen allerdings hinzu, der Schaden könne schon eingetreten sein, bevor ihre Reihe 1999 begann36.

Nichts davon hebt die Verluste auf. Die Vielfalt der Libellen stieg bis 2010 und sank danach bis zum Ende der Daten im Jahr 201633. In einem kleinen Bach in Hessen, der 42 Jahre lang beprobt wurde, sank die Zahl der schlüpfenden Insekten um 81,6 Prozent, während die Zahl der Arten stieg37. Den einen Trend für die Insekten gibt es aber nicht. Die Bestandsaufnahme, die die deutsche Forschung 2024 selbst vorgelegt hat, der Faktencheck Artenvielfalt, kam zu dem Schluss, dass keine der bekannten Studien ein Gesamtbild der Veränderungen in Deutschland liefern kann und dass ihre Repräsentativität für das Land noch ungeklärt ist38.

Das vertrauteste Insekt stirbt nicht aus. Die Zahl der Bienenvölker in Deutschland sank von 1,2 Millionen im Jahr 1991 auf 670.000 im Jahr 2007 und ist seither wieder auf rund 1 Million gestiegen39. Die Honigbiene ist ein Nutztier, von Menschen gehalten und gefüttert, und sagt wenig über wilde Insekten. Von 557 bewerteten Wildbienenarten sind 228 bestandsgefährdet23. Doch die Bienen waren es, die das bayerische Volksbegehren zu retten versprach, und Bienensterben wählte die Gesellschaft für deutsche Sprache 2019 unter ihre Wörter des Jahres40.

Seit 2016: zwei Lager und keine Messreihe

Die Krefelder Reihe endet 2016. Was seither geschehen ist, ist umstritten, und der Streit zeigt, wie wenig Material es gibt.

2023 wertete ein Team um den Ökologen Jörg Müller die Krefelder Daten in Nature neu aus. Es berichtete, das Wetter während des Fangs und in den Jahreszeiten davor erkläre die Schwankungen des Insektengewichts einschließlich des Rückgangs, und es ergänzte Fänge aus Bayern bis 2022, die hoch ausfielen41. In der Datei, die das Team veröffentlicht hat, steigt der durchschnittliche bayerische Fang von 2,1 Gramm je Falle und Tag im Jahr 2016 auf 9,1 im Jahr 2022 und liegt damit über den 8,5 Gramm der Krefelder Fallen von 1989 (eigene Berechnung; die Datei multipliziert die bayerischen Fänge mit 1,39, um einen anderen Fallentyp auszugleichen)42.

Zwei Erwiderungen folgten. Die eine zeigte: Fügt man dem Wettermodell einen einfachen Jahrestrend hinzu, bleibt ein Rückgang von 4 Prozent im Jahr, den das Wetter nicht erklärt43. Die andere kam von den Krefelder Autoren. Sie nannten es ungerechtfertigt und irreführend, die beiden Datensätze zu verbinden, weil die bayerischen Fallen von anderer Bauart gewesen seien und in einer anderen Region gestanden hätten, 2022 überwiegend in künstlich angelegten Lücken im Wald. In neuen Fängen aus Nordrhein-Westfalen und aus 21 Schutzgebieten in ganz Deutschland fanden sie keine Erholung der Biomasse44.

Einen Trend kann keine der beiden Seiten zeigen. Die 21 Schutzgebiete wurden nur 2020 und 2021 beprobt. Ihre Fänge, zwischen 0,95 und 3,62 Gramm je Falle und Tag, liegen auf dem niedrigen Niveau des letzten Krefelder Jahrzehnts, und die Autoren dieser Studie räumen ein, dass zwei Jahre keinen Trend ergeben45. Für Nordrhein-Westfalen ist die einzige veröffentlichte Zahl ein Durchschnitt von 1,8 Gramm je Falle und Tag, aus einem Landesprogramm an 101 Standorten, das 2017 begann46. Die Daten hinter der Erwiderung der Krefelder Autoren sind hinterlegt, aber nicht zugänglich: Am 6. Oktober 2026 waren die Dateien als gesperrt gekennzeichnet47. Müllers Team berichtete seinerseits, der Median der Fänge an seinen bayerischen Standorten sei 2023 von etwa 9 auf 4 Gramm gefallen, und schrieb, weder die eigenen noch die neuen Daten der Gegenseite aus der Zeit nach 2016 reichten aus, um eine Trendänderung zu prüfen48.

In zwei Punkten sind sich beide Seiten einig. Das Wetter lässt den Fang von Jahr zu Jahr schwanken, und die Krefelder Daten sind keine ausgewogene Reihe von festen Standorten4448. Müllers Team fügt hinzu, aus Beobachtungsdaten dieser Art ließen sich keine Schlüsse auf Ursachen ziehen48. Christoph Scherber, ein Ökologe, der in Bonn ein Zentrum für Biodiversitätsmonitoring leitet, sagte der Zeitschrift Spektrum 2025: „Wir sind immer noch bei Stufe null vom Insekten-Monitoring in Deutschland“49.

Einen Trend kann keine der beiden Seiten zeigen.

— Nach 2016

Das bundesweite Programm, das noch keine Ergebnisse hat

Die Umweltministerkonferenz bat im November 2017, einen Monat nach der Krefelder Studie, um ein bundesweites Insektenmonitoring. Die Arbeit am Konzept begann 2018. Der Plan ist ehrgeizig: 1.000 Stichprobenflächen von je einem Quadratkilometer, über das ganze Land verteilt; erfasst werden sollen Tagfalter, Heuschrecken, Laufkäfer und Wildbienen, dazu kommen Malaise-Fallen, jeweils auf allen oder einem Teil der Flächen13.

Acht Jahre nach Beginn der Arbeit gibt das Nationale Monitoringzentrum zur Biodiversität, eine Einrichtung des Bundes, als Laufzeit des Programms „In Entwicklung“ an50. Im Juli 2025 wurde die Vereinbarung zwischen Bund und Ländern, die es tragen soll, noch abgestimmt51. Nach Angaben des Zentrums beginnt die Kofinanzierung des Bundes 2026 und umfasst derzeit Tagfalter und Heuschrecken52. Auf der Seite des Bundesamts für Naturschutz heißt es weiterhin, bundesweit repräsentative Daten zu Langzeitveränderungen der Insektenfauna fehlten53.

Einzelne Teile gibt es. Mehrere Länder haben mit eigenen Bausteinen begonnen. Ein Forschungsnetzwerk betreibt seit 2019 Malaise-Fallen an mehr als 80 Standorten54. Das einzige mehrjährige Ergebnis daraus, das sich finden ließ, umfasst 14 Fallen in drei hessischen Gebieten von 2019 bis 2022: im Mittel 3,3 Gramm je Falle und Tag und kein klarer Trend, weder beim Gewicht noch bei der Artenzahl55.

In seinen Fragen und Antworten für die Öffentlichkeit, zuletzt im August 2026 überarbeitet, ist sich das Umweltministerium sicherer. Das Ausmaß des Rückgangs sei „dramatisch und hinreichend wissenschaftlich belegt“, und bei der Zahl der Tiere seien Rückgänge um die 80 Prozent keine Ausnahme5.

Was aus den Belegen aus dem Ausland wurde

Vieles, was die deutsche Debatte aus anderen Ländern übernimmt, hat sich verändert, seit es übernommen wurde.

Die Warnung, die Insekten könnten binnen eines Jahrhunderts verschwinden, stammt aus keiner Studie. Die Literaturübersicht, der sie zugeschrieben wird, sagt etwas Schärferes: Wenn sich die Erzeugung von Lebensmitteln nicht ändere, gingen die Insekten insgesamt in wenigen Jahrzehnten den Weg des Aussterbens56. Das Jahrhundert stammt aus einem Zeitungsinterview von 2019. Darin sagte der Erstautor der Übersicht, bei einem Verlust von 2,5 Prozent im Jahr gelte: „in 100 years you will have none“ – in 100 Jahren sei keines mehr übrig57. (Mit Zinseszins gerechnet, bleiben bei 2,5 Prozent Verlust im Jahr nach einem Jahrhundert 8 Prozent übrig; eigene Berechnung.) Für die Übersicht war die Literatur mit den Suchwörtern insect, survey und decline durchsucht worden, also Insekt, Erhebung und Rückgang. Drei finnische Ökologen antworteten: „If you search for declines, you find declines“ – wer nach Rückgängen sucht, findet Rückgänge58.

Eine viel zitierte Windschutzscheiben-Zählung, eine dänische Studie über Insekten, die zwischen 1997 und 2017 auf einer Autoscheibe starben, wurde im Juni 2026 zurückgezogen, nachdem in ihren Daten umfangreiche Dubletten gefunden worden waren; die Herausgeber halten ihre Ergebnisse für ungültig59. Eine große Metaanalyse von 2020 beziffert den Verlust an Landinsekten weltweit auf 1,1 Prozent im Jahr und den in Deutschland auf 2,1 Prozent; der deutsche Wert beruht auf sechs Datensätzen, einer davon aus Krefeld60. Seit Januar 2026 trägt sie in Science einen redaktionellen Warnhinweis, eine Expression of Concern61. Zwei Fachleute aus Frankreich hatten 553 Probleme in der Datenbank der Metaanalyse aufgelistet. Sie argumentieren, die Probleme begünstigten häufiger Zunahmen als Abnahmen, die Datenbank unterschätze den Rückgang also, und in ihrem jetzigen Zustand erlaube sie überhaupt keine Schätzung des Trends62. Eine Folgestudie der Autoren der Metaanalyse von 2024, mit neueren Daten, bezifferte den Verlust auf 1,5 Prozent im Jahr63. Und das Standardbeispiel für Insekten, die erst zunahmen und dann abnahmen, 50 Jahre britischer Nachtfalter, wurde 2021 korrigiert. Softwarefehler hatten ein Viertel der Reihe verfälscht. Die korrigierte Reihe zeigt keinen Unterschied zwischen ihrem ersten und ihrem letzten Jahrzehnt und über den ganzen Zeitraum einen fallenden Trend, wo die ursprüngliche einen steigenden hatte64.

Die Korrekturen gehen in beide Richtungen. Das ist ein Grund, Messungen mit offenen Daten mehr zu trauen als Zusammenfassungen davon, gleich in welche Richtung die Zusammenfassungen weisen.

Das Urteil

Behauptung: Die Fallen fangen drei Viertel weniger Fluginsekten, gemessen am Gewicht. Das stimmt für die Fänge an 63 Standorten in Schutzgebieten im Tiefland, die meisten in Nordrhein-Westfalen, zwischen 1989 und 2016. Das Ergebnis hängt nicht am Anfangsjahr, und an jedem Standort, der mehr als einmal besucht wurde, war das Gewicht gesunken. Die Reihe ist dünn, die Flaschen standen in den späteren Jahren länger, und seither ist keine durchgehende Reihe von einem festen Satz an Standorten im ganzen Land veröffentlicht worden.

Behauptung: Deutschland hat drei Viertel seiner Insekten verloren. Nicht gemessen. Die Zahl gilt für Schutzgebiete, überwiegend in einem Bundesland, und für Gramm. Die Bundesregierung sagte das im Juli 2017 selbst, in derselben Antwort, die einen Rückgang von bis zu 80 Prozent anführte: Bundesweit repräsentative Daten gebe es nicht.

Behauptung: Insektenarten gehen zurück. Über die letzten 50 bis 150 Jahre ja: 45 Prozent von 6.921 Arten sind zurückgegangen, 2 Prozent haben zugenommen. In den letzten 10 bis 25 Jahren ist fast ein Viertel zurückgegangen, für fast ein Drittel fehlt die Angabe, und manche Gruppen legen zu. Fast sechs von zehn Insektenarten des Landes wurden nie bewertet.

Behauptung: Das Sterben geht weiter. Unbekannt. Die Tagfalterzählungen sind in den letzten zehn Jahren gesunken, und 2023 war das bislang schwächste Jahr. Die Fallenreihen nach 2016 sind kurz, umstritten und zum Teil nicht öffentlich.

Behauptung: Die Landwirtschaft ist die Ursache. Nicht gezeigt. Die Krefelder Studie konnte das nicht prüfen und behauptet es auch nicht. In Bayern lag das Insektengewicht in Agrarlandschaften nicht unter dem in naturnahen Landschaften, die Zahl der Arten schon.

Die Belege, mit denen alles anfing, halten besser stand, als ihre Kritiker einräumen, und decken weit weniger ab, als jene sagen, die sich auf sie berufen. Ein Land hat vor allem auf der Grundlage von 53,5 Kilogramm Insekten von 63 Standorten ein Programm und ein Gesetz geschrieben. Neun Jahre nach der Studie kann es immer noch nicht sagen, ob es Insekten verliert, denn die Zählung, die das zeigen würde, beginnt erst jetzt. An 63 Standorten sind die Insekten gewogen worden. Im ganzen Land sind sie, von den Tagfaltern abgesehen, noch nicht gezählt.

Quellen

  1. Caspar A. Hallmann, Martin Sorg, Eelke Jongejans und neun weitere, „More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas“, PLOS ONE 12(10): e0185809, 18. Oktober 2017. ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  2. Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, Eintrag „Insektensterben“, Wortverlaufskurve für das Zeitungskorpus, aus der veröffentlichten Grafik abgelesen, abgerufen am 6. Oktober 2026. ↩︎

  3. Bayerisches Landesamt für Statistik, Volksbegehren in Bayern seit 1946, Tabelle aller Volksbegehren seit 1946. Nr. 21, „Rettet die Bienen!“, 31. Januar bis 13. Februar 2019: 1.741.017 gültige Eintragungen, 18,3 Prozent. Der Vergleich mit den früheren Volksbegehren ist eine eigene Auswertung derselben Tabelle. ↩︎

  4. Bundesregierung, Aktionsprogramm Insektenschutz der Bundesregierung, Kabinettsfassung, 4. September 2019. ↩︎ ↩︎ ↩︎

  5. Bundesumweltministerium, Fragen und Antworten zum Insektenschutz, Stand 5. August 2026. Das Gesetz ist das Gesetz zum Schutz der Insektenvielfalt in Deutschland vom 18. August 2021, Bundesgesetzblatt I S. 3908. ↩︎ ↩︎

  6. Hallmann et al., S2 Appendix, „Malaise traps“, Zusatzmaterial zur Studie von 2017. ↩︎

  7. Martin Sorg, Heinz Schwan, Werner Stenmans und Andreas Müller, „Ermittlung der Biomassen flugaktiver Insekten im Naturschutzgebiet Orbroicher Bruch mit Malaise Fallen in den Jahren 1989 und 2013“, Mitteilungen aus dem Entomologischen Verein Krefeld 1 (2013): 1–5, archivierte Fassung. ↩︎

  8. Hallmann et al., S1 Dataset, Zusatzmaterial zur Studie von 2017: eine Zeile je Fallenprobe, mit Standort, Jahr, erstem und letztem Tag und Gewicht. Alle Angaben in den Krefeld-Abschnitten, die als eigene Berechnung oder eigene Zählung gekennzeichnet sind, stammen aus dieser Datei; die Tage sind vom ersten bis zum letzten Tag jeder Probe gezählt, beide eingeschlossen. ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  9. RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, „Insektensterben die zweite“, Unstatistik des Monats, 27. Oktober 2017. ↩︎

  10. Caspar Hallmann, Martin Sorg, Eelke Jongejans, Henk Siepel und Hans de Kroon, Kommentar der Autoren zu den Rohdaten und zum berechneten Trend, veröffentlicht bei der Studie in PLOS ONE, 14. November 2017, mit einer deutschen Fassung der Autoren. ↩︎ ↩︎

  11. Caspar A. Hallmann, Axel Ssymank, Martin Sorg, Hans de Kroon und Eelke Jongejans, „Insect biomass decline scaled to species diversity: General patterns derived from a hoverfly community“, Proceedings of the National Academy of Sciences 118(2): e2002554117, 11. Januar 2021. Tabelle 1 und der Methodenteil. ↩︎ ↩︎

  12. Raphael K. Didham und zwölf weitere, „Interpreting insect declines: seven challenges and a way forward“, Insect Conservation and Diversity 13(2): 103–114, März 2020. ↩︎

  13. Hella Ludwig und sechs weitere, Bundesweites Insektenmonitoring (IM): Methodenhandbuch (Stand 2025), BfN-Schriften 749, Bundesamt für Naturschutz, 2025. ↩︎ ↩︎

  14. Nicole Remmel, Julian Enss, Peter Haase und James S. Sinclair, „Are Findings of Key Insect Metrics Generalizable Across Different Taxa in Malaise Trap Samples?“, Ecology and Evolution 15(8): e72006, August 2025. Zusammenfassung. ↩︎

  15. Johannes Uhler und 22 weitere, „Relationship of insect biomass and richness with land use along a climate gradient“, Nature Communications 12: 5946, 12. Oktober 2021. ↩︎

  16. Katharina Homburg und sieben weitere, „Where have all the beetles gone? Long-term study reveals carabid species decline in a nature reserve in Northern Germany“, Insect Conservation and Diversity 12(4): 268–277, 2019. ↩︎

  17. Deutscher Bundestag, Drucksache 20/9330, Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage „Möglicher Insektenrückgang in der Agrarlandschaft“, 15. November 2023. ↩︎ ↩︎ ↩︎

  18. Deutscher Bundestag, Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, Wortprotokoll der 73. Sitzung, öffentliches Fachgespräch zu Ursachen und Auswirkungen des Biodiversitätsverlustes bei Insekten, 13. Januar 2016, Protokoll-Nr. 18/73. Es spricht Josef Tumbrinck vom NABU Nordrhein-Westfalen, S. 4. ↩︎

  19. Deutscher Bundestag, Drucksache 18/13142, Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage „Insekten in Deutschland und Auswirkungen ihres Rückgangs“, 18. Juli 2017. ↩︎ ↩︎ ↩︎

  20. RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, „80 Prozent der Insekten sind verschwunden“, Unstatistik des Monats, 31. August 2017. ↩︎

  21. Deutscher Bundestag, Drucksache 19/9795, Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage „Insektensterben und Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität“, 30. April 2019. Antworten auf die Fragen 1 und 2, zu den Rote-Liste-Bänden von 2011 und 2016. ↩︎

  22. Gerhard Ludwig, Heiko Haupt, Horst Gruttke und Margret Binot-Hafke, „Methodik der Gefährdungsanalyse für Rote Listen“, Naturschutz und Biologische Vielfalt 70(1): 23–71, 2009. ↩︎

  23. Paul Westrich und sechs weitere, „Rote Liste und Gesamtartenliste der Bienen (Hymenoptera, Apidae) Deutschlands“, 5. Fassung, Februar 2011, Naturschutz und Biologische Vielfalt 70(3): 373–416. Tabelle 2 und der Abschnitt zu den Datengrundlagen. Die Liste liegt im Download des Rote-Liste-Zentrums. ↩︎ ↩︎

  24. Martin Musche und andere, Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter und Widderchen Deutschlands, Naturschutz und Biologische Vielfalt 170(11), 2025, Abschnitt 4.2.3 und Abschnitt 2. Zusammengefasst in Bundesamt für Naturschutz, „Rote Liste: Tagfalter zunehmend gefährdet“, 11. Dezember 2025. ↩︎ ↩︎

  25. Bundesamt für Naturschutz, „Rote Liste: Für Raubfliegen-Arten feucht-kühler Lebensräume wird es schwerer“, 3. Dezember 2025. Die Zahlen zu den Trends stammen aus der Datentabelle der Liste auf der Download-Seite des Rote-Liste-Zentrums. ↩︎

  26. Dominik Poniatowski und andere, Rote Liste und Gesamtartenliste der Heuschrecken und Fangschrecken Deutschlands, Naturschutz und Biologische Vielfalt 170(7), 2024, Tabelle der Kriterien. Zusammengefasst in Bundesamt für Naturschutz, „Rote Liste: Rund ein Drittel der Heuschrecken bestandsgefährdet“, 16. Mai 2024. ↩︎

  27. Elisabeth Kühn, Martin Musche, Alexander Harpke, Reinart Feldmann, Martin Wiemers und Josef Settele, „Tagfalter-Monitoring Deutschland: Auswertung 2005–2023“, Oedippus 42: 6–45, 2025, und das Editorial desselben Hefts. Abbildung 8 für die Falter je Abschnitt; der Wert für 2009 lässt die Masseneinwanderung der Distelfalter in jenem Jahr weg. ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  28. Alexander Harpke, Elisabeth Kühn, Thomas Schmitt, Josef Settele und Martin Musche, „The Grassland Butterfly Index for Germany“, Nature Conservation 59: 315–334, 23. September 2025. ↩︎

  29. Sebastian Seibold und 18 weitere, „Arthropod decline in grasslands and forests is associated with landscape-level drivers“, Nature 574: 671–674, 30. Oktober 2019. ↩︎ ↩︎

  30. Seibold et al., Supplementary Information zur Studie von 2019, Abschnitt 3 und Tabelle S3-1. ↩︎ ↩︎ ↩︎

  31. Gergana N. Daskalova, Albert B. Phillimore und Isla H. Myers-Smith, „Accounting for year effects and sampling error in temporal analyses of invertebrate population and biodiversity change: a comment on Seibold et al. 2019“, Insect Conservation and Diversity 14(1): 149–154, Januar 2021. ↩︎

  32. Sebastian Seibold und 14 weitere, „Insights from regional and short-term biodiversity monitoring datasets are valuable: a reply to Daskalova et al. 2021“, Insect Conservation and Diversity 14(1): 144–148, Januar 2021. ↩︎

  33. Diana E. Bowler und 18 weitere, „Winners and losers over 35 years of dragonfly and damselfly distributional change in Germany“, Diversity and Distributions 27(8): 1353–1366, 2021. ↩︎ ↩︎

  34. Eva Katharina Engelhardt und 13 weitere, „Consistent signals of a warming climate in occupancy changes of three insect taxa over 40 years in central Europe“, Global Change Biology 28(13): 3998–4012, 2022. ↩︎

  35. Peter Haase und 95 weitere, „The recovery of European freshwater biodiversity has come to a halt“, Nature 620: 582–588, 2023. ↩︎

  36. Petr Zajicek und fünf weitere, „Long-term data reveal unimodal responses of ground beetle abundance to precipitation and land use but no changes in taxonomic and functional diversity“, Scientific Reports 11: 17468, 1. September 2021. ↩︎

  37. Viktor Baranov, Jonas Jourdan, Francesca Pilotto, Rüdiger Wagner und Peter Haase, „Complex and nonlinear climate-driven changes in freshwater insect communities over 42 years“, Conservation Biology 34(5): 1241–1251, 2020. ↩︎

  38. Christian Wirth, Helge Bruelheide, Nina Farwig, Jori Maylin Marx und Josef Settele (Hrsg.), Faktencheck Artenvielfalt, oekom Verlag, München, 2024, S. 58–59. ↩︎

  39. Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, FAOSTAT, crops and livestock products, Deutschland, Bienen, Bestand: 1.215.000 Völker im Jahr 1991, 669.999 im Jahr 2007 und 1.013.000 im Jahr 2024. Datei vom 23. Dezember 2025, abgerufen am 6. Oktober 2026. Die Versorgungsbilanz Honig des Landwirtschaftsministeriums nennt für 2025 rund 976.400 Völker. ↩︎

  40. Gesellschaft für deutsche Sprache, „GfdS wählt »Respektrente« zum Wort des Jahres 2019“, 29. November 2019. „Bienensterben“ steht auf Platz acht der Liste. ↩︎

  41. Jörg Müller und neun weitere, „Weather explains the decline and rise of insect biomass over 34 years“, Nature 628: 349–354, online veröffentlicht am 27. September 2023. Zusammenfassung. ↩︎

  42. Müller et al., Daten und R-Code zur Studie von 2023, figshare, 29. September 2023. ↩︎

  43. François Duchenne und Colin Fontaine, „Weather explains inter-annual variability, but not the temporal decline, in insect biomass“, Insect Conservation and Diversity 17(6): 932–937, 2024. ↩︎

  44. Caspar A. Hallmann und sieben weitere, „Weather anomalies cannot explain insect decline“, Nature 639: E7–E11, 12. März 2025. ↩︎ ↩︎

  45. Roland Mühlethaler, Sebastian Köthe, Thomas Hörren, Martin Sorg, Lisa Eichler und Gerlind U. C. Lehmann, „No recovery in the biomass of flying insects over the last decade in German nature protected areas“, Ecology and Evolution 14(3): e11182, März 2024. ↩︎

  46. Thomas Hörren und 13 weitere, „Monitoring der Biodiversität flugaktiver Insekten in NRW“, Natur in NRW 3/2023: 17–21, archivierte Fassung. ↩︎

  47. Zenodo, Datensatz 14258659, Daten zu „Weather anomalies cannot explain insect decline“, datiert auf den 2. Dezember 2024, abgerufen am 6. Oktober 2026. ↩︎

  48. Jörg Müller und neun weitere, „Reply to: Weather anomalies cannot explain insect decline“, Nature 639: E12–E13, 12. März 2025. ↩︎ ↩︎ ↩︎

  49. Joachim Budde, „Insektensterben: »Wir sind immer noch bei Stufe null«“, Spektrum der Wissenschaft, 19. März 2025. ↩︎

  50. Nationales Monitoringzentrum zur Biodiversität, Steckbrief „Bundesweites Insektenmonitoring“, abgerufen am 6. Oktober 2026. ↩︎

  51. Nationales Monitoringzentrum zur Biodiversität, 9. Sitzung des Steuerungsgremiums, Ergebnisprotokoll, Sitzung vom 18. Juli 2025. ↩︎

  52. Nationales Monitoringzentrum zur Biodiversität, „Kofinanzierung von Monitoringprogrammen“, abgerufen am 6. Oktober 2026. ↩︎

  53. Bundesamt für Naturschutz, „Insektenmonitoring“, abgerufen am 6. Oktober 2026. ↩︎

  54. Ellen A. R. Welti und 42 weitere, „Temperature drives variation in flying insect biomass across a German malaise trap network“, Insect Conservation and Diversity 15(2): 168–180, 2022. ↩︎

  55. Peter Haase, Dominik Buchner, Florian Leese, Carsten Morkel, Torsten Raab und James S. Sinclair, Bestimmung der Artenvielfalt von Fluginsekten in hessischen Gebieten mittels molekularer Methoden, Abschlussbericht, Senckenberg Forschungsinstitut für das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG), 2023, S. 10. ↩︎

  56. Francisco Sánchez-Bayo und Kris A. G. Wyckhuys, „Worldwide decline of the entomofauna: A review of its drivers“, Biological Conservation 232: 8–27, April 2019. Schlussfolgerungen, S. 22. ↩︎

  57. Damian Carrington, „Plummeting insect numbers ’threaten collapse of nature‘“, The Guardian, 10. Februar 2019. ↩︎

  58. Atte Komonen, Panu Halme und Janne S. Kotiaho, „Alarmist by bad design: Strongly popularized unsubstantiated claims undermine credibility of conservation science“, Rethinking Ecology 4: 17–19, 19. März 2019. ↩︎

  59. „RETRACTION: Parallel Declines in Abundance of Insects and Insectivorous Birds in Denmark Over 22 Years“, Ecology and Evolution 16(6): e73864, Juni 2026. ↩︎

  60. „Erratum for the Report “Meta-analysis reveals declines in terrestrial but increases in freshwater insect abundances” by R. Van Klink, D. E. Bowler, K. B. Gongalsky, A. B. Swengel, A. Gentile, J. M. Chase“, Science 370(6515): eabf1915, 23. Oktober 2020. Der Wert für Deutschland steht in der Tabelle der alten und neuen Schätzungen im Zusatzmaterial auf Zenodo. ↩︎

  61. H. Holden Thorp, „Editorial Expression of Concern for the Report “Meta-analysis reveals declines in terrestrial but increases in freshwater insect abundances”“, Science 391(6783): 360, 22. Januar 2026. ↩︎

  62. Laurence Gaume und Marion Desquilbet, „InsectChange: Comment“, Peer Community Journal 4: e97, 8. Oktober 2024. ↩︎

  63. Roel van Klink, Diana E. Bowler, Konstantin B. Gongalsky, Minghua Shen, Scott R. Swengel und Jonathan M. Chase, „Disproportionate declines of formerly abundant species underlie insect loss“, Nature 628: 359–364, online veröffentlicht am 20. Dezember 2023. ↩︎

  64. Callum J. Macgregor, Jonathan H. Williams, James R. Bell und Chris D. Thomas, „Author Correction: Moth biomass has fluctuated over 50 years in Britain but lacks a clear trend“, Nature Ecology & Evolution 5: 865–883, 14. Mai 2021. ↩︎